Ubuntu 18.04 LTS: Neuerungen für den Desktop

Das Ubuntu-Team hat die erste Beta des kommenden Ubuntu 19.04 mit dem Codenamen Disco Dingo veröffentlicht.

Ubuntu 18.04 ist da. Die neue Version mit dem Codenamen Bionic Beaver erhält fünf Jahre Support, nutzt weiterhin X.org und als Desktop Gnome 3.28. Neue ist unter anderem eine installierbare Minimalversion. Ein Blick auf die Änderungen am Desktop.

Dass die Gnome Shell künftig das noch in der Vorgänger-LTS-Version 16.04 eingesetzte Unity 7 ersetzt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Anders als zunächst erwartet, bootet das System aber nicht in eine Wayland-Session, sondern setzt standardmäßig weiterhin auf das Fenstersystem X.org.

Wayland als zweite Wahl: Standardmäßig setzt Ubuntu 18.04 LTS auf X.org.

Wayland als zweite Wahl: Standardmäßig setzt Ubuntu 18.04 LTS auf X.org.

Die Gründe für die Rolle rückwärts im Entwicklungsprozess nannte Ende Januar Canonicals Desktop-Chef Will Cooke. So gibt es unter Wayland offenbar Probleme mit Web-RTC-Anwendungen, mit Skype und Google Hangouts und dabei vor allem mit dem Screen Sharing. Auch Remote-Desktop-Anwendungen machen mit dem neuen Displayserver noch Probleme. Laut Cooke arbeiten die Entwickler mit einem Screen-Sharing-Protokoll und Pipewire an Lösungen.

Daneben scheint es mit Wayland aber auch größere Probleme bei Abstürzen der Gnome Shell zu geben. Crashen diese und mit ihr der Fenstermanager Mutter, reißen sie auch die laufenden Anwendungen mit und der Nutzer sitzt wieder vor dem Login-Schirm. Beim Einsatz von X.org startet die Shell hingegen unabhängig von den laufenden Anwendungen und vom Display-Server neu.

Kein Unity 8, dafür Minimalismus

Zwar hat sich Canonical offiziell von Unity 8 verabschiedet, das UB-Ports-Projekt entwickelt Ubuntu Touch aber unabhängig von Canonical weiter. Die ursprünglichen Pläne, den inoffiziellen Desktop in Ubuntu 18.04 zu integrieren, ließ das Projekt allerdings im März 2018 fallen, da ein wichtiges Mesa-Patch der Mir-Entwickler mit einer Ubuntu-18.04-Komponente (“Libglvnd”) kollidiert.

Neu ist die Möglichkeit, eine "Minimale Installation" zu wählen. Das geht nicht nur schneller, sondern Ubuntu 18.04 wirft so auch Ballast ab. Ist es zu viel, lassen sich die gewünschten Pakete nachinstallieren.

Neu ist die Möglichkeit, eine “Minimale Installation” zu wählen. Das geht nicht nur schneller, sondern Ubuntu 18.04 wirft so auch Ballast ab. Ist es zu viel, lassen sich die gewünschten Pakete nachinstallieren.

Für Asketen und Menschen mit eher schwachbrüstigen Rechnern bringt der Installer von Ubuntu 18.04 neuerdings die Option “Minimal Installation” mit. Wer sie ankreuzt, erhält einen minimalen Gnome-Desktop mit einigen rudimentären Features sowie Firefox als Browser. Eine Office-Anwendung fehlt ebenso wie Briefträger Thunderbird und VLC-Player.

Mit Sicherheit

Unterstützt ein Rechner Secure Boot, gibt der Installer jetzt den Hinweis, dass beim Einsatz proprietärer Treiber wie der von Nvidia, Secure Boot nicht mehr funktioniert. Weil das System diese proprietären Module mit Hilfe von DKMS selbst übersetzt, kann Canonical sie nicht signieren und für ihre Sicherheit die Hand ins Feuer legen.

Ein klassisches Sicherheitsfeature fällt weg: der Befehl “gksu”. Laut Entwickler Jeremy Bicha sei der Befehl veraltet, der richtige Weg führe über Policykit. Wer weiterhin mit dem Dateimanager Dateien mit Rootrechten bearbeiten möchte, erreicht die Verzeichnisse in Nautilus über “admin:///etc/default/”.

Der Installer verzichtet künftig auf die Option, Home-Verzeichnisse zu verschlüsseln. Stattdessen raten die Entwickler zur Festplattenverschlüsselung mit Luks oder zu FS-Crypt.

Der Installer verzichtet künftig auf die Option, Home-Verzeichnisse zu verschlüsseln. Stattdessen raten die Entwickler zur Festplattenverschlüsselung mit Luks oder zu FS-Crypt.

Im Installer fehlt neuerdings die Option, um das Home-Verzeichnis über Ecrypt-FS zu verschlüsseln. Als sicherer gilt eine Festplattenverschlüsselung, die allerdings die Lese- und Schreibzugriffe auf die Festplatte ein wenig verlangsamt und bei jedem Reboot die Eingabe des Passworts auf der Kommandozeile verlangt. Wer auf eine Ordnerverschlüsselung besteht, dem empfehlen die Entwickler FS-Crypt für Ext 4.

Tanz um die Daten

Um Ubuntu nach eigenen Angaben besser zu machen, sammeln die Ubuntu-Entwickler auch anonymisiert Nutzerdaten. Dazu gehören unter anderem Informationen zur verwendeten Hardware, zu den installierten Paketen sowie Crash-Reports. Wer sein System von einem älteren Ubuntu aktualisiert, muss diesem Datenversand per Opt-in explizit zustimmen. Wer Ubuntu 18.04 neu installiert, kann beim Erststart des Desktops ein Häkchen entfernen, wenn er nicht möchte, dass Canonical diese Daten sammelt (Opt-out).

Was Gnome-Nutzer erwartet

Mit Gnome 3.28 kommen ebenfalls (teils ästhetische) Neuerungen auf die Anwender zu. So lässt sich erstmals die Thunderbolt-3-Schnittstelle verwenden, ein Werkzeug namens Bolt hilft dabei – sowohl auf dem Desktop als auch auf der Kommandozeile. Für verbundene Bluetooth-LE-Geräte (Low Energy) zeigt Gnome die Batterieladung an.

Boxen heißt Gnomes VM-Manager, der nun auch Downloadmöglichkeiten für Images mitbringt.

Boxen heißt Gnomes VM-Manager, der nun auch Downloadmöglichkeiten für Images mitbringt.

Virtuelle Maschinen lädt die Virtualisierungslösung Boxes nun selbstständig aus dem Internet herunter. Die Todo-Liste (Gnome To-do) lässt sich standardmäßig nutzen, sind einfacher zu bedienen und übersichtlicher gestaltet. Gleiches gilt für Kalendereinträge, wobei neben den Events nun auf Wunsch auch eine Wettervorhersage erscheint. Videos spielt jetzt Mjpeg-Dateien ab, Photos importiert Fotos von externen Geräten besser. Neu an Bord ist zudem Usage, das Performancedaten des Systems sowie die Massenspeicherbelegung grafisch anzeigt.

Frische Software und Schnaps!

Wie üblich bei Updates gibt es von verschiedenen Anwendungen neue Ausgaben. So liefert Ubuntu etwa Libre Office in Version 6.0 aus, Firefox Quantum in Version 59.0.2 und VLC in Version 3. Einige Apps, etwa den Dateimanager Nautilus, bietet Ubuntu weiterhin im gewohnten Deb-Format an, daneben ist aber auch ein Snap-Store für Snap-Apps mit an Bord.

Als Snaps verpackte Software lässt sich auch über das Kommandozeilen-Werkzeug "snap" installieren, das zahlreiche Optionen parat hält.

Als Snaps verpackte Software lässt sich auch über das Kommandozeilen-Werkzeug “snap” installieren, das zahlreiche Optionen parat hält.

Die Release Notes für die Desktop-Ausgabe von Ubuntu 18.04 LTS liefern noch weitere Details zu den Neuerungen, sowie Hinweise zu bereits bekannten Fehlern. Die 64-Bit-Ausgabe des ISOs wartet unter anderem auf dem Image-Server von Canonical.

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7 Kommentare
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Hubert Smuda
7 Jahre her

Kann ich die neue Version einfach “drüberinstallieren” über eine bestehende Installation LTS 16?

Uwe
7 Jahre her

Ein Programm namens “Boxen” konnte ich nicht finden, aber “gnome-boxes”, was wohl gemeint war.

Erich Autengruber
7 Jahre her

Liebe Ubuntunutzer,ich brauche eure Hilfe.Ich habe 18.04 installiert und es hat auch schon funktioniert.Aber jetzt kann ich das Hauptmenü nicht mehr öffnen .Das heißt es zeigt bei Anwendungen keine Untermenüsan und ich kann bestimmte Anwendungen wie zb Libre Office nicht mehr öffnen.

bernd
7 Jahre her

18.4 lässt meinen Vaio komplett schwarz werden .
Linux Ubuntu kannste vergessen

Christian P.
6 Jahre her

Ich habe Widows10 und möchte auf Unbuntu 18.04 umsteigen. Kann ich das Programm drüber installieren?

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