Dass Linux und sein umfangreiches Open-Source-Ökosystem kostenlos sind, müsste für die finanziell klammen Schulen ein starkes Argument für deren Einsatz sein. Warum das jedoch nicht immer zieht und in welcher Form Linux bereits die Schulbank drückt, beleuchtet die Bitparade.
Es gibt etliche Linux-Distributionen speziell für Schulen. Sie bringen nicht nur ein Fülle von Lernsoftware mit, sondern haben auch gleich Verwaltungswerkzeuge für Vernetzung und Administration im Gepäck. Je nach Einsatzbereich lassen sie sich mehr oder weniger einfach einrichten. Die beigelegte Lernsoftware und die Benutzerführung unterscheiden sich von Distribution zu Distribution teils erheblich. Der Artikel geht mit Sugar [1], Uberstudent [2], Edubuntu [3], Debian Edu [4], Open Suse Edu Life [5], UCS@School [6] sowie Linuxmuster [7] in Klausur.
Tabelle 1
Features der Schul-Linuxe im Überblick
| Feature | Sugar | Edubuntu | Debian Edu | Open Suse Edu Life | Uberstudent | UCS@School | Linuxmuster |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lokalisierung | unzureichend | gut | gut | gut | mangelhaft | gut | gut |
| Dokumentation | gut (englisch) | gut | gut | gut | gut (englisch) | gut | ausgezeichnet |
| Zielgruppe | alle Altersgruppen | alle Altersgruppen | alle Altersgruppen | alle Altersgruppen | Sekundarklassen/Studenten | Administratoren | Administratoren |
| Einsatzgebiet | Klassen/Schulen | Klassen | Klassen | Klassen | Einzelpersonen | Schulen | Schulen |
| Einrichtungsaufwand | Server: schwierig; Client: einfach | Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung | Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung | Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung | Server: -; Client: einfach | Server: einfach; Client: einfach | Server: aufwändig; Client: – |
| LDAP-Support | optional | optional | optional | optional | nein | integriert | integriert |
| Mailserver | optional | optional | optional | optional | nein | integriert | integriert |
| Fileserver | lokal oder Server | LTSP-Server | LTSP-Server | LTSP-Server | lokal | Server | Server |
| Windows-/Mac-Clients | optional mit Server | optional | optional | optional | optional | ja | ja |
| Verwaltungswerkzeuge für Clients | Moodle | Epoptes | Gosa | Italc | nein | eigene Lösung | Sophomorix |
| Desktops | eigene Lösung | Unity | KDE | KDE | Xfce | eigene Lösung | diverse |
Sugar
Die Diskussion über die beste Benutzeroberfläche macht auch vor den Linux-Systemen für Schüler nicht halt. Aus den Bestrebungen, den Einstieg in die Computerwelt für Kinder möglichst einfach und intuitiv zu gestalten, ist Fedoras Sugar (siehe Kasten “OLPC ist eingeschlafen, Sugar lebt”, [1]) entstanden. Die für Schüler konzipierte Benutzeroberfläche will sich nicht nur an Erstklässler, sondern auch an Schüler der oberen Klassen wenden. Sie zeigt zugleich, wie schwer es ist, eine universelle Lösung für Schüler weltweit zu ersinnen.
OLPC ist eingeschlafen, Sugar lebt
Sugar Linux läuft nicht nur auf dem inzwischen nicht mehr hergestellten XO-1-Laptop der OLPC-Initiative. Daneben existiert auch das vom Fedora-Projekt betreute Sugar on a Stick (SoaS, [9]), das auf Fedora 23 basiert. Es setzt allerdings auf dem verwendeten Laptop einen WLAN-Chip voraus, den Sugar unterstützt. In den Ubuntu-Repositories warten ebenfalls Sugar-Pakete, jedoch bieten sie nicht alle Anwendungen, die SoaS bereitstellt.
Eigenen Angaben zufolge hat die OLPC-Initiative bereits Erfolge in Äthiopien und Nepal erzielt und kommt unter anderem in Peru und Venezuela zum Einsatz. Inzwischen ist es jedoch ruhig um das einstmals bejubelte Projekt geworden, immerhin werden die vorhandenen Laptops noch gewartet. Die Marke gehört mittlerweile dem US-Unternehmen Sakar, das anstelle des Laptops ein Tablet mit Android herstellt, das eher auf Freizeitaktivitäten fokussiert. Die US-Warenhauskette Walmart vertreibt es nach eigenen Angaben mit über 100 Spielen.
Der Urheber des OLPC-Projekts, Nicholas Negroponte, treibt indes sein Ziel einer globalen Bildung bei der gemeinnützigen, bildungsorientierten Organisation Xprize voran. Hierzulande spielt Sugar kaum eine Rolle, OLPC Deutschland e.V. hat zwar noch eine Webseite [10], die wirkt allerdings verwaist – der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 2012.
Die Benutzeroberfläche ist erfreulich einfach gehalten und zielt klar auf Mobilgeräte ab, insbesondere aber auf den XO-Laptop, einen im One-Laptop-Per-Child-Projekt (OLPC, [8]) entwickelten Mobilrechner. Allerdings unterscheidet sich Sugar von allen anderen bekannten GUIs (Abbildung 1). Wer damit in die IT-Welt einsteigt, wird sich beim späteren Umstieg auf herkömmliche Benutzeroberflächen, wie sie Windows, OS X oder viele Linux-Distributionen anbieten, möglicherweise schwer tun.
Die Welt ist nicht genug
Ganz willkürlich ist die Benutzeroberfläche jedoch nicht gestaltet. Die OLPC-Initiative will möglichst vielen Kindern den Computer näherbringen, insbesondere in solchen Regionen der Welt, in denen es an Hardware mangelt. Nach eigenen Angaben erzielt Sugar besonders bei Immigranten, die eine neue Sprache erlernen müssen, und bei Nutzer mit Behinderungen gute Ergebnisse.
Die Benutzeroberfläche bietet lediglich Symbole für die vielen Anwendungen an (Abbildung 2). Hinter diesen verbergen sich neben etlichen Lern- und Puzzleprogrammen auch Programme zur Kommunikation, etwa ein Browser und ein Chatclient. Standardmäßig verbindet Sugar jeden Benutzer mit einem Jabber-Server. Ohnehin setzt das System verstärkt auf die Zusammenarbeit und Kommunikation unter den Schülern selbst. Es vermerkt alle Aktivitäten lokal in einem so genannten Tagebuch, etwa in Form von Bildern und Texten.
Fehlt ein zentraler Server, lassen sich die Sugar-Rechner zu einem Mesh-Netzwerk verknüpfen. Alternativ richtet der Admin einen auf Centos basierenden Sugar-Server ein. Über ihn konfigurieren Lehrkräfte das Netzwerk inklusive Proxys wie Squid [11] (mitsamt Filtern) oder Wwwoffle [12], die bei wackeligen Internetverbindungen Inhalte vorhalten. Sugar setzt auf die Web-basierte freie Lernplattform Moodle, die Schüler zu Gruppen zusammenfasst und Lernmaterialien bereitstellt. Benutzer speichern ihre Aktivitäten auf dem Server ab.
Uberstudent
Während Sugar sich an Kinder richtet, will Uberstudent [2] ältere Schüler und vor allem Studenten schlau machen. Schon der Name mutet prätentiös an, die Eigendarstellung auf der Webseite noch mehr (Abbildung 3). Es gehe nicht nur um “Computer Literacy” (IT-Kenntnisse), sondern um “Computer Fluency”, heißt es dort. Wer sich durch die Webseite klickt, erhält in fast penetrant kurzen Abständen Bitten um Spenden.
Uberstudent basiert auf Ubuntu 14.04, bringt aber beispielsweise auch den Updatemanager aus dem Linux-Mint-Projekt mit. Der Initiator des Projekts, Stephen Ewen, übte in der Vergangenheit mehrfach Kritik an den Desktops Unity und Gnome 3, konsequenterweise setzt seine Linux-Distribution auf Xfce mit einer eigens gestalteten Benutzeroberfläche.
Werkzeugkasten
Zwar ist die Linux-Distribution auf US-Schüler und -Studenten zugeschnitten, bringt aber zahlreiche Werkzeuge mit, die auch im deutschen Sprachraum vor allem bei der Arbeitsorganisation helfen könnten. Dazu gehören etwa das Dokumentationswerkzeug Cherrytree und eine Software zur Zeiterfassung. Statt des digitalen Atlas Marble liefert Uberstudent Google Earth mit, Kstars ersetzt es durch Google Sky. Zudem verlinkt es zahlreiche englischsprachige Informationsseiten im Startmenü, etwa frei zugängliche mathematische und philosophische Enzyklopädien oder Nachschlagewerke zu Rechtschreibung und Grammatik.
Die Lokalisierung erweist sich als eher dürftig, der Startmenü-Eintrag »Bildredakteure« meint zum Beispiel die Bildbearbeitung. Für den Einsatz in Schulen in Mitteleuropa ist Uberstudent nicht nur deshalb wohl kaum geeignet.
Allerdings bringt die Linux-Distribution auch einige interessante Anwendungen und Links mit, die in der deutschsprachigen Version durchaus brauchbar sind. Uberstudent zeigt deutlich, wie vielfältig das freie Software-Angebot ist und auch, wie eine persönlich angepasste Linux-Variante aussehen könnte. Verwaltungswerkzeuge oder Serversoftware fehlen. Kein Wunder: Die Linux-Distribution ist weniger für den Einsatz an Schulen gedacht, sondern soll auf den persönlichen Rechnern der Lernenden laufen.
Einsteigen leicht gemacht
Deutlich besser vernetzt und umfangreicher ist die als offizielles Ubuntu-Projekt eingestufte Distribution Edubuntu [3]. Gleiches gilt für das Projekt Skolelinux, das inzwischen unter dem Namen Debian Edu [4] firmiert. Während Edubuntu auf die Ubuntu-eigene Benutzeroberfläche Unity setzt, erscheint bei Debian Edu der KDE-Desktop (Abbildung 4). Beide Programme bringen eine Fülle von Lern- und Produktivsoftware mit, die sich in großen Teilen überschneidet.
Edubuntu
Edubuntu macht für seine Lernsoftwaresammlung vier Zielgruppen aus. Für Kinder in der Vorschule und in den ersten Schulklassen gibt es in den Paketen »preschool« und »primary« Puzzle- und Lernspiele sowie Anwendungen, damit die Kleinen das Steuern per Maus und Tastatur lernen. Ein wesentlicher Unterschied zu Sugar: Die Programme nutzen herkömmliche Menüs, die neben Symbolen auch Text anzeigen.
Hervorzuheben ist die durchaus gelungene Softwaresammlung Gcompris [13], die eine Fülle von Anwendungen zusammenfasst (Abbildung 5). Aufgeteilt sind diese etwa in Software für das Erlernen des Alphabets oder der Grundrechenarten. Spiele und Puzzles wie “Vier gewinnt” oder Schach ergänzen die Sammlung. Zudem wartet hier Software, die zum Beispiel die Grundlagen des Wasser- oder Stromkreislaufs beschreibt.
Haken und Ösen
Andererseits zeigt sich auch hier, dass mancher Programmierer den Kindern zu viel abverlangt: Beim Start der Anwendung zum Experimentieren mit dem Stromkreislauf erscheint zunächst die Meldung, dass der Elektro-Simulator Gnucap fehle, gefolgt von einer ausführlichen Beschreibung, wie er nachträglich zu installieren sei. Erst der letzte Satz liefert den nicht unwichtigen Hinweis, dass er aber nicht unbedingt nötig sei. Für Kinder im Vorschulalter dürfte allein die Meldung für Frust sorgen, und Lehrkräfte benötigen administrative Rechte, um die Software nachzuladen.
Für Schüler der ersten Klassen gibt es ein Softwarepaket, das hauptsächlich aus KDE-Anwendungen besteht, darunter etwa das Buchstabenratespiel Khangman (Abbildung 6). Die Anwendung dient zugleich als Beispiel für die überwiegend angelsächsische Orientierung vieler Lernprogramme, Galgenmännchen ist hierzulande bestens bekannt. Und es zeigt exemplarisch, welche vor allem inhaltlichen Probleme eine internationale Vereinheitlichung von Lernsoftware mit sich bringt. Für Grundschüler sind Anwendungen, mit denen sie Buchstabieren, einfaches Rechnen und den Umgang mit Computern lernen, durchaus sinnvoll. Je weiter fortgeschritten die Schüler sind, desto länderspezifischer fallen jedoch auch die Anforderungen aus.
Experimente willkommen
Die ergänzenden Pakete »secondary« und »tertiary« stellen Anwendungen für höhere Schulklassen bereit. Hier überwiegen wissenschaftliche Programme wie Chemtool, das komplexe chemische Verbindungen grafisch darstellt. Andere Tools fungieren eher als Beiwerk und ergänzen die Recherche, etwa der digitale Atlas Marble (Abbildung 7) oder Kstars, das zum Erforschen des Sternenhimmels einlädt. Gerade für angehende Programmierer bietet Linux zudem eine riesige Auswahl an Anwendungen.
Trotz Kritikpunkten ergänzt Edubuntus Software die Schulbücher der Schüler also sinnvoll. Viele Programme laden zudem zum Experimentieren ein.
Ohne Server geht nix
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Edubuntu und Debian Edu ist die dahinterstehende Server-Infrastruktur. Beide setzen zwar im Wesentlichen auf Thin Clients, doch zielt Edubuntu auf eine einfache Installation innerhalb einer begrenzten Infrastruktur ab. Dafür nutzt es als Basis das Linux Terminal Server Project (LTSP, [14]), das die grafische Oberfläche direkt an den Thin Client durchschleift (Abbildung 8).
Die Ausstattung des Servers begrenzt die Anzahl der angeschlossenen Clients, ein aktueller Rechner mit vier CPU-Kernen und 8 GByte Arbeitsspeicher kann etwa 20 Clients versorgen. Der Einsatz eines Servers für ein Klassenzimmer ergibt in diesem Kontext Sinn. Die Option, Edubuntu als LTSP-Server einzurichten, steht bei der Installation bereit und funktioniert danach ohne Zutun.
Entscheidender Nachteil bei Edubuntu: Die Benutzer arbeiten direkt auf dem Server. Während der Tests zu diesem Artikel erschien zum Beispiel eine Updatemeldung, die der Server brav an die Thin Clients weiterreicht. Bekommt ein Schüler also das Admin-Passwort mit, hat er von seinem Rechner gleich direkten Zugriff auf alle Daten seiner Mitschüler.
Linux-Kenntnisse gefragt
Will der Systemadministrator eigene Benutzerkonten einrichten, muss er selbst gebaute Lösungen verwenden. Die Standardinstallation bietet nur die Benutzerverwaltung von Ubuntu beziehungsweise von Gnome an. Als zentrale Fernwartungs- und Client-Monitoring-Software steht Epoptes [15] bereit. Das verlangt vom Admin jedoch Konfigurationsdateien zu bearbeiten, zudem muss er den Epoptes-Server über die Kommandozeile starten. Er braucht also mindestens Linux-Grundkenntnisse.
Auch Diskless Workstations lassen sich mit dem Edubuntu-LTSP-Server verbinden. Hier übernimmt die Workstation fast die komplette Rolle eines Rechners, lediglich die persönlichen Daten eines Nutzers auf dem Server bindet die Diskless Workstation als Network Block Device (NDB) ein. Das entlastet den Server und reduziert den Netzwerkverkehr zwischen Workstation und Server, da die Workstation auch direkt am Internet hängt. Allerdings ist dafür ein eigener DHCP-Server im Netzwerk erforderlich. Nicht zuletzt muss die Workstation auch die Systemanforderungen für eine Edubuntu-Installation erfüllen.
Immer erweiterbar
Mit Hilfe von LDAP und NAT schließt der Admin mehrere Edubuntu-LTSP-Server zu einem Cluster zusammen. Hierfür hält die Webseite des Projekts ebenfalls ein Howto [16] bereit, dessen Bewältigung aber tiefgreifende Linux-Kenntnisse erfordert. Insgesamt ist die Dokumentation recht dürftig und beschränkt sich auf die genannten Szenarien. Wie auf jedem Linux-System rüstet der Admin aber auch manuell Software aus Ubuntus Repositories nach und erweitert sie nach Gusto.
Debian Edu
Debian Edu [4] verspricht hingegen eine weitgehend gebrauchsfertige Komplettlösung (Abbildung 9). Es unterstützt den Einsatz weiterer Terminalserver, die wiederum eigene Thin Clients bedienen, und verwaltet zudem herkömmliche Arbeitsplatzrechner und Laptops mit Linux über den zentralen Server, der sich sowohl um LDAP als auch DNS und DHCP kümmert. Nebenbei stellt der Server ein internes E-Mail-System bereit, dass der Admin für den Außeneinsatz konfiguriert.
Zentrale Schaltstelle
Das Netzwerk verwaltet auch Windows- und Mac-Rechner. Der Zugriff auf die Homeverzeichnisse der Nutzer geschieht wahlweise über NFS oder Samba. Für die Benutzerverwaltung per LDAP steht die grafische Oberfläche Gosa (Gonicus System Administration, [17]) in den Startlöchern, ursprünglich entwickelt für das Limux-Projekt der Stadt München [18]. Gosa stellt eine umfangreiche Sammlung an Werkzeugen bereit, die Benutzer, Gruppen, Hosts und Services verwalten, aber auch Workstations. Letztere lassen sich vom Zentralserver aus über das Netzwerk installieren und bei Bedarf zurücksetzen. Das ausführliche Handbuch erklärt die Installation und gibt wertvolle Tipps zur weiteren Konfiguration sowie zum Einrichten der angeschlossen Clients.
Open Suse Edu Life
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch Open Suse mit Edu Life (Linux for Education, [5]) ein eigenes Linux für den Bildungssektor anbietet (Abbildung 10). Wie Edubuntu landet der Open-Suse-Abkömmling als Live-DVD mit zahlreichen Anwendungen für Schüler aller Altersklassen auf dem Schulhof.
Gleich Edubuntu bietet die Distribution einen Terminal-Server an, der auf LTSP basiert. Statt der Fernsteuerungssoftware Epoptes, die unter Edubuntu ihren Dienst antritt, setzen die Macher von Open Suse Edu Life auf Italc [19]. Das läuft zwar auch unter Windows, doch entwickeln es die Urheber offenbar seit Längerem nicht mehr aktiv weiter. Daneben hat der Server noch Moodle [20] sowie die Alternative Atutor [21] an Bord.
Open Suse Edu Life setzt ansonsten einen Fokus auf die Programmierung und legt standardmäßig zahlreiche Entwicklungsumgebungen bei, die den Schülern unter anderem den Umgang mit Java, C, C++ sowie Pascal und Mono vermitteln.
Zentral verwaltet
Nicht wenige Schulen setzen Linux für ihre IT-Infrastruktur ein. Glaubt man dem Bremer Unternehmen Univention [22], spielt beim Umstieg auf Linux die Kostenersparnis eine zentrale Rolle. Solche Linux-Netzwerke müssen dabei nicht nur bestehende Windows-Rechner einbinden, in Berlin will der Senat beispielsweise möglichst viele Schulen von einem kommunalen Rechenzentrum aus verwalten.
Zu den drei wichtigsten Diensten zählen ein Verzeichnisdienst, ein zentraler E-Mail-Server für Lehrkräfte und schließlich ein Datenserver samt Synchronisationsmöglichkeiten. Zugleich werde die IT-Infrastruktur immer häufiger in Rechenzentren ausgelagert. Laut Univention spielen inzwischen Clouddienste in Kombination mit ihren eigenen IT-Infrastrukturen eine große Rolle. Schulen ziehen dabei auch externe Lösungen wie zum Beispiel Dropbox, Owncloud, Microsofts Office 365 oder Googles Apps for Business in Betracht.
Windows bevorzugt
Ein Hindernis beim Einsatz von Linux sind vornehmlich für Windows erstellte Lernprogramme, auf die Lehrer nicht verzichtet können oder wollen. Hier schafft unter Umständen die Windows-kompatible Laufzeitumgebung Wine [23] Abhilfe, oder der Administrator bindet Windows-Rechner über das Samba-Protokoll [24] in eine bestehende Linux-basierte Infrastruktur ein.
Trotzdem bevorzugen weiterhin viele Schulen Windows, selbst wenn die eingesetzte Version hoffnungslos und gefährlich veraltet ist. An einigen Schulen in Berlin kommt weiterhin Windows XP auf Rechnern zum Einsatz, mit denen Schüler etwa ihre Recherchen im Internet erledigen.
Bremen hat sich nach einer praktischen Erprobung gegen den Einsatz von Linux-Clients an Schulen entschieden. Aufgrund fehlender Kompatibilität zu vielen kommerziellen Softwaretiteln und mangelnden Interesses wurde dort entschieden, lieber Clients mit Windows 8.1 einzusetzen. Die Infrastruktur läuft hingegen auf einer Linux-Basis.
UCS
Univention bietet mit seiner Serverlösung UCS@School (Abbildung 11, [6]) eine speziell für den schulischen Einsatz zusammengestellte Plattform an, die den Fokus auf eine einfache Konfiguration setzt. Die Software lässt sich in wenigen Minuten installieren und einrichten. Wenn gewünscht, arbeitet UCS@School als Active Domain Controller und stellt in dieser Rolle Roaming-Profile für Windows-Rechner bereit. Auch andere Client-Betriebssysteme, wie eben Linux oder OS X, bindet es dabei mühelos ein.
Univention bietet für Clients eine Debian-basierte Linux-Distribution namens Univention Corporate Client [25] an, die der Administrator über das Netzwerk verteilt. Sie bringt die wichtigsten Anwendungen gleich mit, darunter etwa die freie Bürosoftware Libre Office. Die Palette an Software erweitert der Admin nach Bedarf. Daneben bietet UCS@School weitere schnell zu installierende Apps an, die etwa die Cloudsoftware Owncloud anbinden.
Den Server selbst erweitert der Administrator zudem wahlweise um Monitoringsoftware, eine E-Mail-Infrastruktur und weitere Netzwerkdienste. UCS@School benötigt dazu den Univention Corporate Server als Basis. Neben der kostenlosen, nahezu uneingeschränkten Core Edition – aber mit eingeschränktem Support – gibt es Varianten, die jährlich mit Kosten zwischen 290 und 1690 Euro zu Buche schlagen. Für die Erweiterung UCS@School fällt zusätzlich ein Euro pro Benutzer und Jahr an.
Linuxmuster
Das Projekt Linuxmuster [7] verspricht ebenfalls eine auf Schulen zugeschnittene Serverlösung, die auf einem Ubuntu-Server fußt und sich über ein eigens bereitgestelltes Repository nachrüsten lässt. An Bord kommt so nicht nur zusätzliche Software, sondern auch eine Skriptsammlung, die dem Admin beim Einrichten zur Hand geht (Abbildung 12). Linuxmuster richtet sich an Administratoren mit Linux-Erfahrung, die ihre IT-Infrastruktur selbst aufsetzen möchten. Das Projekt ging aus Paed-ML-Linux [26] hervor, einer vorkonfigurierten Netzwerklösung vom Landesinstitut für Schulentwicklung in Baden-Württemberg. Seit 2013 entwickelt es Univention weiter, die Software basiert mittlerweile auf dem Univention Corporate Server.
Linuxmuster dokumentiert ausführlich, wie ein Admin eine ausgereifte IT-Infrastruktur aufsetzt. Das erfordert trotzdem tiefgreifende Linux-Kenntnisse. Wer die Installation scheut, verschafft sich dank der gut strukturierten Dokumentation zumindest einen guten Überblick über die Möglichkeiten, die ein Linux-Server im schulischen Umfeld bietet.
Der Leser erfährt hier, wie er einen zentralen Verzeichnisdienst, ein E-Mail-System oder eine Active-Directory-Umgebung einrichtet, und auch, wie er virtuelle Server aufsetzt. Darüber hinaus liefert die Dokumentation sinnvolle Hinweise zum Absichern der IT-Infrastruktur. Schließlich stellt die Dokumentation etliche Werkzeuge vor, mit denen er Clients wartet und überwacht.
Jenseits der Kosten
Linux in Schulen zu etablieren erscheint in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Als ausschlaggebend wird oft der Kostenfaktor genannt. Hier sollten Schulen berücksichtigen, das der meist über die geringen Anschaffungskosten der Software hinausgeht. Wartung und Pflege brauchen Expertenwissen, das manchen IT-Beauftragten schlicht fehlt. Häufig handelt es sich auch um gewöhnliche Lehrkräfte, denen ein paar Unterrichtstunden erlassen werden. Ihnen helfen Communities und Foren im Internet. Auch lernwillige Schüler können das Linux-Wissen an Schulen steigern. Ganz ohne Systemadministrator kommen Bildungseinrichtungen, die Linux einsetzen wollen, aber nicht aus.
Aber es gibt durchaus gewichtige Gründe, OSS an Schulen zu verwenden. Freie Software bietet Schülern mehr als nur einen Einstieg in die IT-Welt. Dank der erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten erwerben sie Kenntnisse, die von IT-Sicherheit bis hin zu Programmiergrundlagen reichen, und können sich tiefgehend mit dem Betriebssystem auseinandersetzen. Die Programmvielfalt von OSS ist nahezu unermesslich. Ob es sich um Büroanwendungen, Grafik- und Präsentationsprogramme, Multimediasoftware oder schlicht den Browser für Recherchen im Internet handelt, freie Software kann nahezu alle für Schüler und Lehrer relevanten proprietären Anwendungen ersetzen.
Probleme machen höchstens einige der Peripheriegeräte, die an Schulen zu finden sind. Cups unterstützt zwar die meisten Drucker, doch Scanner lassen sich mitunter schwerer einbinden. Und muss sich der Lehrer erst durch die Systemsteuerung wühlen, weil die Benutzeroberfläche über den Beamer nicht auf Anhieb korrekt erscheint, erzeugt das nicht nur Frust, sondern kostet auch wertvolle Unterrichtszeit. Doch selbst für die neuen multimedialen Tafeln, die so genannten Smartboards, gibt es inzwischen Linux-Treiber.
Fällt der Kostenfaktor für die Software-Anschaffung weitgehend weg, bleibt mehr Geld für den Erwerb zusätzlicher Hardware. Zugleich läuft das freie Betriebssystem auf kostengünstigen und selbst noch auf betagten Rechnern, die an vielen Schulen leider noch immer Realität sind. Für Schüler bietet der Einsatz von OSS zudem den Vorteil, dass die Anschaffungskosten für einen Rechner (Stichwort: Raspberry Pi) samt der benötigten Software durchaus gering sind und sie zu Hause, zumindest in der Theorie, nahtlos weiterarbeiten.
Fazit
Beim Einsatz in Schulen sollten Linux und OSS eigentlich ihre Stärken zeigen. Für fast jedes Szenario gibt es eine passende Lösung, die genau dafür gestrickt ist. Die angebotene Lernsoftware dürfte Schulkinder über mehrere Wochen hinweg beschäftigen, ohne sie mit Wiederholungen zu langweilen. Auch ältere Schüler schöpfen aus einem ausgedehnten Anwendungsfundus, der neben Programmiersoftware auch hervorragende wissenschaftliche Programme bereitstellt. Nebenbei wartet auch auf Studierende sinnvolle Software.
Ein zentrales Problem aber verdeutlicht Sugar: Wegen des Fokus auf ungewohnte Symbole erweist sich die Benutzeroberfläche zunächst als wenig intuitiv. Besonders Lehrkräfte müssen sich länger mit der Desktopumgebung befassen, bevor sie in der Lage sind, ihren Schülern genügend Hilfestellung zu geben, vor allem wenn es um komplexere Anwendungen wie das Zeichenprogramm geht. Zwar gibt es eine ausführliche Hilfe – aber nicht auf Deutsch. Auch bei Uberstudent hapert es mit der Lokalisierung erheblich. Sugar und Uberstudent sind zwar eher Nischenprodukte, zeigen aber exemplarisch, welche Probleme beim Einsatz freier Software auftreten und wo noch Luft nach oben ist.
Eine langsame Migration erhöht die Akzeptanz
Der Umstieg auf Linux in Schulen folgt nicht immer nur finanziellen Überlegungen. Am Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel in Rheinland Pfalz spielte der Wille zur Abkehr von proprietären Lösungen und somit eine ideologische Komponente eine entscheidende Rolle, betont der IT-Lehrer Marco Schneider gegenüber dem Linux-Magazin. Die zuvor verwendete Lösung von Microsoft samt zugehörigen Tools sei zu unflexibel, der externe Support zu teuer. Bildung und somit auch die dafür verwendete Software müssten grundsätzlich frei sein.
Die Migration zu Linux sei in Kusel jedoch ein längerfristiges Projekt. Eine plötzliche Umstellung wäre besonders bei den Lehrkräften kaum durchsetzbar gewesen. Es gelte, auch die Menschen mitzunehmen, ihnen bereits funktionierende Linux-Einrichtungen zu zeigen. Dabei helfe, dass viele Anwender bereits mit OSS-Produkten wie dem Browser Firefox oder Libre Office vertraut seien. Probleme mit der Hardware habe er beim Umstellen nicht erlebt, erklärt Schneider.
Er und seine Kollegen arbeiten bereits lange mit Linux und hätten die IT-Infrastruktur problemlos selbst aufbauen können. Die Entscheidung für UCS@School sei vor allem aus Zeitgründen gefallen. Zudem biete die Firma selbst Support für ihr Produkt an. Schneider stellt nun nach und nach auch alle Client-Rechner auf Linux um. Das kommt ebenfalls von Univention und bringt eine KDE-Oberfläche mit. Er selbst nutze zwar Ubuntu mit Unity, er sehe aber entscheidende Vorteile beim Einsatz von KDE. Die Anwendungsübersicht im Startmenü helfe nicht nur beim Umstieg, sondern lade auch dazu ein, Programme auszuprobieren und mit dem Betriebssystem zu experimentieren.
Kompetenzen im Umgang mit Computern erwerbe man ohnehin unabhängig vom Betriebssystem, glaubt Schneider. Kinder und Jugendliche hätte in der Regel weniger Probleme mit ungewohnten Benutzeroberflächen, auch mit denen auf Smartphones und Tablets kämen sie häufig schneller zurecht.
Lernen, nicht konfigurieren
Mangelnde Hilfestellung oder gar Fehler sorgen nicht nur bei Schülern, sondern auch bei den Lehrkräften für Frust. Den sollten allerdings nicht nur Sugar, sondern alle Lösungen für Schüler vermeiden. An Schulen haben die Unterrichtsinhalte oberste Priorität. Lehrer sollten so wenig Zeit wie möglich damit verbringen müssen, den Schülern Funktionen zu erklären oder gar Unzulänglichkeiten zu beheben. Kommen ungewohnte Benutzeroberflächen zum Einsatz, haben aber die Schüler meist weniger Probleme damit als die Lehrkräfte.
Einen guten Einstieg bietet Edubuntu, das sich zwar nur in begrenztem Umfang, dafür aber ohne übermäßigen Aufwand als Live-System einsetzen lässt. So verschafft es den interessierten Lehrkräften, aber auch den Schülern, einen ersten Eindruck von Linux. Debian Edu bietet sich für einen guten Start ebenfalls an und lässt sich bei Bedarf zu einem ausgereiften Schulserver erweitern.
Wer eine fertige und leicht zu wartende IT-Infrastruktur bevorzugt, kann getrost UCS@School verwenden, das laut Hersteller bereits in mehreren Hundert Schulen zum Einsatz kommt. Univention pflegt nicht nur die Software, sondern bietet auch umfangreichen Support und hat eine Community um die Serverlösung aufgebaut. Dort gibt es nicht nur Tipps von Kollegen, sondern auch die Möglichkeit, eigene Wünsche zu äußern.
Linuxmuster richtet sich zwar an Experten, zeigt aber dank der hervorragenden Dokumentation zugleich die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Linux an Schulen – auch für angehende Systemadministratoren.
Infos
- Sugar: http://wiki.sugarlabs.org/go/Getting_Started
- Uberstudent: http://www.uberstudent.org
- Edubuntu: https://www.edubuntu.org
- Debian Edu: https://wiki.debian.org/DebianEdu/
- Open Suse Edu Life: https://en.opensuse.org/Education/Live
- Testversion des Schulservers UCS@School: https://www.univention.de/produkte/ucsschool/
- Linuxmuster mit hervorragender Dokumentation: http://www.linuxmuster.net
- OLPC-Projekt: http://one.laptop.org
- Sugar on a Stick: https://wiki.sugarlabs.org/go/Sugar_on_a_Stick
- OLPC Deutschland: http://www.olpc-deutschland.de
- Squid: http://www.squid-cache.org
- Wwwoffle: http://www.gedanken.org.uk/software/wwwoffle/
- Gcompris: http://gcompris.net
- LTSP: http://www.ltsp.org
- Epoptes: http://www.epoptes.org
- LTSP-Cluster: https://help.ubuntu.com/community/UbuntuLTSP/LTSP-Cluster_NAT_OpenLDAP
- Gosa: https://oss.gonicus.de
- Limux: https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Direktorium/LiMux.html
- Italc: http://italc.sourceforge.net
- Moodle: http://moodle.de
- Atutor: http://www.atutor.ca
- Univention: https://www.univention.de
- Wine: https://www.winehq.org
- Samba: https://www.samba.org
- Univention Corporate Client: https://www.univention.de/produkte/ucc/
- Paed-ML: https://www.lmz-bw.de/technische-unterstuetzung/netzwerkloesung/paedmlr-linux.html


















