Aus Linux-Magazin 06/2007

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Evolution und Kontact gelten als Linux-Standardlösungen für Personal Information Management. Vielen sind jedoch die großen Lösungen zu unhandlich. Ein Alternative ist das leichtgewichtige Pimlico. Gdata Provider erweitert die beiden Mozilla-Kalender um eine Google-Calendar-Synchronisation.

Termine, Termine! – eine häufig gehörte Klage des vom Dauerstress geplagten modernen Menschen, vom Studenten bis zum Manager. Eine übersichtliche Darstellung des Terminplans hilft dabei, wenigstens den Überblick zu bewahren und Überschneidungen zu vermeiden. Zur Verwaltung des Tagesablaufs ersetzt entsprechende Software mittlerweile oft den klassischen Kalender: Personal Information Management (PIM) heißt das Schlagwort, das die Organisation von Terminen, Aufgaben und Kontaktdaten zusammenfasst.

Zwei Standards

Unter Linux haben sich für die großen Desktop-Umgebungen KDE und Gnome zwei Lösungen für die persönliche Organisation durchgesetzt: Für KDE gibt es das Programm Kontact [1], das die Anwendungen Kmail, Korganizer, Kaddressbook, Knotes, Knode sowie Kpilot und Ksync unter einem gemeinsamen Interface vereint. Kontact enthält damit alle wichtigen Elemente der persönlichen Informationsverwaltung: Neben der Termin- und Aufgabenplanung ermöglicht die Synchronisation mit Handhelds und Handys die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen, das integrierte Mailprogramm kümmert sich um die Kommunikation mit der Außenwelt. Das Gnome-Pendant zu Kontact heißt Evolution [2]. Die Anwendung integriert ebenfalls alle zentralen Bestandteile einer PIM-Lösung.

Doch Kontact und Evolution befriedigen nicht alle Ansprüche: Kontact lässt sich zwar auch ohne den KDE-Desktop verwenden, ist aber dennoch so eindeutig darauf fokussiert, dass es bei Benutzern anderer Oberflächen kaum Anklang findet. Die Oberfläche der Gnome-Lösung wiederum empfinden viele Anwender als zu träge. Das Programm hat außerdem den Ruf, viele funktionale Fehler zu enthalten. Wer ein eigenständiges Mailprogramm wie Thunderbird [3] verwendet, möchte ohnehin eine PIM-Lösung, die sich auf die Termin- und Aufgabenverwaltung beschränkt.

Wer nicht auf Internet-Kalenderdienste ausweichen möchte, findet bisher nur schwer Desktop-Alternativen. Opened Hand [4] hat deshalb das neue Open-Source-Projekt Pimlico [5] angestoßen. Es basiert auf dem Embedded Evolution Data Server [5], einer Portierung des Evolution Data Server, der DBus statt Bonobo und Orbit verwendet und dank seines reduzierten Speicherbedarfs auch auf mobilen Geräten funktioniert. Für die grafische Oberfläche kommt GTK zum Einsatz.

Pimlico

Pimlico besteht aus vier eigenständigen Komponenten: Dates, Tasks, Contacts und Sync. Die Programme lassen sich separat installieren und nutzen. Dates (siehe Abbildung 1) stellt einen einfachen Kalender zur Verfügung, dessen Oberfläche übersichtlich bleibt, ohne zentrale Funktionen zu unterschlagen. Mehrere Zoom-Stufen führen von der Detailansicht bis zum Jahresüberblick, neue Einträge lassen sich bequem per Doppelklick anlegen und verändern. Nur eine Alarmfunktion fehlt noch.

Abbildung 1: Die Kalenderkomponente von Pimlico funktioniert bereits zuverlässig und besticht durch Übersichtlichkeit.

Abbildung 1: Die Kalenderkomponente von Pimlico funktioniert bereits zuverlässig und besticht durch Übersichtlichkeit.

Tasks und Contacts (Abbildung 2) halten das Anwendungsfenster schlicht und übersichtlich. Neue Tasks lassen sich über ein Textfeld am unteren Fensterrand einfach hinzufügen. Contacts greift auf das Adressbuch von Evolution zurück, importiert bei Bedarf aber auch Kontakte aus externen Dateien.

Abbildung 2: Alle Pimlico-Komponenten wie das Adressbuch sind unabhängig voneinander nutzbar, greifen jedoch für eine gemeinsame Datenbasis auf den Embedded-Evolution-Server zurück.

Abbildung 2: Alle Pimlico-Komponenten wie das Adressbuch sind unabhängig voneinander nutzbar, greifen jedoch für eine gemeinsame Datenbasis auf den Embedded-Evolution-Server zurück.

Zentrales Anliegen bei der Entwicklung von Pimlico ist der Einsatz auf allen Geräten mit GTK-Unterstützung. Neben dem Desktop-PC geht es vor allem um die Plattformen Maemo [6] und Openmoko [7]. Sie kommen auf dem Nokia 770 Internet Tablet [8] sowie künftigen Nachfolgemodellen und dem Neo1973 [9], das sich noch im Entwicklungsstadium befindet, zum Einsatz.

Von der vierten Pimlico-Komponente Sync gibt es leider noch keine funktionsfähige Version, weshalb die PIM-Suite für den praktischen Einsatz bislang kaum in Frage kommt. Sync basiert auf Opensync [10] und soll dafür sorgen, dass die Daten von Dates, Tasks und Contacts sowohl mit Pimlico-Software auf anderen Geräten als auch mit anderer Software austauschbar werden.

Webtop-PIM

Auch Mozilla arbeitet seit geraumer Zeit an einem eigenen Kalender. Dabei gibt es zwei eng verwandte Projekte: Lightning [11] ist eine Erweiterung für Thunderbird, während das Parallelprojekt Sunbird (Abbildung 3, [12]) eine eigenständige Anwendung ist. Beide enthalten bislang keine verlässliche Funktion, um die Kalender mit anderen Programmen abzugleichen.

Abbildung 3: Sunbird heißt das eigenständige Kalenderprogramm von Mozilla. Dank der Erweiterung Gdata Provider lassen sich seine Daten mit dem Kalenderservice von Google synchronisieren.

Abbildung 3: Sunbird heißt das eigenständige Kalenderprogramm von Mozilla. Dank der Erweiterung Gdata Provider lassen sich seine Daten mit dem Kalenderservice von Google synchronisieren.

Eine Ausnahme ist die Erweiterung Gdata Provider [13], die Sunbird und Lightning immerhin mit Google Calendar [14] synchronisiert. Dieser Service bietet ein Webinterface für einen Kalender mit allen nötigen Funktionen. Dazu stehen Schnittstellen in den Formaten XML, Ical und HTML zur Verfügung. Erstere verwendet Gdata Provider, um mit dem Webservice zu kommunizieren. Dadurch synchronisieren sich im Webinterface vorgenommene Änderungen reibungslos mit Sunbird beziehungsweise Lightning und umgekehrt.

Die Medaille hat jedoch gleich mehrere Kehrseiten. Zum einen ist es bislang unmöglich, mit einem über Gdata Provider veröffentlichten Kalender ohne Internetverbindung zu arbeiten, denn die Daten liegen ausschließlich auf dem Google-Server. Auch gibt es die Gdata-Erweiterung bislang nur für Lightning- und Sunbird-Entwicklungsversionen.

Die fertige Version von Gdata Provider macht jedoch Lust auf mehr. Die Einrichtung ist einfach, der Anwender kopiert lediglich die URL der XML-Schnittstelle und legt mit ihr einen neuen Mozilla-Kalender an. Die Software synchronisiert die Kalender automatisch und schon in diesem frühen Entwicklungsstadium weitgehend zuverlässig. Bei sich wiederholenden Terminen gibt es noch vereinzelte Schwierigkeiten. Außerdem fehlt bislang eine Alarmfunktion, die erst für künftige Versionen vorgesehen ist.

Birne Helene

Beim Calendar Sharing mag es unter Linux bisweilen noch Probleme geben. Dafür, dass wenigsten die gemeinsamen Stunden nach Dienstschluss angenehm verlaufen, sorgt als süße Nachspeise Birne Helene.

Zutaten für zwei Personen: eine reife Birne, 15g Zucker, ein viertel des Safts einer Zitrone, ein viertel Päckchen Schokoladensaucenpulver, ein achtel Liter Milch, 25g Zartbitterschokolade, ein halber Esslöffel Weinbrand und 125 Milliliter Vanilleeis.

Zur Zubereitung die halbierte Birne in wenig Wasser mit einem Esslöffel Zucker und dem Zitronensaft fünf bis zehn Minuten weich dünsten und abtropfen lassen. Das Schokosoßenpulver mit etwas Milch und dem restlichen Zucker glattrühren. Die übrig gebliebene Milch zum Kochen bringen. Das Soßenpulver und die Schokolade zerbröckelt hinzugeben und unter Rühren aufkochen. Den Weinbrand unterrühren. Die Birnen und das Eis auf Portionstellern anrichten und mit der heißen Soße übergießen. (pkr)

Infos

[1] Kontact: [http://kontact.kde.org]

[2] Evolution: [http://www.gnome.org/projects/evolution]

[3] Thunderbird: [http://www.mozilla.com/thunderbird]

[4] Opened Hand: [http://o-hand.com]

[5] Pimlico: [http://pimlico-project.org]

[6] Maemo: [http://maemo.org]

[7] Openmoko: [http://openmoko.org]

[8] Nokia 770 Internet Tablet: [http://www.nokia.com/770]

[9] Neo1973: [http://wiki.openmoko.org/wiki/Neo1973]

[10] Opensync: [http://www.opensync.org]

[11] Lightning: [http://www.mozilla.org/projects/calendar/lightning]

[12] Sunbird: [http://www.mozilla.org/projects/calendar/sunbird]

[13] Gdata Provider: [http://wiki.mozilla.org/Calendar:GDATA_Provider]

[14] Google Calendar: [http://calendar.google.com]

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