Zwei Bücher decken sehr verschiedene Geheimnisse auf: Das eine die der Kriminellen und Whistleblower im Darknet, das andere die Geheimnisse der guten Küche.
Mit “Darknet” liegt eine sachbetonte Darstellung jenes besonderen Teils des Internets vor, in dem die Nutzer anonym kommunizieren können. Es werden sowohl die illegalen Verwendungsmöglichkeiten vorgestellt – Geschäfte mit Drogen, verschreibungspflichtigen Medikamenten und Waffen, Pornografie und Bildern von Kindesmissbrauch, Handel mit gefälschten Ausweisen und Falschgeld, möglicherweise sogar Terrorismus – als auch die moralisch einwandfreien Nutzungen, etwa für Whistleblower-Postfächer, Leaking-Portale oder die Umgehung von Netzsperren autoritärer Regime.
Hinzu kommen Anwendungen im Graubereich, zum Beispiel das Teilen eigentlich kostenpflichtiger wissenschaftlicher Informationen, anonymes Filesharing oder spezielle Diskussionsforen. In vielen Fällen sind harte Fakten zu Art und Umfang der versteckten Aktivitäten Mangelware, der Autor bemüht sich aber mit geduldiger Recherche zusammenzutragen, was an gesicherten Informationen verfügbar ist.
Weitere Kapitel beschäftigen sich mit den technischen Hintergründen. Hier tun sich allerdings auch kleine Ungenauigkeiten auf. So ist es falsch, dass mein heimischer Internetrouter abseits von Tor berechnet, “welchen Pfad meine Nachricht am sinnvollsten durch das Netz der Netze nimmt”. Stattdessen kennt der Router lediglich den nächsten Schritt.
Auch im weiteren Verlauf ist klassisches IP-Routing Next-Hop-Routing, bei dem der Sender nie den kompletten Weg zum Empfänger, sondern immer nur den wahrscheinlich nächstliegenden Partner in dieser Richtung ermitteln kann. Von solchen Unschärfen abgesehen, wird das Tor zugrunde liegende Zwiebelprinzip eingängig erklärt.
Weitere Kapitel nehmen das Tor-Projekt selber oder die Arbeit der Ermittlungsbehörden im Darknet zum Fokus oder geben einen Ausblick: Was müsste passieren, damit das Darknet die momentan überwiegend kriminelle Nutzung zurückdrängen kann und mehr für ethisch einwandfreie Zwecke benutzt wird? Wäre es ein brauchbares Instrument gegen die massenhafte Datensammlung durch Monopole? Das Buch diskutiert eine Reihe alternativer Konzepte.
Der Autor verwendet übrigens eine besonders nervtötende Variante, um seine “Leser*innen” mit einer vorgeblich Gender-gerechten Schreibweise zu traktieren. Leider – leider allerdings nicht konsequent genug: Was bei den “Held*innen der Moderne” schon zu einem starken grammatikalischen Schluckauf führt, das streckt schließlich ganz die Waffen vor den “Internet-Aktivist*innen und Darknet-Fans”.
Aber warum? Wenn der Autor schon keine Skrupel hat, die deutsche Sprache mit seinem Sternchen-Zinnober zu verhunzen, warum schreckt er dann vor dem Englischen zurück? Fan*innen! So einfach darf man es sich doch nicht machen! Lieber gilt es, brandneue Wörter zu erfinden, wie etwa die “Mitglieder*innen” (Seite 99), oder wahlweise den “US-amerikanischen Wissenschaftler*innen”, die in den 70er Jahren das Domain Name System erfanden, gnadenlos eine weibliche Endung überzubügeln, auch wenn es sich dabei ausnahmslos um Männer gehandelt hat.
Info 1

Stefan Mey:
Darknet
Verlag C.H.Beck, 2017
240 Seiten
15 Euro
ISBN:978-3-406-71383-5
Küchentechnik
Unter einem Geek versteht Jeff Potter nicht besonders trennscharf einen Menschen, der schlau und neugierig ist. Und solchen Geeks will er mit seinem Buch das Kochen näher bringen, indem er zwischen Interviews mit Experten und Küchenprofis und Rezepten immer wieder naturwissenschaftliche Betrachtungen einflicht, die die Speisenherstellung betreffen: Was macht Reis klebrig? Wie unterscheiden sich Pfannen hinsichtlich ihrer Wärmeleitfähigkeit? Wie beschert uns die Maillard-Reaktion Röstaromen? Wie schlägt man Sahne steif?
Da Ganze ist informativ, unterhaltsam und auch durchaus inspirierend. Küchen-Neueinsteiger finden gute Tipps und leckere Rezepte zum Nachkochen. Nur ein Aspekt erschließt sich der physikalisch-chemischen Betrachtungsweise leider nicht: Dass Kochen in erster Linie ein sinnliches Erlebnis ist, dass Aromen sich nicht gänzlich in Formeln fassen lassen, dass das richtige Gefühl manchmal doch das Bratenthermometer schlägt.
Diese Erfahrung muss der Koch-Eleve selber machen. Trotzdem kann es sich für ihn lohnen, in Potters ungewöhnlichem Küchenbuch zu schmökern.







