Aus Linux-Magazin 02/2017

Best Practices – Folge 6: Fernwartung

© Christian Draghici, 123RF

Nicht nur Clouds und Automatisierungslösungen haben den sprichwörtlichen Turnschuh-Admin demobilisiert, sondern auch eine eher unscheinbare Errungenschaft: die Fernwartung. Ein Tool dafür ist das freie Guacamole, das etliche Vorteile für sich ins Feld führen kann.

Server in anderen Räumen, Gebäuden oder Städten, ja selbst Erdteilen verwalten, als säße man lokal an der Konsole, das macht Fernwartungssoftware möglich. Eine freie Lösung empfiehlt sich darunter wegen ihrer Flexibilität und des unkomplizierten Einsatzes besonders: Guacamole.

Guacamole ist eine Open-Source-Software unter der Apache-Lizenz. Einer ihrer Vorzüge besteht darin, dass sie mehrere Protokolle für die Remoteverbindung erlaubt, darunter VNC, RDP oder SSH. Ein zweiter Vorteil: Guacamole braucht keine spezielle Clientsoftware, es reicht ein HTML-5-fähiger Webbrowser. Das ist eng verbunden mit einem dritten Vorteil: Für den Client muss kein extra Port in der Firewall geöffnet werden.

Auf der entfernten Seite der Verbindung laufen zwei Komponenten – das Frontend Guacamole sowie das Backend »guacd«, das die eigentlichen Remoteverbindungen zu den zu überwachenden Rechnern herstellt. Das Frontend Guacamole ist in Java geschrieben und kommt als so genannter Servletcontainer zum Anwender, der in einem Servletserver wie etwa Tomcat läuft.

Der Container enthält einen Webserver, der ohne weitere Software oder Add-ons vom Browser des Benutzers aus erreichbar ist. Er versteht und spricht selbst aber kein Remote-Protokoll, sondern nutzt das Backend »guacd«, das sich seinerseits verschiedener Plugins für diverse Protokolle wie RDP, VNC oder SSH bedient. Frontend und Backend kommunizieren untereinander über ein spezielles Guacamole-Protokoll (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei Guacamole muss kein zusätzlicher Port für diese Verbindung geöffnet werden.

Abbildung 1: Bei Guacamole muss kein zusätzlicher Port für diese Verbindung geöffnet werden.

Guacamole lässt sich klassisch als Servletcontainer installieren, wobei der Admin die Abhängigkeiten beachten muss. Beispielsweise benötigt die Software eine MySQL-Datenbank. Einfacher geht es sicherlich über Docker-Images. Ist alles installiert, kann der Admin über die URL »http://localhost:8080« auf Guacamole zugreifen und es über das Webinterface konfigurieren.

Der Autor

Timo Denissen beschäftigt sich seit 1997 mit Linux-Themen. 2010 begann er eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Seit 2013 arbeitet er beim Professional Service der Firma Univention.

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