Auch ohne es in einem Motto zu erwähnen, ließ der Branchenprimus am 24. Oktober beim Red Hat Forum keinen Zweifel daran aufkommen, was gerade sein Hauptthema ist: Container in Rot. Als größter Sponsor der in einem Wiener Innenstadthotel durchgeführten Veranstaltung hatte sich Microsoft engagiert — kein Schmäh!
Im Gespräch mit dem Linux-Magazin am Rande der Veranstaltung rühmt Red-Hat-Mitarbeiter Lars Herrmann die Flexibilität der Containertechnologie, die es bei den Anwendern leichter mache, auf Veränderungen im Unternehmen oder externe Einflüsse von Gesetzgeber oder Markt zu reagieren. Den Einwand, ob man Gleiches vor 15 Jahren nicht schon einmal den Service-orientierten Architekturen nachgesagt hat, kontert der “General Manager Integrated Solutions und Container Strategy” mit der Leichtgewichtigkeit von Containern und der viel stärkeren Triebkraft, die Anwender und Entwickler heute aufbrächten.
Dass Java in der neuen Container-Welt einen Platz haben muss und wird, betonnte der Red-Hat-Middleware-Spezialist Jochen Cordes in seinem Vortrag “Der JEE-Container ist tot — lang lebe der JEE-Container als Red Hat Open Shift Application Runtimes”, in dem er die Betaversion eines Container-Deployments vorstellte.
Rothut Daniel Fröhlich nutze seien Redezeit bei “Technische Aspekte der Migration einer bestehenden Anwendung auf Container Technologie”, um einen Weg weg für Altanwendungen in Container zu zeigen. Schritt 1 sei, sie auf RHEL zum Laufen zu bringen, Schritt 2 auf Docker zu migrieren. Danach ginge es weiter mit den Open Container Development Kit und in Schritt 4 zu Open Shift. Seien die Abhängigkeiten der Anwendung sehr kompliziert zu realisieren, sei das Schnüren eines Pod aus mehreren Containern allemal besser als einen neuen Monoliten in Form eines einzigen Containers zu erschaffen. Die Kommunikation zwischen den Beteiligten ließe sich gut über Shared Memory for Containers realisieren.
Wer hochverfügbare Datenbanken braucht, baut Activ-Passiv-Konstrukte über Stateful Sets von Kubernetes, die früher Ped Sets hießen. Dass Container nicht unbedingt ein langes Leben beschieden ist, bereitet migrierten Altanwendungen oft Probleme, weil sie im Netz dann ihre Kommunikationspartner verlieren und von dessen neu gestarteten Nachfolger nichts wissen. Daniel Fröhlich weist als Lösung auf den Multicast-Support der Containerumgebung hin. Und: Manche Dinge seien sogar einfach realisierbar als bei Virtualisierung, so gestalte sich der direkte Zugriff auf GPU-Hardware aus einem Container heraus viel einfacher als aus einer VM.
Martin Etmajer, Technical Lead beim Forum-Gold-Sponsor Dynatrace, referierte über das Monitoring in Open-Shift-Umgebungen. Dabei appellierte er an die Zuhörer, Störungen bei den kurzlebigen Containern nicht zu ernst zu nehmen: “Verschwenden Sie nicht Ihre Kraft darauf, Fehler um jeden Preis zu vermeiden, sondern lernen Sie mit Fehlern zu leben.” Viel wichtiger seien im System robuste APIs. Dann führte er das Dashboard der Software seiner Firma vor, welches den Admin über die tatsächlichen Auswirkungen eingetretener Fehlerfälle informiert.
Neun Gold-Sponsoren, darunter Cisco, Netapp, HP, T-Systems, unterstützten die Veranstaltung absichtsvoll. Noch mehr mehr finanzielles Linux-Event-Engagement war nur eine Firma bereit zu leisten: Microsoft. Angesichts der Unvereinbarkeit von Closed und Open Source erscheint der Platin-Status für die Windows-Erfinderin, aber auch für Red Hat selbst erstaunlich widersinnig. Dass ein früherer Microsoft-Chef Linux einst als “Krebsgeschwür” bezeichnet habe, sei jedoch vorbei, versicherte Rüdiger Schickhaus von Microsoft in seinem Vortrag. Und der Cloud-Infrastruktur- und Open-Source-Spezialist sieht in jüngster Zeit noch viel mehr Schritte der Annäherung. Alle Red-Hat-Produkte seien auf der Azure-Plattform vertreten. Außerdem arbeiten beide Firmen beim Support eng zusammen, um Kunden mit gemischten Setups kein Hotline-Ping-Pong zuzumuten. Es gibt gemeinsame Support-Tickets, in den USA sitze das zuständige beider Firmen Personal sogar in einem Büro.
Ähnlich wie Microsoft es schon seit langen Jahren macht, will Red Hat laut Lars Herrmann mehr Aufwand in Entwicklerprogramme investieren. Überhaupt der Faktor Mensch: Werner Knoblich, Senior Vice President & General Manager EMEA von Red Hat, betonte diesen in seiner Keynote. Die Kultur in der Technologie sei kritisch. Von den Unternehmenzielen überzeugte Mitarbeiter erbrächten schlicht eine höhere Leistung. Deshalb rechne sich jedes Investment in die Unternehmenskultur von allein. Dass Red Hat für die rund zehn in Österreich Angestellten nun eine eigene GmbH gegründet hat, zeilt sicher in die gleiche Richtung.
Dass das kostenfreie Red Hat Forum keine mühsam verkappte Verkaufsveranstaltung vom Hersteller und seiner Sponsoren war, sondern technische Antworten auf relevante Linux-Trends zu geben verstand, erklärt den neuen Besucherrekord von knapp 500 Teilnehmern bei der dritten Veranstaltung dieser Art in Wien. Fürs nächsten Mal wird das innenarchitekonische bemerkenswerte Trend Hotel Savoyen nahe des botanischen Gartens dem Vernehmen nach zu klein sein. Die in Wien verwendeten Präsentationsfolien stehen bereits online.









