Aus Linux-Magazin 04/2018

Ein Smart-Home-Planungsleitfaden

© Kirill Kedrinski, 123RF

Wie viel Hausautomation darf es denn sein? Und ist, was ich vorhabe, auch zukunftssicher? Diese Fragen stellen sich die Bauherren eines Neubaus ebenso wie die Planer einer Altbausanierung oder der Techniker einer kleinen Firma. Dieser Artikel versucht sich an systematischen Antworten.

Das Schlagwort Smart Home kann vieles umfassen: Soll tatsächlich jeder Schalter, jede Lampe, jedes Gerät mit jedem anderen interagieren? Oder ist es vielleicht doch nur die Rollladen-Automatisierung, die – unabhängig von allen anderen Geräten – pünktlich morgens um 7 Uhr die Jalousien öffnen und die ersten Sonnenstrahlen ins Haus lassen soll?

Von der Antwort auf diese Frage hängt es ab, ob eine Integrationsplattform notwendig ist oder ob man es ohne sie schafft. Egal ob Neubau, Altbausanierung oder Umbau innerhalb der Wohnung: Für den Smart-Home-Planer gibt es viel zu lernen, zu entscheiden und im Licht der finanziellen Möglichkeiten abzuwägen.

Design-Prinzipien

Egal welche Funktionen nachher wie umgesetzt werden: Ein Smart Home besticht nicht durch zehn verschiedene Apps auf dem Smartphone oder Tablet. Auch Schalterbatterien an den Wänden dienen nicht der Vereinfachung und einer höheren Lebensqualität. Viel eher erleichtert ein Smart Home den alltäglichen Umgang mit Routineaufgaben, die zum Wohnen dazugehören. Dabei besticht es durch Einfachheit in der Bedienung und mit durchdachten Logiken und Regelungen, die die Bewohner noch ihren Bedürfnissen anpassen können.

Ein Smart Home kann einerseits kabelgebunden aufgebaut werden, andererseits gibt es mittlerweile viele Geräte, die sich per Funk unterhalten können. Auch eine Kombination beider Technologien ist möglich. Kabelgebundene Sensoren oder Aktoren benötigen in der Regel keine eigene Stromquelle und bringen oft die kostengünstigere Lösung.

So kann mit dem 1-wire-Protokoll über parasitäre Spannungsversorgung etwa ein kompletter Bus im Haus versorgt werden. Pro Temperatursensor (DS18B20) und pro Raum fallen dann je nach Bezugsquelle zwischen zwei und fünf Euro an, dagegen liegt ein Funk-Thermostat bald bei 30 Euro und mehr pro Stück.

Grundsätzlich bieten Funkstandards wie Enocean, Zigbee oder Wifi viele Möglichkeiten und Flexibilität, um auch nachträglich zu automatisieren. Viele Hersteller, etwa Philips mit seiner Produktreihe Hue [1], ermöglichen darüber hinaus auch einen Zugriff via API auf Gerätefunktionen, was eine Integration in eine Gesamtsteuerung deutlich vereinfacht und Inselbildung vermeidet.

Aber egal ob kabelgebunden, per Funk oder eine Kombination aus beidem: Ein mögliches Konzept kann darin bestehen, möglichst viele Sensoren und Aktoren im Haus zu verbauen und innerhalb eines Systems zu integrieren, um dann alle Potenziale auszuschöpfen. Unter Umständen ergeben sich dadurch zu einem späteren Zeitpunkt neue Funktionen, die während der Planung noch gar nicht in Betracht kamen.

Drei Bausteine

Der Artikel gliedert die Funktionen einer Hausautomatisierung in drei Bausteine: Erstens das Userinterface des Smart Home, das der Anwender im Regelfall per App auf dem Handy oder Tablet benutzt. Einzelne Funktionen sind für Bewohner einfach und durch übersichtliche Wandschalter auslösbar. Oft ist die Visualisierung nicht nur im LAN verfügbar, sondern auch von unterwegs erreichbar (Einwahl per VPN oder Portal vom Hersteller oder Cloudservices etc).

Zweitens gibt es den Hardware Abstraction Layer (HAL), der Schnittstellen zu Sensoren und Aktoren bietet. Er kapselt die tatsächliche Verbindung zu den Geräten und die dahinter liegenden Medien und Protokolle und gibt kompatible und transparente Funktionen an andere Bausteine weiter. Open HAB/Open HAB2 [2] mit seiner Plugin-Architektur versteht sich beispielsweise als ein solcher Vermittler. Auch IO-Broker [3] in Verbindung mit Node-RED [4] sowie FHEM [5] eignen sich hierfür.

Drittens geht es um eine Rule-Engine, die bei der Hausautomatisierung für die Schaltungslogik sorgt und die Sensoren und Aktoren über den HAL orchestriert. Sie kann einerseits zentral organisiert sein (wie etwa bei Home Matic [6] oder Loxone [7]) oder wie das Beispiel KNX zeigt, in die Geräte selbst integriert sein. Letzteres bringt als Vorteil eine Redundanz von Funktionen mit sich, steigert jedoch im Regelfall auch die Komplexität der Programmierung und reduziert die Übersichtlichkeit.

Davon abgesehen gibt eine Rule-Engine dem Smart-Home-Entwickler fertige Funktionsbausteine an die Hand, die die Automatisierung vereinfachen. Dabei ist es bei der Nutzung von Funktionsbausteinen oder beim Erstellen von Regeln egal, welche Hardware sich hinter den Sensoren und Aktoren verbirgt: Der HAL abstrahiert sie.

Nicht immer finden sich bei Smart-Home-Herstellern alle Funktionsbausteine wieder: Es gibt spezialisierte Lösungen (Beispiel: Energiemanagement, Bewässerungsautomationen), die oft nur die eigenen Sensoren und Aktoren kennen – der Hardware Abstraction Layer bietet dann nur eingeschränkt Möglichkeiten, Fremdprodukte zu integrieren.

Das führt oft zu Automationssilos und zu unterschiedlichen Visualisierungen. Dem Benutzer fällt dann negativ auf, dass er mehrere Apps braucht. Die Sensoren und Aktoren unterschiedlicher Hersteller in einem Haus müssen daher sorgsam aufeinander abgestimmt sein. Wieder andere Lösungen beschäftigen sich damit, möglichst viele Geräte herstellerübergreifend zu unterstützen oder Schnittstellen anzubieten – oftmals sind sie aber teurer.

Beleuchtungstechnik

Zur Planung von Wohnräumen gehört natürlich die Planung der Lichtquellen. Egal ob indirekte Beleuchtung via RGB- und LED-Stripes, Stehlampen und Deckenfluter, LED-Deckenspots, die smarte Glühbirne, die bereits WLAN spricht, oder die herkömmliche Deckenlampe: Das Licht taucht den Raum in eine ganz eigene Atmosphäre und sorgt für ein angenehmes Ambiente.

Meist ist gerade in Wohn-, Ess- und Küchenbereich eine Kombination der verschiedenen Lichtquellen gefragt. Und genau hier sind smarte Lösungen im Vorteil: Wie wäre es, angenehme und warme Lichtstimmung durch eine Verknüpfung unterschiedlicher Lichtquellen mit unterschiedlicher Intensität zu erzeugen? Diese Lichtprogramme oder -szenen könnten sich durch eine Schalterbetätigung oder durch das Betreten eines Raumes auslösen lassen – Hausautomation macht’s möglich (Abbildung 1).

Abbildung 1: Unterschiedliche Lichtszenen, die per App oder Lichtschalter auswählbar sind.    

Abbildung 1: Unterschiedliche Lichtszenen, die per App oder Lichtschalter auswählbar sind.    

Doch zunächst zu den Beleuchtungselementen: Mittlerweile werden größtenteils LED-Technologien eingesetzt. Je nach Leuchtmittel lassen die sich durch Konstantstrom oder aber durch Konstantspannung über Pulsweitenmodulation (PWM) dimmen. Zudem bietet der Einsatz von Dimmern in Verbindung mit der Hausautomationssoftware die Möglichkeit, das Licht oder einer Lichtszene weich einzuschalten, was der Benutzer oft als angenehm empfindet.

Es gibt mindestens zwei Protokolle, die die Steuerung der Dimmer übernehmen: Digital Addressable Lighting Interface (DALI) und Digital Multiplex (DMX). Letzteres hat seinen Ursprung in der Bühnenbeleuchtungstechnik und ist vielseitig einsetzbar. So lassen sich etwa mit einem oder mehreren zentral im Schaltschrank oder auch dezentral verbauten DMX-Dimmern alle Kanäle für alle LED-Leuchtmittel im Haus steuern. Bei der Planung dimmbarer Leuchtmittel mit Hilfe von DMX-Dimmern muss sich der Installateuer überlegen:

  • Wie viele Lichtkreise werden im Haus benötig (Abbildung 2)? Nur in seltenen Fällen ist es wirklich notwendig, jede verbaute LED einzeln zu dimmen. Oft reicht es zum Beispiel bei LED-Deckenspots drei oder mehr Spots zu einem Lichtkreis zusammenzuschließen. Wichtig ist hier aber, das Datenblatt des Dimmers zu Rate zu ziehen, damit der Anwender die erlaubten Maximalströme nicht überschreitet.
  • Handelt es sich um LEDs, die sich per Konstantstom oder Konstantspannung und via PWM dimmen lassen?
  • Handelt es sich um einfarbige oder um RGB-LEDs, die zur Erzeugung des erwünschten Farbtons drei Kanäle statt einen Kanal benötigen?

Herrscht in diesen Punkten Klarheit, ergibt sich, wie viele Kanäle in Summe nötig sind. Danach kann die Suche nach einem oder mehreren geeigneten Dimmern losgehen. Um beispielhaft einen Hersteller zu nennen: DMX4All [8] bietet in diesem Gebiet preiswerte Lösungen für 4- und 9- Kanal-Dimmer an, die dann mittels DMX-Interface der Smart-Home-Lösung oder auch via USB-Dongle und mit dem Programm »lindmx« (DMX für Linux) angesprechbar sind.

Abbildung 2: Wohnraumskizze mit der Planung von Lichtkreisen.

Abbildung 2: Wohnraumskizze mit der Planung von Lichtkreisen.

Neben dem Ansatz, Leuchtmittel über zentrale Dimmer anzuschalten, gibt es – wie bereits geschildert – auch die Möglichkeit, einzelne smarte Leuchtmittel einzusetzen. Dies kann etwa die Glühbirne der Stehlampe im Wohnzimmer sein, die sich über Zigbee und ein passendes Gateway und den Hardware Abstraction Layer in die Hausautomation einklinkt. Weitere Möglichkeiten bieten beispielsweise KNX-Aktoren (hierzu muss die Hausautomatisierung aber das passendes Gateway mitbringen) oder ESP8266-Relayboards, die per WLAN ihre Schaltinstruktion erhalten. Ein Hersteller derartiger Technik ist zum Beispiel Sonoff.

Es gilt abzuwägen, welche Kombination die persönlichen Erwartungen erfüllt. Bussysteme wie DMX oder KNX benötigen in der Regel mehr Peripherie und können dann kostengünstiger pro Schaltkanal sein, wenn viele Aktoren im Spiel sind. Soll weniger gedimmt und und geschalten werden, kann eine Nutzung von smarten Leuchtmitteln mit entsprechender Integrationsmöglichkeit einen Kostenvorteil haben. Natürlich spricht auch nichts gegen eine Kombination aus zentralen und dezentralen Komponenten.

Der Hardware Abstraction Layer kapselt diese Anwendungsfälle gegenüber der Hausautomation und der Rule-Engine. Letztere bietet im Regelfall vorkonfektionierte Möglichkeiten an, um Lichtquellen in Durchgangsräumen nach einer gewissen Zeit wieder automatisch auszuschalten oder sie in einer zeitlichen Abfolge ein- an oder auszuschalten.

In Verbindung mit Bewegungs- und Präsenzmeldern lässt sich noch mehr automatisieren. Wenn auch diese Sensoren Teil der integrierten Hausregelung sind und entsprechende Informationen über die Anwesenheit von Personen in Räumen an die Rule-Engine weitergeben, lassen sich nicht nur Licht-Szenen schalten, sondern das ganze Gebäude in einen Präsenz-Modus versetzen. Dabei kann die Heizung eine höhere Temperatur anfahren oder etwa eine scharfe Alarmanlage unberechtigten Zugriff vermelden.

Steckdosen

Steckdosen sind in der Regel dauerhaft eingeschaltet. Aber auch hier bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten, die während der Planungsphase zu berücksichtigen sind. Der Nutzer kann die Steckdosen etwa von vornherein schaltbar konzipieren oder aber auch im Nachhinein noch eine smarte Steckdose ergänzen. Im ersten Fall eignen sich beispielsweise KNX-Aktoren, die – je nach Ausführung – gleich mehrere Schaltkanäle besitzen.

Manche Steckdose messen sogar die über sie bezogene elektrische Energie. Die durch diesen Sensor zusätzlich gewonnenen Daten lassen sich in der Hausautomation dann wieder weiterverarbeiten: Ein an die Steckdose angeschlossener Verbraucher gibt dadurch entweder Aufschluss über seinen Energieverbrauch oder das Smart Home kann aufgrund der abgerufenen Energie den Schaltzustand des Geräts ermitteln (also ob es momentan ein- oder ausgeschaltet ist).

Das ist in den Fällen hilfreich, in denen die Rule-Engine darauf reagieren soll. Dafür ein Beispiel: Anhand der Strommessung der Steckdose des Fernsehers wird erkannt, ob ihn jemand einschaltet. Als Folge davon dimmt die Rule-Engine automatisch das Licht im Wohnzimmer und schaltet das Web-Radio aus.

Verbraucher an Steckdosen, die von Haus aus keine nativen Schnittstellen für eine Hausautomation mit sich bringen, bieten oftmals einen Stromausfallschutz an. Der besteht darin, dass sich die Geräte merken, in welchem Zustand sie sich vor einer Stromunterbrechung befanden (Trockner, Waschmaschine, Spülmaschine). Sie arbeiten das unterbrochene Programm dann später weiter ab der gemerkten Stelle ab, sobald der Strom wieder verfügbar ist.

Diese Funktion kann die Hausautomatisierung in Verbindung mit schaltbaren Steckdosen und der Strommessung nutzen: So könnte sie nach dem Anschalten des Geräts durch den Bewohner die Stromzufuhr erst einmal unterbrechen und erst dann wieder einschalten, wenn zum Beispiel das Signal dem Energie-Management signalisiert, dass jetzt genügend überschüssiger Strom aus der Photovoltaik-Anlage auf dem hauseigenen Dach zur Verfügung steht. In diesem Fall würde sich das unterbrochene Gerät an seinen letzten Zustand erinnern und dort fortfahren.

Entertainment und Audiotechnik

Die richtigen Voraussetzungen für ein integriertes Entertainment sind in der Planungsphase nicht immer abzusehen. So wäre eine Möglichkeit, über fest verlegte Lautsprecherkabel in mehreren Räumen und einen zentralen Verstärker eine Audiolösung aufzubauen. Auch hier gilt die Devise: Wie integriert sich eine autarke Multiroom-Lösung (Sonos, Denon) in eine bestehende Hausautomation?

Diese Frage ist dann relevant, wenn beispielsweise gewünscht ist, dass eine Musikwiedergabe im Wohnzimmer aufhört, sobald jemand den Fernseher anschaltet. Ein zweites Fallbeispiel in Sachen Multiroom-Audiolösung: Bei ankommenden Anrufen über die Telefonanlage soll sich automatisch die Lautstärke für den jeweiligen Raum reduzieren, wenn der Präsenzmelder eine anwesende Person detektiert.

Eine Multiroom-Audiolösung kann eine kostspielige Angelegenheit sein. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, verwendet einen Raspberry Pi, eine 7.1-USB-Soundkarte und die richtige »alsalib«-Konfiguration unter Linux in Verbindung mit dem passenden Audioplayer. Kommen Text-to-speech-Funktionen hinzu, kann die Hausautomatisierung den Bewohnern akustische Mittteilungen vorlesen. So meldet etwa der Trockner im Keller über die Multiroom-Audio-Lösung Vollzug oder es erfolgt der akustische Hinweis, dass der Staubbehälter des Staubsauger-Roboters voll ist und geleert werden möchte.

In Verbindung mit Präsenzmeldern begrüßt der Lieblings-Audiostream den verschlafenen Bewohner morgens im Bad. Weitere Regelungen können bewirken, dass beim Einschalten des Fernsehers die Musikwiedergabe im selben Raum stoppt oder dass die Audioanlage in allen Räumen ein akustisches Signal beim Auslösen der Brandmelder oder der Alarmanlage wiedergibt.

Amazon Echo in Verbindung mit HA-Bridge sorgt dafür, dass die Rule-Engine eine Spracheingabe des Bewohners: “Alexa, Schalte Wohnzimmer Beleuchtung an” als Sensorwert verarbeitet und damit imstande ist, unterschiedliche Aktoren anzusteuern, um die Lichtszene “Wohnzimmer Beleuchtung” zu schalten.

Klimatisierung

Eine weitere Paradedisziplin des Smart Home ist die Klimatisierung der Wohnung oder des Hauses. Mit Temperatursensoren – wie etwa der DS1820 der 1-wire-Reihe – ausgestattete Räume bilden die Basis. Die Sensoren sorgen dann in Verbindung mit Stellmotoren der Fußboden-Heizkreisläufe oder der Heizkörper für eine Einzelraumtemperatur-Regelung. Auch hier liefern vorgefertigte Funktionsbausteine, die eine Heizkurve in Abhängigkeit von der Außentemperatur berücksichtigen, wertvolle Dienste. So lernt die Rule-Engine über eine Fuzzy-Logik, wie schnell sich welche Temperatur bei welchem Vorlauf erreichen lässt.

Optimalerweise stellt der Bewohner die Soll-Temperatur beispielsweise in Verbindung mit einem Zeitfenster ein. Die Logik errechnet dann, wann die Heizung (mit welcher Vorlauftemperatur) in Betrieb gehen muss, um die gewünschte Temperatur zu erreichen. Wichtig bei der Planung zu berücksichtigen ist auch, dass Einzelraumtemperatur-Steuerungen in Verbindung mit Fußbodenheizungen deutlich träger reagieren als Heizkörper oder elektrische Heizquellen. Daher muss jeder Bauherr selbst abwägen, welche Möglichkeiten er nutzen will.

Wenn die Bauplanung oder Nachrüstung jedoch auch eine Integration der Heizung (Wärmepumpe, Gastherme, Solarthermie …) ins Smart Home vorsieht, lassen sich weitere Möglichkeiten des Gebäudemanagements nutzen. Natürlich bringt eine moderne Heizungsanlage bereits eine ausreichende Regelungstechnik mit. Mit einer Integration besteht jedoch die Möglichkeit, auf mehr Sensordaten im Umfeld zuzugreifen und die Heizungsregelung weiter zu optimieren.

Die Klimatisierung eines Gebäudes umfasst auch die Kühlung. So lässt sich etwa der frei verfügbare Openweather-Service per API abrufen. Entsprechende Vorhersagen speisen dann die Rule-Engine: Bei hoher Außentemperatur kann die dann die Rolläden in den Modus “Schlitz” fahren oder den Anstellwinkel der Raffstores ändern, um entsprechend dem Sonnenstand für Kühlung zu sorgen.

Energie-Management

Dieser Anwendungsfall beschreibt die Möglichkeiten, um Energie effizient zur Steigerung des Komfort einzusetzen. Nicht immer lässt sich durch die Installation eines Smart Home der Energiebedarf eines Haushalts reduzieren. Das begründet sich mit der Vielzahl an Peripherie und aktiven elektrischen Elementen, die eine Hausautomation stets mit sich bringt.

In den meisten Fällen führt ein Smart Home aber dazu, dass durch richtige Regelung mehr Komfort entsteht. Das Haus oder die Wohnung lässt sich bei Abwesenheit – die etwa durch die Rule-Engine der Alarmanlage diagnostiziert wurde – in Tiefschlaf versetzen. Alle Stand-by-Geräte sind jetzt über schaltbare Steckdosen ausgeschaltet. Außerdem kann die Regelung der Heizung eine geringere Raumtemperatur einstellen.

Oder: In Abhängigkeit von der Außentemperatur wird während der Abwesenheit der Bewohner bewusst keine Beschattungsautomatik aktiviert, um damit so viel Wärme wie möglich ins Haus kommen zu lassen. Je nach Fensterfläche und deren Ausrichtung kann sich das vor allem im Frühjahr und Herbst bezahlt machen, wenn Sonnenstrahlen tagsüber das Gebäude aufheizen und so die Heizung in den Nächten unterstützen.

In Verbindung mit einer Photovoltaik-Anlage mit einem angeschlossenen Batteriepuffer und einer Wärmepumpe als Heizung ergeben sich weitere Regelungsbeispiele: So kann das Smart-Home-System bei guter Solarernte die Temperatur des Trinkwasserspeichers hochheizen. Die wandelt die elektrische Energie der Photovoltaik-Anlage direkt in thermische Energie um und speichert sie. Der Anwender muss sie dadurch nicht in ein öffentliches Stromnetz einspeisen, bei dem zumeist die Vergütung nicht besonders attraktiv ist.

Auch die Fußbodenheizung mit ihrem Estrich lässt sich als thermischer Energiepuffer nutzen: Die Rule-Engine erkennt durch Wetterprognose, Außenthermostat und Solarprognose, wann es Sinn ergibt, die Temperatur im Haus über die geforderte Soll-Temperatur anzuheben und dadurch tagsüber Wärmeenergie in der Fußbodenheizung – gewonnen aus Solar-Energie – für die kältere Nacht zu speichern. Wer es sich bei der Programmierung dieser Art von Regelungen einfacher machen möchte, kann beim Kauf seiner Heizung auf das SG-Ready Label [9] achten (“Smart Grid – Ready”). Kompatible Geräte kennen bereits unterschiedliche Betriebsmodi für genau solche Anwendungsfälle.

Wer über eine kontrollierte Wohnraum- Lüftung verfügt, die sich über den HAL in ein Smart Home integriert, könnte die Rule-Engine anweisen, bei einer Betriebsdauer der Dunstabzugshaube von mehr als 10 Minuten, eine höhere Lüftungsstufe einzustellen um lästige Kochgerüche aus der Wohnung zu verbannen. Auch könnte sich das elektrische Dachfenster dann öffnen (natürlich nur, wenn die Wetterstation im Außenbereich keinen Regen meldet).

Sicherheit

Eng verbunden mit dem Gebäude-Management ist das Thema Sicherheit. So liefern einige Smart-Home-Hersteller fertige Funktionsbausteine einer Alarmanlage innerhalb der Rule-Engine mit. Die An- und Abwesenheitserkennung der Bewohner schaltet die Alarmanlage aus und und ein. Die Anwesenheit kann beispielsweise ein Bluetooth-Dongle am Schlüsselbund oder durch ein im WLAN angemeldetes Handy diagnostizieren (Abbildung 3).

Abbildung 3: Ein in das WLAN eingeloggtes Handy dient der Anwesenheitserkennung.

Abbildung 3: Ein in das WLAN eingeloggtes Handy dient der Anwesenheitserkennung.

Auch lässt sich diese Funktionalität über eine Geofence-Applikation auf dem Smartphone realisieren: Sobald der Nutzer eine geografische Koordinate betritt oder verlässt (Erkennung mittels GPS-Empfänger), wird ein Webservice aktiviert oder ein API-Call an die Automatisierungssoftware abgesetzt. Wem das zu viel Automatisierung ist, der aktiviert seine Alarmanlage per manuellem Knopfdruck. Danach ist jede Bewegung, die der Sensor erkennt, ein Grund, die Alarmanlage auszulösen.

Abbildung 4: Auswertung von Türkontakten für die Alarmierung.

Abbildung 4: Auswertung von Türkontakten für die Alarmierung.

Zusammen mit Fensterkontakten, die sich im Beispiel des Herstellers Homematic über Homegear oder MQTT oder Node-RED in bestehende Smart-Home-Installationen und deren Rule-Engines integrieren lassen (Abbildung 4), bietet die Alarmanlage umfassende Möglichkeiten, Eindringlinge zu erkennen und nachdrücklich zu warnen. Dabei lässt sich etwa über die angeschlossene Audio-Multiroom-Lösung eine Sirene in maximaler Lautstärke abspielen, im gesamten Haus das Licht anstellen und gleichzeitig die Rollläden nach oben fahren.

Fazit

Ein durchdacht geplantes Smart Home eröffnet dem Benutzer viel persönlichen Gestaltungsspielraum bei Funktionen, die den Alltag des Wohnens bequemer gestalten. Durch die unterschiedliche Kombinationen von gleichen Sensoren und Aktoren einer Hausautomatisierung in Verbindung mit intelligenter Regelungstechnik kann er ganz unterschiedliche Anwendungsfälle realisieren. Hausautomatisierung erhöht die Flexibilität und erlaubt den Bewohnern die Anpassung der sonst oft statischen Elektro-Installation eines Hauses per Software-Update.

Gleichzeitig sollte dem Bauherren jedoch bewusst sein, dass er solch komplexe Regelungen auch warten muss und – im besten Fall – die zugrunde liegende Technologie auch mehrere Jahrzehnte überdauern soll. Die Planung dieser Balance mit dem richtigen Augenmaß macht das Smart Home zum ganz individuellen Fingerabdruck.

Der Autor

Holger Schultheiß wurde vor ein paar Jahren selber zum Bauherren und ist seither Smart-Home-Fan. Beruflich arbeitet er an der Weiterentwicklung von Clouds bei T-Systems International GmbH.

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