Beim Assembling Day von Tuxedo im bayrischen Königsbrunn war das eigene, um Features erweiterte Linux-System schon im Gespräch. Jetzt hat der Linux-Hardware-Spezialist Tuxedo Xubuntu vorgestellt, eine Distribution mit Xfce-Desktop, in die die hauseigenen Erweiterungen einfließen.
Wer Notebooks mit vorinstallierten Linux-Distributionen verkauft, muss sich um den reibungslosen Betrieb der Hardware kümmern. Bei einem Besuch am Firmensitz von Tuxedo in Königsbrunn beschrieb der für die Hardware-seitigen Anpassungen zuständige Entwickler Andreas Hemmrich die Herausforderungen dieser Aufgabe als eine Art Hase-und-Igel-Rennen. Die Treiberanpassungen, die er für Tuxedo vornimmt, sind kaum abgeschlossen, da erscheinen wieder neue Grafikchips und Prozessoren.
Wenn eine Distribution zur Zufriedenheit von Andreas Hemmrich und seinem Chef Herbert Feiler läuft, gibt es eine neue Version. Nicht selten hat die Community daran etwas geändert, was in der Tuxedo-Welt einiges durcheinanderbringt.
Eigene Distribution
Auf den Notebooks und PCs von Tuxedo ist jeweils Linux installiert, es bestehen auf Wunsch auch Optionen für eine Windows-Installation. Bislang standen Ubuntu-Varianten sowie Elementary OS zur Wahl. Seit Anfang Juli ist die eigene Distribution Tuxedo Xubuntu 16.04 LTS (Abbildung 1) die Empfehlung des Herstellers. Es sei nicht das Ziel, einen weiteren Fork einer Ubuntu-Distribution aufzulegen, teilt Tuxedo mit. Eingeflossen seien aber die ganzen Errungenschaften der hauseigenen Entwickler, zu denen neben Andreas Hemmrich auch Christian Loritz gehört, der das TCC (Tuxedo Control Center) entwickelt, mit dem sich der Nutzer einfacher in den Systemeinstellungen zurechtfinden soll.
Tuxedos-Linux kommt mit Xfce als Desktop, auch dies sei eine Frage der Anpassbarkeit gewesen, Xfce sei stabil, weit verbreitet und bringe ausreichend Anwendungen und Erweiterungsmöglichkeiten mit. Eigene Icons, ein Bootsplash und Themes zählen zu den grafischen Beigaben, die Tuxedo beisteuert. Die hauseigenen Treiberanpassungen, die neueste Firmware, Konfigurationsanpassungen an Grub sind ebenso enthalten wie ein vorinstallierter Kernel 4.11.
Bei der Installation der Systeme nutzt Tuxedo das FAI-Projekt (Fully Automatic Installation [1]). Die Open-Source-Software ermöglicht – wie der Name vermuten lässt – die automatische Einrichtung des angepassten Systems. FAI erkennt die Hardware und spielt das gewünschte System mit den Anpassungen ein. Weil die Installation keine Images nutzt, kann der Nutzer einen Rechner- und Benutzernamen eingeben. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Image ist die Aktualität des Systems. Sollte es nötig sein, lässt sich mittels FAI auch der Auslieferungszustand wieder herstellen.
Tuning
Tuxedo Xubuntu profitiert von den Beigaben, hat der Hersteller in Tests ermittelt. Gegenüber einer Installation von Linux Mint 18.1, die eine Akkulaufzeit von secheinhalb Stunden ergeben habe, erreiche Tuxedo Xubuntu rund zwölf Stunden. Allerdings ist Mint 18.1 auf einem Linux-Kernel aufgebaut, der die Chips in den getesteten Geräten nicht vollständig unterstützt. Auch die RAM-Belegung nach dem Systemstart sei mit 304 MByte nur rund halb so hoch wie bei einem Ubuntu 16.04 mit Unity-Desktop. Ähnlich Werte erreicht im Tuxedo-Test nur Ubuntu mit Mate-Desktop.
Dass Alleingänge von Herstellern der Community ein Dorn im Auge sind, ist kein Geheimnis. Tuxedo versuche deshalb, eng mit dem Xfce- und dem Xubuntu-Projekt zusammenzuarbeiten und dort bei der Weiterentwicklung zu helfen. Das angepasste Xubuntu stehe auch der Allgemeinheit zur Verfügung und könne über den Installationsdients Web-FAI [2] bezogen werden. Zu beachten ist aber, dass die Anpassungen spezifisch für die Tuxedo-Geräte sind. Die individuelle Hardware des Nutzers profitiert bei Abweichungen also nicht immer davon.
Eigenbau
Dass Tuxedo seine Notebooks nach Kundenwünschen bei Speicherausbau, Festplatten und Funkmodulen konfiguriert, konnten die Teilnehmer beim Assembling Day in Königsbrunn bei Augsburg eigenhändig nachvollziehen. Es galt, ein Infinitybook Pro 13 ([3], Abbildung 2) aufzubauen und mit Linux einzurichten. Tuxedo bietet für die Notebooks zudem ein passendes Bios an, damit sich auch unter Linux die Lüftersteuerung anpassen lässt. Dass das Notebook einfach aufzuschrauben ist, um an die Innereien heranzukommen, kann zumindest für den versierten Nutzer auch später ein Vorteil sein, wenn es eventuell gilt, eine SSD, einen neuen Akku oder einen Speicherriegel einzubauen.

Abbildung 2: Das Infinitybook lässt sich mühelos aufschrauben und gibt sein Innenleben preis.
Im Inneren steckt ein mit bis zu 3,5 GHz getakteter Intel Core i7-7500U mit Kaby-Lake-Mikroarchitektur. Das Infinitybook nimmt bis zu 32 GByte Arbeitsspeicher, SSDs bis zu 4 TByte und optional auch ein LTE-Modul auf. Das 13,3-Zoll-Display ist matt und liefert Full-HD-Auflösung. Das selbst zusammengebaute Testgerät ist mit 16 GByte Arbeitsspeicher, 250-GByte-SSD (Samsung 960 EVO) und einem Dual-AC8265-WLAN-Modul von Intel bestückt. Das Notebook kommt in einem Gehäuse aus Aluminiumblech. Der Preis für das Testgerät beläuft sich auf rund 1200 Euro.
Beim ersten Start können Nutzer dem Rechner einen Namen geben und einen eigenen User anlegen. Auf dem Testgerät war noch Ubuntu 16.04 LTS installiert. Der Kernel des Systems stammt aus einem von Tuxedo betreuten Repository, in dem die erwähnten Treiber für die Grafikkarte und die Erweiterungen für den Desktop liegen.
Testgerät
Im Test des Infinitybook Pro, den die Kollegen vom “Linux User” vorgenommen haben, arbeitete das System auch bei sommerlichen Temperaturen im Bürobetrieb völlig lautlos. Der auf der Unterseite angebrachte Lüfter meldete sich nur unter Last. Die Lautstärke hielt sich dabei dank der kompakten Bauform und der resultierenden geringen Lüftergröße aber in Grenzen.
Beim Unigine-Heaven-Benchmark [4] zeigt sich, dass die Intel HD Graphics 620 gegenüber der HD Graphics 520 aus dem Vorgängermodell an Tempo zugelegt hat. Der Benchmark gibt beim Infinitybook Pro einen Wert von 10,6 FPS (Score 267) aus, statt nur 6,2 FPS (Score 156) beim Vorgänger. Das genügt zwar noch nicht zum Spielen leistungshungriger 3-D-Titel mit allen Effekten, lässt aber die Desktop-Effekte flüssiger wirken.
Wer gerne im Dunkeln oder bei düsterem Licht arbeitet, schaltet die Tastaturbeleuchtung ein. Die Helligkeit der LEDs unter den Tasten lässt sich in fünf Schritten regeln. Die Tastatur selbst bietet bei einem sehr geringen Hub einen ordentlichen Anschlag. Tuxedo gibt für den 36 Wattstunden fassenden Lithium-Ionen-Akku eine maximale Laufzeit von zwölf Stunden an. Das gilt aber nur bei Leerlauf, minimaler Displayhelligkeit, deaktivierter Tastaturbeleuchtung, deaktiviertem WLAN und Bluetooth sowie ohne angeschlossene Geräte. Im Test musste das System bei 50 Prozent Bildschirmhelligkeit und aktiviertem WLAN alle vier Stunden an die Steckdose.
Infos
- Fully Automatic Installation: https://fai-project.org
- Tuxedo Web-FAI: https://www.tuxedocomputers.com/TUXEDO-WebFAI.geek
- Tuxedo Infinitybook Pro 13: https://www.tuxedocomputers.com/Linux-Hardware/Linux-Notebooks/10-14-Zoll
- Unigine-Heaven-Benchmark: https://benchmark.unigine.com/heaven







