Open Stack ist der Darling der Cloudszene, seit vier Jahren ist der Enthusiasmus ungebrochen. Dabei ist der Begriff Open Stack weit gefächert, vom Enterprise-Produkt bis zum Eigenbau-Stapel oder einzelnen Komponenten sowie in Private, Public oder Hosted Clouds.
Die Anfänge von Open Stack [1] können inzwischen fast die Spatzen von den Dächern pfeifen. Der Hoster Rackspace [2] und die US-amerikanische Raumfahrt-Organisation NASA [3] hatten die Idee, eine quelloffene IaaS-Plattform [4] zu entwickeln.
Von Austin nach Folsom
Ursprünglich zwei getrennte Initiativen, erfuhren einige der involvierten Leute vom jeweils anderen Projekt und alle taten sich zusammen. Im Oktober 2010 erblickt mit Austin ([5], die Heimatstadt von Rackspace) die ersten Version von Open Stack das Licht der Welt.
Seitdem erscheinen zwei Open-Stack-Ausgaben jährlich, immer auf einem der Open-Stack-Summits wird der Name der nächsten Variante beschlossen, der auch stets etwas mit dem Tagungsort des entsprechenden Summits zu tun haben muss – so bezieht sich “Kilo” auf das in Paris vorgehaltene Einheits-Kilo.
In den letzten vier Jahren ist viel passiert, das Projekt ist enorm gewachsen. Die Mitglieder und Unterstützer kommen aus unterschiedlichsten Bereichen: natürlich die bekannten Linux-Distributoren, aber auch Firmen der Telekommunikation oder Dienstleistungen jeder Art ([6] bis [10]). Die aktuelle Open-Stack-Release hört auf den Namen Juno, in wenigen Wochen ist Kilo zu erwarten (Tabelle 1). Die Anzahl der Komponenten ist von anfänglich zwei auf aktuell elf angewachsen, und die nächsten stehen schon in der Warteschlange.
Tabelle 1
Open-Stack-Releases und Erscheinungsdatum
|
Version |
Codename |
Veröffentlichungszeitpunkt |
|---|---|---|
|
2010.1 |
Austin |
Oktober 2010 |
|
2011.1 |
Bexar |
Februar 2011 |
|
2011.2 |
Cactus |
April 2011 |
|
2011.3 |
Diablo |
September 2011 |
|
2012.1 |
Essex |
April 2012 |
|
2012.2 |
Folsom |
September 2012 |
|
2013.1 |
Grizzly |
April 2013 |
|
2013.2 |
Havana |
Oktober 2013 |
|
2014.1 |
Icehouse |
April 2014 |
|
2014.2 |
Juno |
Oktober 2014 |
|
2015.1 |
Kilo |
April 2015 |
Open Stack ist mittlerweile omnipräsent im Open-Source-Cloudbereich und repräsentiert für verschiedene Leute bisweilen sehr unterschiedliche Dinge. Ganz grob lassen sich folgende Kategorien zuordnen: Projekt, Organisation, Technologie und Produkt beziehungsweise Distribution. Firmen wie Red Hat, Suse oder HP sind dabei mehrfach vertreten – doch dazu später mehr.
Foundation, Mitglieder und Sponsoren
Das Projekt Open Stack ist das Fundament und logischerweise von Anfang an dabei. Das Interesse und Wachstum war schon in den ersten Jahren so groß, dass eine separate Verwaltungsorganisation nötig war. Seit 2012 leitet darum die Open Stack Foundation [11] die Geschicke dieses Open-Source-Projekts. Firmen und Einzelpersonen können Mitglied werden oder als Sponsoren auftreten. Für Ersteres stehen mehrere Kategorien zur Auswahl: Die kleinste Variante ist beitragsfrei, erlaubt aber die Teilnahme an Wahlen, passiv und aktiv.
Gold und Platinum
Von Gold- oder Platinum-Mitgliedern erwartet die Foundation einen jährlichen finanziellen Beitrag. Dabei ist es recht einfach, den Gold-Status zu bekommen. Die Platinum-Plätze sind abgezählt und zurzeit restlos besetzt. Ein Gold-Mitglied entrichtet 0,025 Prozent des Jahresumsatzes, mindestens aber 50 000 und maximal 200 000 US-Dollar. Die genauen Rechte und Pflichten erfahren finanzkräftige Interessenten unter [12].
Auf der Sponsoren-Seite gibt es ebenfalls zwei Kategorien. Diese begründen sich aber eher damit, wie etabliert die Firma schon ist. Startups – die Definition befindet sich auf der Webseite – zahlen weniger als die Hälfte von dem, was “gestandene” IT-Betriebe löhnen. Teilnahme am Projekt und/oder Mitgliedschaft in der Foundation begründen sich – zumindest teilweise – mit dem Enthusiasmus für Open Source im Allgemeinen und Open Stack im Besonderen.
Geld verdienen
Früher oder später stellt sich aber die Frage, ob und wie Entwickler mit dieser Software Geld verdienen können. Momentan gibt es hier zwei Ansätze. Nummer eins: Beratung und Vertrieb rund um Open Stack. Dazu kann die Entwicklung und Wartung eines eigenen Produkts gehören, das auf der Open-Source-IaaS-Implementierung beruht.
Variante zwei praktizieren Cloudanbieter, die im Hintergrund Open Stack benutzen. Manche bieten die Wolken-Dienstleistung über ein öffentliches Netzwerk an (Public Cloud). Andere helfen beim Aufbau der privaten Wolke – hinter den Mauern und Firewalls der Firma. In manchen Fällen übernimmt der Anbieter die Bereitstellung der physischen Infrastruktur, tritt also als Hoster auf.
Open-Stack-Verteiler
Es gibt nahezu 20 so genannte Open-Stack-Distributionen ([13], Tabelle 2). Die meisten davon bestehen ausschließlich aus Software, es finden sich aber auch vorgefertigte Hardware-Software-Kombinationen. Jedes Mal werkelt ein Open Stack im Hintergrund. Es drängt sich daher die Frage auf, warum man sich für ein bestimmtes Produkt entscheiden sollte. Die Antwort hat mehrere Dimensionen: Welche Open-Stack-Release und welche Einzelkomponenten bilden das Rückgrat? Welche Hypervisoren werden unterstützt? Welche Gastbetriebssysteme kann der Anwender benutzen? Welche Schnittstellen stehen bereit?
Tabelle 2
Bekannte Open-Stack-Distributionen
|
Name |
Vertreiber |
Link, Bemerkung |
|---|---|---|
|
HP Helion Open Stack |
Hewlett-Packard |
http://www8.hp.com/us/en/cloud/hphelion-openstack-community.html |
|
IBM Cloud Manager mit Open Stack |
IBM |
http://www.ibm.com/developerworks/servicemanagement/cvm/sce/index.html |
|
Mirantis Open Stack |
Mirantis |
|
|
Nebula One (Cloud Controller) |
Nebula |
http://www.nebula.com, Appliance |
|
Oracle Open Stack |
Oracle |
http://www.oracle.com/goto/openstack, für Linux und Solaris |
|
Rackspace Private Cloud Software |
Rackspace |
|
|
RHEL Open Stack Platform |
Red Hat |
http://www.redhat.com/products/enterprise-linux/openstack-platform/ |
|
Suse Cloud |
Suse |
|
|
Ubuntu Open Stack |
Canonical |
|
|
VMware Integrated Open Stack |
VMware |
An dieser Stelle steckt der Teufel im Detail, meist lohnt (oder hilft nur) ein genauer Blick in die Produktbeschreibung. Bei den Hypervisoren unterstützt Open Stack an sich eine große Bandbreite [14]. Mit dabei sind KVM [15], Xen [16], VMware [17], Hyper-V [18], LXC [19] oder sogar Docker ([20], [21]). Die kommerziellen Distributionen sind hier deutlich wählerischer.
Hochfrequent
Eine Herausforderung der Verteiler ist sicherlich die recht hohe Update-Frequenz von Open Stack. Alle sechs Monate gibt es eine neue Version. Schnelles Adaptieren schafft Wettbewerbsvorteile – ein halbes Jahr später geht das Spiel aber von vorne los.
Eine Auflistung der verschiedenen Optionen und Möglichkeiten der einzelnen Distributionen würde den Rahmen eines Artikels bei Weitem sprengen, außerdem verändert sich das Feld schneller als dokumentierbar, was aber nur eine Konsequenz der Dynamik des Open-Stack-Projekts selbst ist. Einige Distributionen nimmt ein Artikel in diesem Heft genauer ins Visier und liefert Details über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Produkte.
Wem das zu viel ist oder zu schnell geht, kann erste eigene Schritte mit Community-Versionen gehen. Die entsprechenden Linux-Distributionen Open Suse ([22], [23]) oder Fedora ([24], [25]), bringen alle notwendige Software mit und erleichtern den Einstieg. Abbildung 1 zeigt Juno kombiniert mit Fedora.
Bitte einmal Wolken-Service
Bereits ein erster Blick auf die Liste der Public-Cloud-Anbieter [26] offenbart interessante Details. So ist das “gute alte Europa” durchaus fortschrittlich und kann mit mehr als zehn Anbietern aufwarten (Abbildung 2). Der Rest der Welt – jedoch ohne Nordamerika – kommt hier gerade mal auf acht. Dabei ist Rackspace [27] gleich auf mehreren Kontinenten vertreten. In Europa liegt das Schwergewicht klar im westlichen Teil mit ein paar Ausreißern in Skandinavien.
Tabelle 3 nennt die bekanntesten Vertreter. Manche Anbieter spielen gleich in mehreren Ländern mit, was für Kunden interessant sein dürfte, die ebenfalls entsprechend geografisch verteilt sind (Suse bietet ja Geo-HA als Add-on für sein Cloudprodukt an, also eine überregionale Ausfallsicherheit, auch im Katastrophenfall). Derlei lässt sich auch auf den ganzen Globus skalieren. Wer Wolkendienste bei Rackspace einkauft, kann dies neben Europa auch in den USA, China (Hongkong) oder Australien tun.
Tabelle 3
Bekannte öffentliche europäische Clouds mit Open-Stack-Unterbau
|
Betreiber |
Länder |
Link |
|---|---|---|
|
Citycloud |
Großbritannien, Schweden |
|
|
Cloudwatt |
Frankreich |
|
|
Datacentred |
Großbritannien |
|
|
Elastx |
Schweden |
|
|
Internap |
Niederlande |
|
|
Numergy |
Frankreich |
|
|
OVH |
Frankreich |
|
|
Rackspace |
Großbritannien |
|
|
Teuto Stack |
Deutschland |
|
|
Host Europe |
Deutschland |
Wie schon bei den Distributionen stellt sich auch hier die Frage, wo denn die Unterschiede liegen, wenn überall Open Stack dabei ist. Analog zur dort geführten Diskussion sind mehrere Aspekte zu beachten. Aus technischen oder auch rechtlichen Gründen kann der physische Standort den entscheidenden Ausschlag geben. Welche Open-Stack-Komponenten stehen zur Verfügung und welche Schnittstellen? Für diese könnte sogar die Version des entsprechenden API von Interesse sein. Dann spielt natürlich noch der Preis eine Rolle und welche weiteren Dienstleistungen enthalten sind. Den Anbietern Teuto Stack, HP, Rackspace und Host Europe widmet das Linux-Magazin einen separaten Artikel in diesem Heft.
Bitte Abstand halten
Wenn die Public Cloud zu öffentlich ist, ein Betrieb im eigenen Rechenzentrum aber auch keine Option, dann kommt das so genannte Hosting einer privaten Wolke ins Spiel. Es ist fast zu erwarten, dass man hier die Anbieter von Public-Cloud-Diensten wiederfindet [28]. Die geografische Verteilung ist allerdings etwas anders. Asien und Europa sind hier etwa auf Augenhöhe. Wobei im östlichen Raum die Region Hongkong den Löwenanteil einbringt. Auf der europäischen Seite halten sich Großbritannien und die Niederlande die Waage.
Die Großräume London und Amsterdam bilden die unumstrittenen Zentren. IBM [29] beispielsweise ist an beiden Orten vertreten. Daneben ist noch Mirantis [30] zu erwähnen, das auch als Distributor auftritt. Wer eine private Wolke extern unterbringen will, hat in den USA die größte Auswahl. Die Standorte verteilen sich auch ganz gut über das Land. Großer Beliebtheit erfreuen sich dabei die Ost- und Westküste sowie Texas. Ansonsten gelten die gleichen Kriterien bei der Auswahl von öffentlichen Wolken wie bei der privaten Variante, nur sind die Randbedingungen meist strenger. Der Wunsch nach mehr Privatsphäre kommt ja nicht von ungefähr.
Eigenbau oder Kauf?
Der Markt hält die unterschiedlichsten Zugänge zu Open Stack bereit. Wer will, der kann mit den Quellen anfangen und alles selbst kompilieren. Etwas bequemer geht es mit Community-Distributionen von Linux und den dort integrierten Open-Stack-Varianten.
Im Enterprise-Umfeld hat der Anwender die Qual der noch größeren Wahl. Kommerzielle Open-Stack-Distributionen erlauben den Aufbau einer Wolke in der eigenen IT-Landschaft. Ist dort kein Platz, stehen Hoster mit entsprechenden Angeboten bereit.
Nicht zuletzt gibt es Anbieter für die öffentliche Cloud, die hinter den Kulissen ebenfalls auf Open Stack setzen. Selbstverständlich lassen sich die verschiedenen Angebote auch beliebig kombinieren. Viele Open-Stack-Wege stehen bereit, der Anwender muss nur noch zugreifen beziehungsweise losgehen.
Infos
- Open Stack: http://www.openstack.org
- Rackspace: http://www.rackspace.com
- NASA: http://www.nasa.gov
- Wikipedia zu Cloud Computing: http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing
- Releases: http://wiki.openstack.org/wiki/Releases
- Folsom Howto: http://wiki.debian.org/OpenStackHowto/Folsom
- Canonical tritt Open Stack bei: http://blog.canonical.com/2011/02/03/canonical-joins-the-openstack-community/
- Red Hat Enterprise Open Stack Preview: http://www.redhat.com/en/about/press-releases
- Suse Enterprise Private Cloud: http://www.suse.com/company/press/2012/8/suse-releases-first-openstack-based-enterprise-private-cloud-solution.htm
- Open-Stack-Unterstützer: http://www.openstack.org/foundation/companies/
- Open Stack Foundation: http://www.openstack.org/blog/2012/07/join-the-openstack-foundation/
- Join Open Stack: http://www.openstack.org/join
- Open Stack Marketplace: http://www.openstack.org/marketplace/distros/
- Open-Stack-Hypervisoren: http://docs.openstack.org/juno/config-reference/content/section_compute-hypervisors.html
- KVM: http://www.linux-kvm.org
- XEN: http://www.xenproject.org
- VMware: http://www.vmware.com
- Microsoft-Virtualisierung: http://www.microsoft.com/en-us/server-cloud/solutions/virtualization.aspx
- Linux Containers: http://linuxcontainers.org
- Docker: http://www.docker.com
- Open Stack und Docker: http://wiki.openstack.org/wiki/Docker
- Open Suse: http://www.opensuse.org/de/
- Suse Open Stack: http://en.opensuse.org/Portal:OpenStack
- Fedora: http://fedoraproject.org
- Fedora Open Stack: http://fedoraproject.org/wiki/OpenStack
- Open Stack Public Clouds: http://www.openstack.org/marketplace/public-clouds/
- Rackspace-Entwicklerportal: http://developer.rackspace.com
- Open Stack hosted Private Clouds: http://www.openstack.org/marketplace/hosted-private-clouds/
- IBM Cloud: http://open.ibmcloud.com
- Express Mirantis: http://express.mirantis.com








