Kleine und große Softwareprojekte mit mehreren Entwicklern verlangen nach einer guten Organisation. Terminabsprachen, gemeinsame To-do-Listen, das Teilen von Quellcode und virtuelle Konferenzräume bringen über den Globus verteilte Programmierer zusammen.
Komplexe Anwendungen stammen selten aus der Feder eines einzelnen Entwicklers. Meist arbeiten mehrere Programmierer im Team – und dann gilt es, die gemeinsame Arbeit zu organisieren. Wer nicht zu einer vielschichtigen Projektmanagement-Applikation greifen möchte, kann die Absprachen per E-Mail, Chat und Telefon treffen oder sich nach zeitgemäßen Kollaborations-Lösungen im Netz umschauen.
Das Linux-Magazin hat Dienste und Plattformen gesichtet, die gemeinsame Termine und To-do-Listen verwalten. Die Tester begutachteten auch Texteditoren mit Syntax Highlighting und gemeinsamer Editierfunktion, Hosting-Plattformen mit Versionsverwaltung sowie IRC- und Jabber-Alternativen zum Chatten.
Fast alle vorgestellten Kollaborationstools laufen sowohl im Webbrowser als auch auf dem Smartphone oder Tablet mit eigener App (Android und I-OS). Einige Anwendungen bieten sogar native Clients für den Linux-Desktop. Bei den kostenpflichtigen Diensten gibt es immer eine Gratis-Schnuppervariante für kleine Teams, sodass einem ausführlichen Test nichts im Wege steht.
Gemeinsame Kalender
Platzhirsch am Markt der Online-Kalender ist der Google Calendar [1], der in fast 40 Sprachen (darunter auch Deutsch) zur Verfügung steht und lediglich ein kostenloses Google-Konto voraussetzt. Es ist unkompliziert, eigene Kalender mit anderen Benutzern zu teilen, und dank RSS- und I-Calendar-Feeds profitieren auch Anwender anderer Betriebssysteme und Plattformen von dem Dienst. Der Austausch gelingt dank des Caldav-Protokolls auch mit Programmen wie Mozilla Thunderbird (über die Lightning-Erweiterung) oder dem Apple-Kalender unter Mac OS (Abbildung 1).

Abbildung 1: Über Caldav greifen auch Apple-Nutzer auf den Google-Kalender zu. In den Account-Einstellungen legen sie das Intervall zum Abgleichen fest.
Eine gelungene Alternative zum Google-Kalender ist Teamup [2] von der Schweizer Firma Teamup Solutions AG (Abbildung 2). Bereits in der kostenlosen Ausführung bietet Teamup eine Benutzer- und Rechteverwaltung und bis zu acht Unterkalender. Wer mehr Features und Zugänge braucht, kann aus drei Abonnements auswählen [3]. Die günstigste Variante liegt bei 8 US-Dollar monatlich. Anwender testen diese drei Tage lang gratis, bevor sie sich festlegen.

Abbildung 2: Teamup organisiert Gruppen, Ressourcen, Events, Projekte und vieles mehr. Unterkalender stellt die Webanwendung in unterschiedlichen Farben dar.
Der Administrator eines Teamup-Kalenders bestimmt, ob Teammitglieder den Kalender nur anschauen oder auch eigene Termine eintragen dürfen. Teamup spricht 17 Sprachen, bietet fertige Templates an und benachrichtigt per Mail oder redet über eine App mit Slack (siehe Abschnitt “Online-Konferenzen”). Neben einem I-Calendar-Feed stellt der Dienst auch Android- und I-OS-Apps zur Verfügung.
To-do-Listen
Anstehende Aufgaben sammeln, Notizen sortieren und gewichten – To-do-Listen sind für Einzelkämpfer und Teamplayer ein guter Weg, den Überblick über anstehende Aufgaben zu behalten. Gleichzeitig messen sie den eigenen Erfolg, denn jeder abgehakte Punkt gibt irgendwie ein gutes Gefühl.
Der Anfang 2017 von Atlassian gekaufte Dienst Trello [4] organisiert To-do-Listen auf so genannten Boards. Dort platzieren Anwender die anstehenden Aufgaben auf Karten. Auf deren Rückseiten (Abbildung 3) landen Informationen zum Fälligkeitsdatum, Beschreibungen, Anhänge, Statusmeldungen und mehr.

Abbildung 3: Auf der Rückseite der Trello-Karten ist Platz für Diskussionen, Anhänge und mehr. Die To-do-Listen ordnen Mitarbeiter per Drag & Drop auf dem Board an.
Trello bietet Funktionen zum Drucken und Exportieren. Der Dienst läuft nicht nur im Browser, sondern synchronisiert auch in Echtzeit mit Android-, I-OS- und Windows-8-Apps, die auf der Website zum Download stehen. Die Grundfunktionen sind kostenlos; wer mehr Features und Support sucht, kann aus zwei Bezahlvarianten aussuchen [5]. Die günstigste Option beginnt bei rund 10 US-Dollar pro Monat und Benutzer.
“Denk an die Milch” – und vergiss auch sonst nichts, schlägt ein anderer Dienst vor: Remember The Milk [6] verwaltet To-do-Listen im Browser, auf dem Smartphone (Android, iPhone und Blackberry) oder Tablet (Android, iPad und Kindle Fire) und auf dem Desktop (Mac OS, Windows und Linux). Für Linuxer stehen fertig gepackte Pakete für Fedora und Ubuntu bereit.
Anwender weisen den Aufgaben eine Priorität und ein Fälligkeitsdatum zu. Außerdem erinnert Remember The Milk per E-Mail, SMS, Jabber, ICQ oder Google Hangouts an die Aufgaben. Für rund 40 US-Dollar im Jahr erhalten Anwender Extras wie eine unbegrenzte Anzahl von Synchronisations-Vorgängen, Unteraufgaben und Arbeiten im Offlinemodus.
Texteditoren im Web
Kleine Teams oder Einzelkämpfer, die ihren Code nicht auf Plattformen wie Github & Co. hosten (siehe nächster Abschnitt), profitieren von Online-Editoren. Freilich eignen sich auch Pastebins, um anderen Entwicklern Codeschnipsel oder kleine Skripte zu präsentieren, diese sind jedoch statisch und erlauben keinerlei Interaktion.
Ohne viel Aufhebens funktioniert der kostenlose Dienst Collabedit [7]. Anwender rufen die Website im Browser auf, öffnen den Editor über »just click here« und geben ihren Namen ein. Die eindeutige URL können sie an andere Benutzer weitergeben (Abbildung 4), die sich dann ebenfalls einklinken und gleichzeitig das Dokument ändern dürfen.

Abbildung 4: Minimalistisch, aber mit Syntax Highlighting, Chatfenster und Versionsgeschichte: Collabedit ist ein schlichter Texteditor, den mehrere Anwender im Browser bedienen.
Verschiedene Farben für die Nutzer gibt es nicht. Rechts bietet das Drop-down-Menü Syntax Highlighting für 18 Programmiersprachen, eine Liste der Mitstreiter und ein Chatfenster. Am oberen Rand gibt es Links zur History und einen Download-Button. Collabedit ist nicht responsiv und macht auf dem Smartphone oder Tablet keine gute Figur.
Gobby [8] ist kein Webdienst, sondern ein eigenständiges Programm, das der Client-Server-Architektur folgt. Es setzt auf die Protokolle Zeroconf (beziehungsweise Avahi) und Infinote (Libinfinity). Der kollaborative Texteditor nutzt Passwörter und SSL-Zertifikate zum Absichern; Gobby bietet an, den Datenverkehr per TLS zu verschlüsseln.
In der linken Leiste zeigt das Programm die Server mit bereitgestellten Dokumenten an, rechts die Benutzer. Immer wenn mindestens zwei Anwender gemeinsam an einem Text arbeiten, erscheint das Chatfenster. Gobby hebt Syntaxelemente von mehr als 25 Sprachen hervor. Darüber hinaus steht ein Gedit-Plugin [9] zur Verfügung, um Gobby an den Gnome-Texteditor anzubinden.
Gut gehostet
Softwareprojekte, an denen etliche Entwickler mitarbeiten, sind gut auf Webhosting-Plattformen aufgehoben. Idealerweise sind die Dienste an Versionsverwaltungs-Systeme angeschlossen; auch ein integrierter Bugtracker, ein Wiki oder ein Forum sind nicht zu verachten. Ein englischer Wikipedia-Artikel [10] vergleicht aktuelle Plattformen und deren Funktionen miteinander.
Das Versionsverwaltungs-System Git war der Namensgeber für den 2008 gestarteten Dienst Github [11], der nicht nur über den Browser, sondern auch über Git-Clients erreichbar ist. Auch wenn nach dem Ändern der Nutzungsbedingungen im Februar 2017 einige Entwickler ihre Projekte zu anderen Anbietern umzogen, bleibt Github die beliebteste Hosting-Plattform und das Zuhause vieler Open-Source-Projekte. Öffentliche Benutzer-Repositories sind kostenfrei; daneben gibt es Bezahlvarianten [12], die bei 7 US-Dollar monatlich starten. Github ermuntert zum Forken fremder Projekte, was dazu führt, dass auf den Servern derzeit zirka 70 Prozent Code-Duplikate liegen, wie die University of California in Irvine herausfand [13].
Eine Github-Alternative stammt von Atlassian: Bitbucket ([14, 15]) bietet sowohl Git- als auch Mercurial-Unterstützung und stellt allen Benutzern eine unbegrenzte Anzahl privater Repositories kostenlos zur Verfügung. Kleine Teams (bis zu fünf Mitglieder) können den Dienst ebenfalls gratis nutzen; größere Gruppen entrichten monatliche Beträge [16]. Deutlich günstiger als die direkte Konkurrenz beginnen Bitbucket-Abos bereits bei 2 US-Dollar pro Monat und Nutzer.
Neben der schon erwähnten To-do-Liste Trello, stammt auch der Issue Tracker Jira aus dem Haus Atlassian und ist direkt mit Bitbucket verknüpft (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Issue Tracker Jira verwaltet Kundenanfragen und Fehler. In Kombination mit Bitbucket kümmert sich Jira um die Bugs in den Projekten.
Online-Konferenzen
Im IRC tummeln sich nach wie vor viele Entwickler freier Software; andere Teams organisieren sich per Jabber, Google Hangouts, Skype & Co. Als eine Art IRC 2.0 empfiehlt sich der Web-basierte Instant-Messenger Slack [17]. Anwender chatten in Gruppen oder mit einzelnen Nutzern – kostenlos mit eingeschränkter Funktionalität oder in einer Bezahlvariante [18]. Neben der Weboberfläche gibt es Clients für Linux (Abbildung 6), Windows und Mac OS sowie Android- und I-OS-Apps. Auch sonst zeigt sich Slack kooperativ und hat einen eigenen App-Store, über den Benutzer Dienste wie Github, Zapier, Bitbucket, Jenkins, Nagios und mehr einbinden.

Abbildung 6: Slack bietet einen eigenen Linux-Client an, der sich gut in den Desktop integriert. Das Programm benötigt Python in Version 2.7.
Explizit an Github-Benutzer richtet sich Gitter.im [18], und so findet die Anmeldung im Instant-Messenger auch mit dem Github-Konto (alternativ über Twitter) statt. Neben der Weboberfläche (Abbildung 7) gibt es Apps für Linux, Windows, Mac OS, I-OS und Android. In der kostenfreien Ausführung ist lediglich die Nutzeranzahl in privaten Chaträumen begrenzt. Wer mit mehr als 25 Teilnehmern rechnet, wählt für 5 US-Dollar monatlich die Pro-Variante.

Abbildung 7: Anwender melden sich mit ihrem Github-Konto beim Chatdienst Gitter.im an und unterhalten sich dort mit anderen Entwicklern.
Für jedes Github-Repository können Anwender eigene Chaträume anlegen und dort optional einen Hinweis im Readme hinterlegen. Die Privatsphäre-Einstellungen aus dem Repository übernimmt Gitter.im. Umgekehrt führt ein Link »Open in GitHub« aus jedem Chatraum zur Hosting-Plattform.
Hand in Hand
Sowohl bei den kostenfreien Anbietern als auch bei den Diensten mit Subskriptionsmodellen gibt es einige, die mehrere Funktionen unter einer Haube vereinen und bereits in Richtung Projektmanagement gehen – ohne ihre Benutzer mit der Funktionsfülle zu überfordern. Vor allem die Atlassian-Tools arbeiten gut zusammen, aber auch Slack in Kombination mit zahlreichen externen Apps hinterlässt einen guten Eindruck.
Im Netz warten zahlreiche Alternativen. Wer nach einem Austausch von Office-Dokumenten sucht, findet in der Bitparade dieses Hefts einen ausführlichen Vergleich von Office-Suiten mit Kollaborations-Features, darunter Web-basierte Dienste sowie Client-und Server-basierte kollaborative Arbeitsumgebungen.
Der nächste Artikel im Schwerpunkt widmet sich ebenfalls dem Schreiben im Team, legt den Fokus aber auf Dokumentation und bessere Workflows.
Infos
- Google Calendar: https://calendar.google.com
- Teamup: https://www.teamup.com
- Teamup-Abos: https://www.teamup.com/pricing
- Trello: https://trello.com
- Trello-Abos: https://trello.com/pricing
- Remember The Milk: https://www.rememberthemilk.com
- Collabedit: http://collabedit.com
- Gobby: https://gobby.github.io
- Gedit-Plugin für Gobby: https://git.gnome.org//browse/gedit-collaboration
- Vergleich Code-Hosting (Wikipedia): https://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_source_code_hosting_facilities
- Github: https://github.com
- Github-Preise: https://github.com/pricing
- Studie zu Github: http://mondego.ics.uci.edu/projects/dejavu
- Bitbucket: https://bitbucket.org
- Ferdinand Thommes, “Codekammern”: Linux-Magazin 05/16, S. 42
- Bitbucket-Preise: https://bitbucket.org/product/pricing
- Slack: https://www.slack.com
- Slack-Preise: https://linux-mag.slack.com/plans
- Gitter.im: https://gitter.im





