
Abbildung 1: Dank des Kalenders Calcurse hat Charly sein Essen am Freitagmittag nicht verpasst und pünktlich ab 19 Uhr den schwarzen Gürtel enger geschnallt.
Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast besitzt einen elektronischen Zettelkasten, in dem er Ideen und kleine Codeschnipsel sammelt. Er nennt ihn “Steinbruch” und nutzt hier die Gelegenheit, wacker einige Sammelstücke in Richtung Publikum zu werfen.
Mein Leben als Geologe begann in einer Zeit, als es noch kein Git gab. Ursprünglich habe ich im Steinbruch Code gesammelt, von dem ich ahnte, dass ich ihn eines Tages wieder brauchen würde. Mittlerweile horte ich dort auch Artefakte aus Konfigurationsdateien, Tastenkombinationen für diverse Shells, die ich mir nicht merken kann, und Namen von Tools, die ich mal ausprobieren möchte.
Nichts davon taucht normalerweise auf dieser Seite auf, weil jeder Zettel nicht mehr als ein paar Zeilen Text hergibt. Das ist schade, deshalb biete ich heute eine wild gemischte Zettelauswahl an, in der Hoffnung, dass jede und jeder etwas findet, das ihr oder ihm neu ist.
Den Anfang macht ein Konfigurationsschnipsel für Postfix: Wohl jeder bekommt Mails mit Betreffzeilen direkt aus der Hölle: “AW:Re:AW:Antwort:Re:AW: Betreff“. Die folgende Zeile, eingebaut in Postfix’ »header_checks.cf«, verkürzt den Wust zu einem zivilisierten “Re: Betreff“:
/^Subject:\s*((Re|AW|Antwort):\s*)+(.*)$/ REPLACE Subject: Re: $3
Sysadmins wohnen in der Shell, meist der Bash. Dort müssen sie oft Dinge mit Rootrechten erledigen. Der Wechsel dorthin, sei es dauerhaft (»su«) oder mal eben (»sudo«), ist lästig. Der Bash-Alias
alias iddqd='sudo su -'
spart nicht nur ein paar Zeichen, sondern beweist auch, dass sein Verursacher erstens ein Nerd mit zweifelhaftem Humor und zweitens auch kein Jüngling mehr ist (»iddqd« schaltete anno 1993 im Shooter Doom den God Mode frei).
Auf andere Weise, aber ebenfalls geistreich kommt der Alias
alias doch='history -s sudo $(history -p \!\!) && sudo $(history -p \!\!)'
daher. Er ist Arznei gegen die “Permission denied”-Krankheit, die jedes vergessene »sudo« zuverlässig auslöst. Die Heilung erfolgt, sobald ich »doch« schreibe. Dann führt die Shell das gescheiterte Kommando abermals aus, aber mit vorangestelltem »sudo«. Den gleichen Effekt hätte »sudo !!«, aber das kostet drei Tastenanschläge mehr und ist weniger cool.
Ordentlich nachgeschoben
Der Faulheit zu einem wichtigen Etappensieg verhilft das Suchen und Ersetzen im letzten Eintrag der Shell-Historie. Habe ich etwa fahrig »tail /var/log/syslog« getippt, wollte aber eigentlich das Ende von »/var/log/mail« sehen, so schiebe ich
^syslog^mail^
nach und ersetze damit den falschen Teilstring. Die Bash führt das geänderte Kommando sofort aus.
Ah!: Auf dem “Tools”-Zettel finde ich »calcurse«, einen Kalender für die Konsole, den fast jede Distribution mitbringt. Er importiert Fremdkalender im verbreiteten ICS-Format, lässt sich großzügig skripten und informiert auf mehrere Arten über anstehende Termine (Abbildung 1).
Gerade habe ich noch einen Zettel gefunden, auf dem steht: “Zettelkasten mal auf SVN umstellen.” Er ist von 2006. (jk)






