SPD und CSU: Münchner Stadtrat will Limux rückabwickeln

Bis 2021 soll in München die Nutzung von Linux als Client-System beendet werden. Stattdessen soll wieder komplett auf Windows gesetzt werden. Das fordern die regierenden Stadtratsfraktionen von CSU und SPD in der bayerischen Landeshauptstadt und könnten damit das Ende von Limux besiegeln.

Sollte eine aktuelle Änderung für einen Antrag im Münchener Stadtrat so beschlossen werden, wie dieser vom zuständigen Ausschuss formuliert worden ist, könnte das ambitionierte und mittlerweile im Regelbetrieb laufende Limux-Projekt bis Ende 2020 eingestellt werden. Der Änderungsantrag (PDF) ist am Donnerstag vom Verwaltungs- und Personalausschuss eingebracht worden und setzt auf einen vollständigen Wechsel zurück zu Windows als Client-Betriebssystem für alle städtischen Arbeitsrechner.

Der eingebrachte Änderungsantrag ist letztlich die Reaktion auf eine Studie vom vergangenen Jahr, die der Stadt München laut der Süddeutschen Zeitung eine teils katastrophale Organisation seiner IT-Landschaft bescheinigte. Doch schon bei den ersten Konsultationen zu der Studie im vergangenen Herbst zeigte sich, dass sowohl der Stadtrat als auch Verwaltungsreferate gegen den Plan und gegeneinander agieren und die Neuorganisation der IT-Landschaft von einigen als politische Gelegenheit genutzt wird, um das Limux-Projekt zu beenden.

Standard-Windows für alle statt gemischter Architektur

Die von der Unternehmensberatung Accenture durchgeführte Studie forderte unter anderem, die in München weiterhin genutzten Windows-Instanzen mit einem einheitlichen System zu betreiben – einem sogenannten Basis-Client. Ähnliches gilt bereits für die mehrheitlich auf Linux laufenden restlichen Rechner. In der Studie wird auch weiterhin von einem Betrieb beider System ausgegangen.

In dem nun eingebrachten Antrag heißt es in einem völlig neu erstellten Unterpunkt: “Die Verwaltung wird beauftragt, unverzüglich ein Konzept zu erstellen, wie auf Basis des neu zu entwickelnden Windows-Basis-Clients bis spätestens zum 31.12.2020 eine stadtweit einheitliche Client-Architektur geschaffen werden kann”. Lediglich in der Übergangszeit bis dahin soll es einzelnen Teilen der Münchner Verwaltung erlaubt sein, je nach Bedarf sowohl Windows als auch Limux im Mischbetrieb zu nutzen.

Auch von den in München sowohl auf Windows wie auch auf Limux laufenden einheitlichen Produkten wie Libreoffice oder Thunderbird soll wohl Abstand genommen werden. So heißt es, dass für “Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm, PDF-Reader, E-Mail-Client, Internetbrowser” künftig “marktübliche Standardprodukte einzusetzen” seien. Diese werden zwar nicht explizit genannt. Es ist aber im Sinne des Rückzugs aus Limux zu vermuten, dass damit etwa Microsoft Office sowie Outlook genutzt werden sollen.

Ironischerweise schließt der Absatz zur Technik in dem Antrag wie folgt: “Strategisches Ziel muss es sein, dass die städtischen Anwendungen unabhängig vom Betriebssystem des Endgerätes funktionieren”. Würde dies konsequent umgesetzt, wäre ein Wechsel zurück zu den proprietären Produkten von Microsoft vermutlich überhaupt nicht nötig. Dieser Satz nimmt wohl aber keinen Bezug auf die Desktop-Rechner oder Laptops der Verwaltung, sondern vermutlich auf die immer häufiger genutzten Mobilgeräte.

Die eingebrachten Änderungen könnten schon kommenden Mittwoch auf einer Vollversammlung des Stadtrates beschlossen und damit bindend werden. In der aktuellen Beschlussvorlage für diesen Termin finden sich die eingebrachten Änderungen noch nicht.

Vom Limux-Unterstützer zum Windows-Befürworter

Bereits im Herbst 2015 nutzten die CSU-Stadträte Sabine Pfeiler und Otto Seidl einen Stadtratsantrag, um relativ unverblümt über Limux zu wettern. Die Begründung dafür zeugte allerdings von fehlendem IT-Sachverstand der Beteiligten. Pfeiler und Seidl sind auch an dem aktuellen Antrag für den Wechsel auf Windows beteiligt gewesen.

Noch im Jahr 2014 sagte Seidl, der Schritt aus der Abhängigkeit von Microsoft im früheren Umfang sei richtig und wichtig gewesen. Eine Rückmigration zu Windows wäre ebenfalls mit sehr hohen Kosten verbunden. Offenbar hat sich die Meinung Seidls seitdem fundamental geändert.

Starke politische Unterstützung fehlt

Schon mit Beginn der aktuellen Legislaturperiode des Münchner Stadtrats im Jahr 2014 wurde die Kritik durch die politisch Verantwortlichen an Limux sehr stark deutlich. So wollte der zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) bereits wenige Monate nach Amtsantritt eine mögliche Rückkehr von Linux zu Windows prüfen lassen, da sich viele Mitarbeiter über das System beschwert hätten.

Die von Schmid damals vorgebrachte Kritik wirkte aber technisch wenig informiert und vermischte verschiedene IT-Projekte Münchens miteinander. So bemängelte Schmid, dass sich E-Mails und Termine nicht gut auf Mobilgeräten verwalten ließen und bezog sich dabei auf das Limux-Projekt, das allerdings völlig unabhängig von der Groupware-Erneuerung gewesen ist.

Auch der Oberbürgermeister Reiter (SPD) hält sich, ganz anders als sein Vorgänger Ude (SPD), mit einer politischen Unterstützung des Limux-Projekts sehr zurück. So scheint Reiter etwa ebenfalls 2014 einen tagelangen Ausfall der E-Mail-Infrastruktur genutzt zu haben, um erneut die Kritik an Limux aufleben zu lassen.

Schon damals schimpften Münchner IT-Mitarbeiter auf den offenbar fehlenden politischen Rückhalt, der ihre Arbeit massiv erschwert. Open-Source-Befürworter unterstellten der politischen Führung gar, im Stil von Franz-Josef Strauß das Projekt sturmreif schießen zu wollen. Die IT-Verantwortlichen der Verwaltung treten allerdings klar für die Nutzung freier Software ein und betätigen sich etwa im Beirat der Document Foundation für Libreoffice. Ebenso will das Team aktiv zur Open-Source-Entwicklung beitragen. (Sebastian Grüner/Golem.de)

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Jörg Linuxfreund
8 Jahre her

Es ist sehr sehr bedauerlich das die Entscheider (Großkopferten) sehr wenig bis gar keine Ahnung haben!Aber das ist ja bei den /Windows-Hörigen/ nicht anders zu erwarten, die sind zu dumm um die bestehenden Probleme klar zu definieren und sich die richtigen Fragen zu stellen.Die Kernfrage bleibt doch: *Worauf hat die openSource Gemeinschaft Einfluss und wo bleibt ihnen die Möglichkeit des Einflusses auf,und des Einblickes in, den Quellcode verwehrt.”*

Imp
8 Jahre her

Ganz ehrlich, diese fiesen Linux-Nutzer mit ihrem ach so tollen Sachverständnis gehen mir wirklich auf die Nerven… Manch einer will den Computer einfach nur benutzen und nicht stundenlang damit frickeln…

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