Mit Verspätung: Kernel 4.15 erschienen

Linux-Kernel

Nach einem turbulenten Releasezyklus hat Linus Torvalds am Sonntag mit zwei Wochen Verspätung Linux 4.15 veröffentlicht. Neben den ersten Reparaturen für Meltdown und Spectre sind unter anderem Patches für AMDs Display-Core-Code im Kernel gelandet.

“Das war offenkundig kein guter Release-Zyklus” schreibt Linus Torvalds in seiner Ankündigung der Kernelversion 4.15 und bezieht sich natürlich auf die Meltdown- und Spectre-Kollateralschäden. Das Thema beherrschte in den letzten Wochen nicht nur die Berichterstattung, sondern hielt auch die Entwickler auf der Kernel-Mailingliste in Atem.

Noch sei die Angelegenheit um Spectre und Meltdown nicht ausgestanden, fährt Torvalds fort. Es sei noch mehr Arbeit nötig, etwa für ARM, aber auch für Spectre v1 und sowie in einigen Details. Wichtig sei auch: Um die Probleme mit Indirect Branches zu umgehen, bräuchten Admins nicht nur die Kernel-Updates, sondern auch einen Compiler, der Retpoline unterstützt, etwa GCC 7.3.0. Fehlt der entsprechende Compiler für den Kernel, erscheint bei einem

cat /sys/devices/system/cpu/vulnerabilities/spectre_v2

lediglich die Ausgabe “Vulnerable: Minimal generic ASM retpoline”. Der Grund: Die Retpoline-Abwehrmechanismen stecken nicht im C-, sondern im Assembler-Code. Dass  auch Distributionen diese Informationen nicht anzeigen, liegt übrigens daran, dass der zugehörige “vulnerabilities”-Folder erst seit Januar 2018 im Kernel existiert. Er ist Teil der Reaktion auf Spectre und Meltdown.

“Boring” ist gut

Sieht man von der Aufregung um die Sicherheitslücken ab, sei der Release-Zyklus aber “total gewöhnlich” gewesen. Im Kernel 4.15 seien hauptsächlich Treiber gelandet, der überwiegende Teil des Codes sei langweilig – und das sei gut. “Das ist vermutlich nicht glamourös und macht keine Schlagzeilen, ist aber die Brot-und-Butter-Arbeit in der Kernel-Entwicklung und in vielerlei Hinsicht der wirklich wichtige Teil.” konstatiert Torvalds. Welche Änderungen im Einzelnen im Kernel 4.15 gelandet sind, verrät ein Überblick im Linux-Magazin, der vor dem Bekanntwerden der Sicherheitslücken entstanden ist.

Weiter geht es nun mit dem Merge-Window für Kernel 4.16, für das der Kernel-Chef bereits einige Patches empfangen habe. Die will er nun in seinen Kernelzweig importieren und hofft auf einen möglichst langweiligen Releasezyklus.

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