Was der Fortgeschrittene für LPIC-2 wissen muss, fasst ein Buch verständlich zusammen. Ein zweites vermittelt nichts weniger als die Faszination der Mathematik.
Beim Büffeln für die LPIC-2-Prüfung will das Buch von Anke Börnig helfen. Es stellt systematisch alle Topics für die Prüfungen 201 und 202 vor: Der Stoff für die 201er-Prüfung beginnt beim Thema Kapazitätsplanung und reicht über Fragen zum Kernel, zum Systemstart, zu Dateisystemen und Storage Devices bis zur Netzwerkkonfiguration und dem Kompilieren von Quellcode. In der 202er-Prüfung ist dann Wissen zum DNS, zu Webservices, E-Mail, Sicherheit und Fileservern gefragt.
Am Ende jedes Kapitels sollen einige Übungen ein Gefühl dafür vermitteln, ob man das Dargebotene auch verstanden hat und anwenden kann.
Für Pauker
Trotz der Stofffülle eignet sich das Buch nur bedingt als Nachschlagewerk im Administratoren-Alltag. Das liegt vor allem an seiner konsequenten Ausrichtung auf die Prüfung: So erwähnt es beispielsweise, dass das klassische System-V-Init im Aussterben begriffen ist und von Systemd verdrängt wird – erläutert wird es dennoch lang und breit. Das ist so, weil auch die Prüfung mit der Praxis nicht Schritt hält.
Zweitens gehen die Erklärungen des LPIC-Buches oft von Kommandos aus, zu denen sich leicht Multiple-Choice-Fragen über die Funktionen und Optionen stellen lassen. Für die Prüfungsvorbereitung mag das günstig sein, in der Praxis ist aber nicht das Memorieren einer Kommandozeilenoption das Problem – die kann man einfach in den Manpages nachschlagen –, sondern das Erkennen der Ursache einer Störung aus den Symptomen. Ein Buch, das dabei optimal helfen wollte, müsste ebenfalls von Symptomen ausgehen, mehr Beispiele liefern und Zusammenhänge stärker gewichten als einzelne Fakten.
Drittens verfolgt das Buch seine Themen nur dort in die Tiefe, wo das prüfungsrelevant ist. So interessant etwa im Kapitel Dateisysteme die neuen Fähigkeiten von Btr-FS wären – Snapshots, Subvolumes, LVM-Ersatz –, die Prüfer wollen das (noch) nicht wissen, also kommen diese Dinge auch kaum vor.
Fazit: Wer sich auf die LPIC-2-Prüfung vorbereiten und dabei nicht mit mehr Stoff belasten will, als die Prüfer abfragen, der ist mit dem Buch gut bedient. Es erklärt das Nötige gut verständlich, systematisch und umfassend.
Für Programmierer
Das englischsprachige Buch “From Mathematics to Generic Programming” von Alexander A. Stepanov und Daniel E. Rose erzählt auf knapp 300 Seiten die Geschichte der abstrakten Algebra und deren Anwendung auf die generische Programmierung. Prädestiniert dafür scheint der Koautor Alexander Stepanov, der Designer der Standard Template Library (STL) in C++ ist.
Das Buch verfolgt die zentrale Idee, ausgehend von einfachen Algorithmen wie dem größten gemeinsamen Teiler durch fortwährende Abstraktion die Geschichte der Zahlentheorie zu entwickeln. Ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, das Stepanov und Rose gelingt.
Dabei spannen sie den Bogen von der Mathematik des alten Ägyptens über die Griechenlands, Frankreichs bis hin zu der des modernen Deutschlands. In gut verdaulichen Kapiteln von zirka 20 Seiten erzählen sie die Theorie der Primzahlen und irrationalen Zahlen, beschäftigen sich mit algebraischen Datenstrukturen wie Monoiden, Halbgruppen und Gruppen und gehen auf komplexe Zahlen, Ringe und Körper ein. Die Autoren legen darüber hinaus auch Beweise vor.
Das ist aber noch nicht alles: Ihr Bogen umfasst auch noch grundlegendere Konzepte wie Axiome, Theoreme und Modelle. Im letzten und besonderen Kapitel wenden sie die vorgestellte Zahlentheorie in der asymmetrischen Kryptographie an, die die Grundlage der Protokolle SSH, IPsec oder auch Https ist.
Die Autoren stellen die Geschichte der abstrakten Algebra als die Evolution von einfachen Algorithmen zu generischen Lösungen vor und verknüpfen sie mit zahlreichen Lebensläufen von herausragenden Mathematikern.
Das Buch ist nicht nur ein Muss für alle, die die Konzepte hinter der generischen Programmierung besser verstehen wollen, es ist vor allem ein idealer Einstieg in die Faszination der Mathematik.
Info

Alexander A. Stepanov und Daniel E. Rose:
From Mathematics to Generic Programming
Edison Wesley, 2014
320 Seiten in Englisch
28 Euro
ISBN: 978-0321942043






