Ein umstrittener Patch für den kommenden Kernel 2.6.25 sorgt für Diskussionsstoff im Entwicklerlager: Wie schon einmal vor gut zwei Jahren hat der bekannte Kernel-Entwickler Greg Kroah-Hartman einen Patch eingereicht, der geschlossene USB-Treiber daran hindert, die USB-Treiber-API des Kernels zu nutzen.
Kroah-Hartmans Patch wurde bereits von Linus Torvalds angenommen und ist nun im Git-Tree der nächsten Linux-Version enthalten. Er hindert USB-Treiber, die als Closed Source vorliegen, die USB-Schnittstelle des Kernels anzusprechen.
Bereits in den Kernel 2.6.16 sollte eine solche Sperre Einzug finden. Damals protestierten Hersteller wie die Berliner AVM GmbH, sie würden die Linux-Unterstützung ganz streichen, wenn sie ihre Treiber nicht closed einbringen könnten. Daraufhin wurde der Patch vorläufig gepark,t um den Herstellern Zeit zu geben, entweder offene Treiber zu erstellen oder die eigenen Treiber so umzustellen, dass diese das Userspace-API nutzen. Letztere Möglichkeit eröffnet die Chance, Nicht GPL-lizenzierte Treiber zu schaffen, die ohne viel Aufwand auch unter anderen Systemen lauffähig wären.
Wie schon vor zwei Jahren hat auch diesmal der Patch für Diskussion auf der Kernel-Mailingliste gesorgt. Während ein Teil der Entwickler voll hinter Kroah-Hartman steht, reagiert der andere Teil mit Unverständnis und Sorge. Sie befürchten, Hersteller zu verschrecken. Andere sehen nicht GPL-konforme Treiber in einer rechtlichen Grauzone.
Für Kroah-Hartman dagegen ist der Umstand vollkommen klar: Die Sperre werde keine Probleme mit sich bringen, da er selbst keinen USB-Treiber in freier Wildbahn kennt, der vom Patch betroffen wäre. Der Entwickler Christer Weinigel wirft jedoch ein, dass viele Closed-Source-USB-Treiber auf Bestellung erstellt würden und nicht in weiten Umlauf gelangen. Kroah-Hartman hält dagegen, die Userspace-Schnittstelle würde auch für solche Treiber tauglich sein, da sogar militärische Anwender diese API erfolgreich nutzen. Kroah-Hartman wörtlich: “Panzer werden mit Linux betrieben!” Der Entwickler Pekka Enberg verweist jene Entwickler, die auf der Kernel-Schnittstelle beharren, auf andere Systeme. Sie sollten lieber BSD oder proprietäre Betriebssysteme nutzen.



