Jede Windows-Lizenz soll einen Anwender zusätzlich 21,50 US-Dollar "Patentsteuer" kosten, hat das Software Freedom Law Center ausgerechnet.
In einer Studie nennt der Verein diesen Betrag als die Summe, die Microsoft auf die Anwender umschlagen muss, um seine Rechtsstreitigkeiten zu bezahlen.
Das Software Freedom Law Center (SFLC) hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rechte Freier und Open Source-Software (FOSS) zu schützen und vertritt heute zahlreiche freie Projekte juristisch. In der Studie macht das SFLC eine einfache Rechnung auf. Es addiert Beträge aus Patentstreitigkeiten zwischen Microsoft und gegnerischen Firmen, die zwischen April 2004 und März 2007 an die Öffentlichkeit gelangt waren und kommt so auf eine Summe von vier Milliarden US-Dollar. Als Beispiele dienen die Patentkonflikte mit Unternehmen wie Sun, Novell, InterTrust oder Alcatel Lucent.
Weitere 300 Millionen US-Dollar Rechtskosten in drei Jahren führt der Verein auf eine Aussage des Microsoft-Rechtsberaters, Brad Smith, zurück. Er hatte in einem Interview angegeben, dass Microsoft “typischerweise rund 100 Millionen US-Dollar pro Jahr ausgibt, um durchschnittlich 35 bis 40 Patentklagen gleichzeitig auszufechten”. Ausgehend von Microsoft-Angaben zu Neu-Installationen nimmt der Verein 200 Millionen neue Windows-Installationen in drei Jahren an. So ergibt sich folgende Rechnung: 4,3 Milliarden geteilt durch 200 Millionen ergeben die 21,50 US-Dollar für “versteckte Steuern”.
Auch wenn dieser Betrag auf Anhieb klein erscheine, wären das hochgerechnet enorme Summen, so der SFLC. Der Verein führt als Beispiel den knappen Etat einer Schule an, die bei nur 50 Windows-Lizenzen bereits über 1000 US-Dollar Kosten, die nur für Microsofts Rechtsstreitigkeiten entstünden. Die Autoren der Studie halten diese Zahlen insgesamt für eher zu niedrig berechnet, insbesondere für Europa und Nordamerika. Zum einen wurden zur Kalkulation nur veröffentlichte Zahlen verwendet, zum anderen zahlten die Anwender in westlichen Ländern mehr für die Lizenzen als in weniger begüterten Staaten.
Anlass für die Veröffentlichung ist der “Tax Day”, der Tag, an dem in den USA die Einkommenssteuer fällig wird. Den Begriff “Patentsteuer” erklären die Autoren damit, dass die Behörden in den USA im Jahr 1989 Software-Patente zugelassen hatten. Seitdem müssten Software-Entwickler Gebühren an die Patentinhaber dafür zahlen, dass sie ihre eigene Software weitergeben dürften. Wenig überraschend ist die Alternativ-Empfehlung des Vereins: Linux mit 0 Euro Lizenzkosten.



