Akademy 2008: Startschuss für den Social Desktop

Frank Karlitschek hat am Samstag mit seiner Keynote über die KDE-Community auf dem Desktop die KDE Akademy in Belgien eröffnet. Er will in Kürze einen ersten Entwurf online stellen, damit Interessierte die technische Umsetzung diskutieren.

In puncto Features müsse sich KDE nicht verstecken, sagte der KDE-Entwickler: “Wir spielen mehr oder weniger in der gleichen Liga wie Windows oder Mac OS”. Dann warf er die Frage auf, warum der freie Desktop nur ein Prozent Marktanteil halte. Um das zu ändern, sei ein möglicher Weg, den Leuten Grund zum Wechseln zu geben. Der hierfür notwendige USP sei bei KDE zum Beispiel der nicht-kommerzielle Spaß an und die Leidenschaft für die Sache, mit einem Wort, die Community. Man sollte darum von den Entwicklern und Nutzern des Desktop mehr sehen, schlug der Webentwickler vor.

Ideen für die Zukunft hatte Karlitschek auch. Er schlug etwa Plasmoiden vor, die KDE-User mit Foto zeigen. Ihm fiel ein KDE-Eventkalender ein, so dass jeder weiß, was wann wo los ist. Schließlich könnten auch in den About-Informationen von KDE-Anwendungen nicht nur Namen und E-Mail-Adressen stehen, sondern die beitragenden Entwickler ebenfalls mit Foto abgebildet sein. “Das sind Sachen, die Microsoft oder Apple nicht bieten können, denn eine solche Community gibt es dafür nicht”, begründete Karlitschek seine Idee.

Der Freelancer betonte aber, dass es bei diesem sogenannten “Social Desktop” nicht nur darum gehe, Freunde zu sehen – “wir können viel mehr als das”, so der Projektler. So sind auch Funktionen denkbar, die die Hilfesuche in der Community erleichtern. Bis jetzt bediene sich jeder Google und sucht in Mailinglisten und Foren, bis er eine Antwort auf ein Problem gefunden hat. Auf dem sozialen Desktop könnte es aber möglich sein, beispielsweise Leute anzuzeigen, die die gleiche Hardware benutzen, Dokumente über die gesuchten Informationen erstellt oder schon ähnliche Fragen gestellt haben.

Zu Linux-Magazin Online sagte Frank Karlitschek, dass er mit seinen Ideen vielleicht einige überrumpelt habe. “Das sind erstmal nur Ideen”, sagte er, die technologische Umsetzung soll erst im Anschluss diskutiert werden. Die Reaktionen waren bisher recht gut, aber er müsse noch mit mehr Leuten reden.

Erste Ideen zur Umsetzung nannte er ebenfalls schon. So sollen die Informationen über die KDE-User nicht zentral gespeichert sein, sondern mittels verschiedener standardisierter APIs bei verschiedenen Datenbank-Providern den Zugriff ermöglichen. Auf den KDE-Webservern könnte eine Providerdatei liegen, um den Überblick zu behalten, wer welche Inhalte anbiete. Mit der brandneuen, ersten Dokumentation der bisherigen Ideen, dem “Social Desktop Draft 1”, adressiert Karlitschek Entwickler und will ihn in Kürze auf Opendesktop.org online stellen, damit die Diskussion beginnen kann.

Der Stuttgarter Frank Karlitschek ist seit 2001 Maintainer der Webseite KDE-look.org, die er ins Leben rief, um nicht-Entwicklern die künstlerische Mitarbeit bei KDE zu erleichtern. 2004 kam KDE-apps.org hinzu, wo jeder seine KDE-Anwendungsentwicklungen hochladen kann. Schließlich entstand Opendesktop.org, die das Dach der anderen Seiten wurde. Sie bezweckt, zum Beispiel Sounds, Icons und Wallpapers mit anderen freien Desktopumgebungen zu teilen.

Die KDE Akademy 2008 begann heute und dauert bis zum 15. August. Am Samstag und Sonntag gibt es Vorträge über KDE-Projekte. Die folgenden Wochentage sind für das KDE-Vereinstreffen, Totorials und Workshops reserviert.

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