Nach einem längeren Experiment mit einem eigenen Desktop kehrt Ubuntu mit der neuen Version 17.10 nun zu Gnome zurück, wenn auch zu Gnome 3. Standard-Displaymanager wird Wayland, Mir ist Geschichte.
Nachdem es vor allem aufgrund der Ubuntu-Touch-Entwicklung lange Zeit ruhig um die PC-Variante von Ubuntu wurde, stürmen auf Nutzer des neuen Ubuntu 17.10 laut Ankündgung gleich mehrere einschneidende Änderungen ein. Das beginnt damit, dass es laut Ankündigung keine Images für i386-Architekturen mehr gibt. Zugleich kehrt Ubuntu mit Gnome 3.26 als Desktop zu den Anfängen zurück.
Neu ist dabei allerdings, dass Ubuntu als Display-Manager auf Wayland setzt. Als Login-Manager kommt entsprechend GDM zum Einsatz, nicht mehr Light-DM. Neu ist auch, dass der grafische Login-Screens nun auf dem virtuellen Terminal 1 liegt, nicht mehr wie bisher auf VT7. Die Buttons zur Fensterkontrolle liegen erstmals seit 2010 wieder auf der rechten Seite, sie waren nach links gerutscht, um den Platz auf kleinen Screens optimal zu nutzen.
Mit dem Schritt zurück zu Gnome vollziehen die Ubuntu-Macher gleich mehrere Kehrtwenden. Der Displaymanager Mir galt ebenso wie Unity stets als ein Alleingang von Canonical. Externe Entwickler kritisierten nicht nur das damit einhergehende CLA (Contributor Licence Agreement) von Canonical, sondern generell auch den Sonderweg, der ihnen Mehrarbeit abverlangte, um einerseits für Wayland und Gnome, andererseits für Mir und Unity zu programmieren.
Mit Unity und Mir verfolgte Canonical-Chef Mark Shuttleworth die naheliegende, aber im Nachhinein wohl zu ehrgeizige Idee, einen Desktop zu entwickeln, der sich für alle Geräteklassen anpassen lässt, seien es Smartphones, Tablets, PCs oder Fernseher. Nach der Abkehr davon setzt Ubuntu nun wieder mehr auf in der Community entwickelte Technologien, Shuttleworth will Canonical aber zugleich fit für einen Börsengang machen.
Kollateral
Mit dem Wechsel zu Gnome 3 gehen auch kleinere Änderungen einher. Zu den größeren gehört wenig überraschend, dass Ubuntu Gnome als Flavor künftig nicht mehr existieren wird. Wer “gnome-session” installiert und beim Start den Eintrag “GNOME” auswählt, erhält aber eine Gnome-Version, die näher an Upstream dran ist. Wer weitere Core-Apps möchte, spielt zudem das Metapaket “vanilla-gnome-desktop” ein.
Caribou ist dank Gnome das neue Default-Screen-Keyboard und löst das bisherige Onboard ab, der Einstellungsdialog wurde auch überarbeitet. Der Kalender unterstützt nun wiederkehrende Ereignisse. Simple Scan ist Teil von Gnome Core, für Gnomes Musicplayer Rhythmbox unterstützen die Ubuntu-Macher das alternative Interface von Ubuntu Budgie.
Weitere Änderungen sind, dass Libre Office nun in Version 5.4 mit an Bord sind, Python 2 wird nicht länger vorinstalliert, Logs löst das bisherige System Log ab und zeigt Informationen zu Systemd-Journal an.
Server
Für den Ubuntu Server fallen die Änderungen naturgemäß weniger drastisch aus, da er auf eine grafische Oberfläche verzichtet. Hier haben die Entwicker vor allem Software aktualisiert, er bringt unter anderem Qemu 2.10, Libvirt 3.6, Open Vswitch 2.8, Bind 9 mit neuem Key Signing Key (KSK), cloud-init 17.1 und Samba 4.6.7 mit.
Ubuntu 17.10 ist die letzte Etappe vor dem nächsten Langzeit-Release Ubuntu 18.04, das voraussichtlich im April 2018 erscheinen wird und in der Regel fünf Jahre Support erhält. In der kommenden Zeit wird es also in der Entwicklung darum gehen, in Ubuntu 17.10 gefundene Fehler zu beheben und die Distribution für die LTS-Version zu stabilisieren. Die nun angebotene Version 17.10 lässt sich über die Links in den Release Notes herunterladen. Sie wird bis Juli 2018 offiziell mit Updates unterstützt.






