In Ubuntu 15.04 alias Vivid Vervet ersetzt Systemd nach Debian-Vorbild als Initsystem das bisher genutzte Upstart. Weitere Neuerungen muss man mit der Lupe suchen.
Mark Shuttleworth ist bei den Codenamen für neue Ubuntu-Distributionen inzwischen beim Buchstaben V angekommen und hat die 15.04 Vivid Vervet getauft, was als lebhafte grüne Meerkatze übersetzt werden kann. Bei Ubuntu-Versionen ohne Anspruch auf Long Term Support zeigen sich die Entwickler üblicherweise experimentierfreudiger, wenn denn dafür Zeit bleibt. Schon in Shuttleworths Beitrag zur 15.04 ist allerdings mehr von Ubuntu Touch und Smartphones zu lesen als über Ziele und Features von Vivid Vervet [1].
Stau in der Pipeline
Dem anderweitigen Einsatz von Entwicklerpower dürfte es also geschuldet sein, dass die 15.04 – von Systemd abgesehen – wenig bahnbrechend Neues bringt. Unity 7 und Compiz sind geblieben, weil Unity 8 und der neue Displayserver Mir [2] keine Serienreife erlangt haben.
Unity 7.3 und Compiz 0.9.12 bieten nur kleinere Änderungen, zum Beispiel in der Menüstruktur (Unity) und bei der Zusammenarbeit mit Grafiktreibern (Compiz). Die GNU Compiler Collection 5 wiederum kam für 15.04 zu spät. GCC 4.9 ist deshalb an Bord.
Systemd
Systemd hat erst einige Wochen vor der Veröffentlichung von Ubuntu 15.04 einen Platz gefunden und musste bis über Redaktionsschluss hinaus seine Stabilität im Betatest beweisen. Da Debian bereits mit Systemd arbeitet, war dieser Wechsel absehbar. Die mit Systemd verbundenen nominellen Vorteile gegenüber Upstart heißen flotterer Systemstart und gezügelter Appetit nach Arbeitsspeicher. Für schnellere Start- und Beenden-Sequenzen sorgt auch das Finetuning an den dafür vorgesehenen Animationen.
Wer als Anwender weiterhin auf Upstart als Initsystem setzen will, kann beim Systemstart in der erweiterten Bootauswahl von Grub entsprechend wählen (Abbildung 1). Hinter den »Advanced options for Ubuntu« findet sich der Eintrag »Ubuntu, with Linux (upstart)« . Wer sich permanent dem Systemd-Init verweigern will, muss das »upstart-sysvg« Paket installieren. Die Community hat sich außerdem vorsorglich an die Erstellung eines umfangreichen Wiki-Artikels [3] gemacht, der Systemd für Upstart-Nutzer erklärt.
Kern und Komponenten
Kernel 3.19 in der von Ubuntu noch leicht zurechtgeschliffenen Version ist in Ubuntu 15.04 aktuell und verleiht dem Linux die damit einhergehenden Segnungen, etwa in Form von verbesserter Performance und Grafikleistung. Firefox 36.0.1 und Libre Office 4.4 ergänzen die Aktualisierungen unter anderem auf der Software-Seite.
Fazit
Vivid Vervet holt Systemd ins Boot – und da größere Umstellungen auch größeren Diskussionsbedarf unter den eingefleischten Nutzern bedingen, kann man den Bedarf für die Neue damit auch als erfüllt ansehen. Die beim Test reibungslos verlaufene Installation bringt zudem aktuelle Komponenten mit.
Infos
- Shuttleworths Ankündigung: http://www.markshuttleworth.com/archives/1425
- Mir-Spezifikationen:https://wiki.ubuntu.com/Mir/Spec
- Ubuntu-Wiki: https://wiki.ubuntu.com/SystemdForUpstartUsers





