Manch ein Leser der Linux-Kernel-Mailing-List (lkml) muss sich wohl am 1. April gewähnt haben, als er die Mail eines Absenders namens Morton Harrow mit dem Betreff "GPL version 4" sah. Zumindest einigen der Beteiligten der folgenden Diskussion ist es so ergangen.
Der unbekannte Verfasser hatte in einer Mitteilung an die Liste geschrieben, er und / oder sein nicht näher genanntes Unternehmen – genauer drückte sich der Absender nicht aus – werde in wenigen Wochen eine Version 4 der General Public Licence (GPL) veröffentlichen. Die GPLv4, wie sie Morton sich vorstellt, “befreie” Software von den letzten Fesseln, die die Free Software Foundation (FSF) ihr noch auferlege. Die Restriktionen würden den Nutzern nicht mehr genug Freiheiten lassen, so beispielsweise die Freiheit, Open Source Software auch in Closed Source Software verwenden zu können. Mit der neuen Lizenz sollen diese und andere Beschränkungen aufgehoben werden und Freie Software “richtig” frei werden. Außerdem plädiert Morton dafür, das Copyright der FSF auf die Vereinten Nationen (UN) zu übertragen, da “das Wissen der Menschheit der Welt gehört”.
Die GPL in Version 4 soll nach Aussage Mortons am 15. September veröffentlicht werden. Das erste Projekt, das diese Lizenz nutze, werde eine Weiterführung des Dateisystems ReiserFS sein. Da die bisherige GPL erlaube, Projekte unter der GPLv2 oder höher zu lizenzieren, werde automatische Neulizenzierung von GPLv2- und GPLv3-Software zu den Bedingungen der GPLv4 vorbereitet.
Die Reaktionen auf die Mail fielen heftig aus. Adrian Bunk hatte nur ein “Please don’t feed the troll.” für den Autoren übrig. Andere Listenschreiber rätselten, ob Morton sich in der Liste getäuscht hätte. Andere Nutzer versuchten zu erklären, dass die GPL nicht vorrangig die Freiheit der Software-Nutzer schützen wolle, sondern die Freiheit der Software an sich. Daran beteiligt sich auch FSF-Urgestein Richard M. Stallman. Doch über die Idee der GPLv4 lässt er kein Wort fallen. Andere Reaktionen fielen weit weniger freundlich aus. Insgesamt gab es wohl niemanden, der Mortons Idee auch nur annähernd für realistisch hielt.
Ähnliche Diskussionen scheint es auch auf anderen Listen gegeben zu haben. So finden sich Beiträge gleicher Natur unter anderem auf der NetBSD- und der Fedora-Mailing-Liste. Übersichten der Diskussionen sind hier und hier zu finden.
Mittlerweile ist auch eine Webseite zur GPLv4 im Netz aufgetaucht. Unter gplv4.org wird erklärt, hier würde der Entwicklungsprozess der kommenden GPL-Version begleitet. Doch ganz am unteren Ende der Seite klärt sich auf: Die Seite sei nur komödiantische Fiktion. Wer hinter der Website, den Mails oder dem Namen Morton Harrow steht, ist unbekannt.





