Aus Linux-Magazin 06/2008

Neues bei Debian

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Spötter in der Debian-Welt behaupten, der Debian Projektleiter (DPL) und seine Wahl existierten nur, damit das Projekt wenigstens ein Mal pro Jahr eine offizielle Meldung mache. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit sah sich der Noch-Projektleiter Sam Hocevar denn auch den gleichen Vorwürfen wie seine Vorgänger ausgesetzt: Einige Entwickler erklärten, er habe zu wenig getan.

Drei Kandidaten

Traditionell ist die Rolle des DPL eine eher schwache. Laut Projektverfassung hat er zwar die Kompetenz, beispielsweise die wichtigsten Positionen im Projekt – etwa die des Account Managers – neu zu besetzen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Projektleiter diese Macht nur in homöopathischen Dosen gebrauchen. Das war auch bei Hocevar nicht anders.

Angesichts der Unzufriedenheit der Debian-Entwickler wundert es nicht, dass Hocevar bereits vor dem Beginn der DPL-Wahl bekannt gab, eine weitere Amtszeit komme für ihn nicht in Frage. Auf den offiziellen Aufruf zur Nominierung, den der Projekt-Generalsekretär Manoj Srivastava am 1. März an die Entwicklerliste schickte, meldeten sich nur drei Kandidaten: Marc Brockschmidt, Raphael Hertzog sowie Steve McIntyre. 2007 hatten sich neun Entwickler um den Leiterposten beworben.

And the Winner is …

Mit Marc Brockschmidt war im DPL-Wahlkampf 2008 mal wieder die deutschsprachige Entwicklergemeinde vertreten. Zuletzt war dies 2005 der Fall, als der Österreicher Martin Michlmayr kandidierte. Brockschmidt, Student in Aachen, warb unter anderem für mehr Offenheit hinsichtlich der Entwicklungen bei den Debian-Derivaten. In seinen Augen ist es inakzeptabel, dass sich das Debian-Projekt praktisch doppelte Arbeit mache – nur weil es zu stolz sei, um die Arbeit zum Beispiel der Ubuntu-Entwickler zu übernehmen.

Der Franzose Raphael Hertzog und der Brite Steve McIntyre traten schon mehrere Male für den DPL-Posten an. Hertzog versuchte es erneut, das Wahlvolk mit personellen Veränderungen in den Kern-Entwicklungsteams für sich zu gewinnen. McIntyre wurde von der Entwicklergemeinde gar als “ewiger Zweiter” gehandelt, weil er stets knapp Zweiter geworden war. Als Argument, warum man ihn wählen solle, nannte er seine langjährige Erfahrung.

Tatsächlich hat McIntyre es diesmal geschafft. Am 12. April verkündete Projekt-Sekretär Manoj Srivastava den glücklichen Gewinner [1]. Die genaue Auswertung der Wahl stand zu Redaktionsschluss noch aus.

Neue Weekly News

Keine Fortführung, sondern eine Auferstehung soll es nach Ostern nun auch beim Debian-Projekt geben: Alexander Schmehl verkündete auf der Liste für Entwicklungsnotizen [2], dass er eine Wiederbelebung der “Debian Weekly News” plane (Abbildung 1). Die DWN waren bis vor gut einem Jahr der wöchentliche Newsletter des Debian-Projekts.

Abbildung 1: Entwickler Alexander Schmehl will den Debian-Newsletter im Zwei-Wochen-Rhythmus wiederbeleben, die Debian Weekly News. Er erschien bis vor einem Jahr, seinerzeit wöchentlich.

Abbildung 1: Entwickler Alexander Schmehl will den Debian-Newsletter im Zwei-Wochen-Rhythmus wiederbeleben, die Debian Weekly News. Er erschien bis vor einem Jahr, seinerzeit wöchentlich.

Martin Schulze, der DWN-Verantwortliche, stellte die Arbeit ein, als das Dunc-Tank-Projekt einzelne Entwickler für ihre Arbeit zu bezahlen begann – er habe die Motivation verloren [3]. Alexander Schmehl räumte ein, dass es wohl nur einen 14-tägigen Newsletter geben wird. Er bittet in seiner Mail um die Einsendung interessanten Materials für künftige Ausgaben der DWN. (ake)

Infos

[1] Mail zur DPL-Wahl: [http://www.debian.org/debian-devel-announce/2008/04/msg00005.html]

[2] Mail von Alexander Schmehl: [http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2008/04/msg00000.html]

[3] Blog-Eintrag von Martin Schulze:[http://www.infodrom.org/~joey/log/?200610250942]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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