Aus Linux-Magazin 06/2015

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Pomodo Pi

Abbildung 1: Legale Pflanzen mit Raspberry (rechts) und eine an Nagios erinnernde Verkehrsampel (links).

Überirdisch mit einer Ampel und einem löchrigen Schlauch unterirdisch, flankiert von der fast unvermeidlichen Himbeer-Platine mit Webcam und unter publizistischer Aufsicht zweier Gärtnerinnen startet Charly ins Tomaten- und Dill-Jahr. Hier wird klar: Der Mann hat mehr als nur eine Hacke.

Getreu dem Motto “Erde, wem Erde gebührt” habe ich die letzten 15 Jahre über meinen Garten ignoriert. Doch dieses Jahr habe ich mir in den Kohlrabi gesetzt, Tomaten und Kräuter selbst zu ziehen. Auf Twitter dachte ich laut über eine mögliche Technikunterstützung meines grünen Daumens nach. Das merkten die “Gärtnerinnen”: Vanessa Giese, Pia Reichert und ihr Blog [1]. Kurz darauf war ich Gastautor der Rubrik “Gartennerds”.

Der erste Schritt ist die Planung der automatischen Bewässerung. Als Sysadmin ist es mein tägliches Brot, Routineaufgaben mit einem Stück Technik zu automatisieren. Ich suchte und fand den Lötkolben, verheiratete einen kapazitiven Feuchtigkeitssensor mit einem A/D-Wandler und diesen mit einem Raspberry Pi. Der liefert mir jetzt minütlich Daten über die Bodenfeuchtigkeit im Pflanzgefäß [2].

Mein Raspberry-auf-Gardena-Adapter bildet den zweiten Bauabschnitt: Vom Wasserhahn im Garten führe ich einen kurzen Schlauch zu einem Magnetventil. Wenn der Raspberry Pi an dessen Klemmen 12 Volt anlegt, lässt es Wasser durch. Das fließt in einen perforierten Schlauch, den ich in Windungen in mein Hochbeet eingebuddelt habe. Darin werden die Tomaten Wurzeln schlagen, sobald die Frostgefahr vorbei ist. Im Moment genießen die Pflanzen am Wohnzimmerfenster Asyl (Abbildung 1).

Abbildung 1: Legale Pflanzen mit Raspberry (rechts) und eine an Nagios erinnernde Verkehrsampel (links).

Abbildung 1: Legale Pflanzen mit Raspberry (rechts) und eine an Nagios erinnernde Verkehrsampel (links).

Die Blumenampel

Da ich zurzeit noch von Hand gieße, brauche ich etwas, das mich daran erinnert – eine etwa 40 Zentimeter hohe Verkehrsampel für den USB-Port [3]. Die Ansteuersoftware namens Clewarecontrol gibt es unter [4]. Ich habe sie so programmiert, dass die Ampel bei einer Bodenfeuchtigkeit von mehr als 65 Prozent auf Grün steht, zwischen 55 und 65 Prozent auf Gelb und darunter auf Rot – bis jetzt leben die Pflanzen.

Als vorläufig letzte Projektphase richte ich eine Webcam auf die Gewächse. Ich nehme die von der Raspberry Pi Foundation ohne Infrarotfilter, der eine blaue Filterfolie beiliegt. In diesem Spektrumsbereich lässt sich anhand der Helligkeitsverteilung auf die Photosynthese-Tätigkeit schließen. Das hab ich mir bei der Nasa abgeschaut [5].

Die Details zum Bastelprojekt habe ich in einer noch laufenden Artikelserie [6] im Gärtnerinnenblog dokumentiert. Falls mir die Gießampel mal einen Abend freigibt, würde ich mich über Posts von weiteren Gartennerds freuen.

Infos

  1. Gärtnerinnenblog: http://gaertnerinnenblog.de
  2. Bodenfeuchte-Verlauf von Charlys Pflanzenzucht: http://kuehnast.com/pomodopi
  3. USB-Ampel von Cleware: http://www.cleware-shop.de
  4. Clewarecontrol: http://vanheusden.com/clewarecontrol
  5. The Landsat Program: http://landsat.gsfc.nasa.gov
  6. Charly-Artikel: http://charly.in/pomodopi

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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