Leicht verschnupft reagiert Ben Golub, CEO des Docker-Projekts, auf eine Ankündigung der Core-OS-Entwickler, mit Rocket eine eigene Container App zu schaffen, weil Docker sein ursprüngliches Ziel aus den Augen verliere.
Docker habe nicht nur gegen sein ursprüngliches Manifest verstoßen, sondern dieses tatsächlich aus Github entfernt, schreibt Alex Polvi, CEO von Core OS in der Ankündigung von Rocket. Anstatt sich auf wiederverwendbare Container zu stützen, konzentriere sich die Firma nun auf Docker als Plattform. Das aber sei nicht im Sinne von Core OS, deren CTO Brandon Philips sogar im Governance Board von Docker sitze.
Anstelle von wiederverwendbaren Containern baue Docker nun ein monolithisches Binary, das mit Root-Rechten auf dem Server läuft und sich dafür eigne, Cloud-Server und Cluster-Systeme aufzusetzen, Images zu bauen, zu betreiben, hochzuladen, runterzuladen mit einem Overlay-Netzwerk obendrauf.
Core OS will das mit Rocket nun ändern, und das Containerkonzept von Docker nicht nur modularer gestalten, sondern auch mit einem leicht veränderten Fokus. Zwar sollen die Tools zum Betrieb der Container gut integriert sein, aber unabhängig und kombinierbar. Starke Kryptografie soll vom Tag 1 an existieren, Isolation als Erweiterung. Rocket soll Container-Images einfach und dezentralisiert entdecken und herunterladen. Das soll den Einsatz alternativer Verteilungsprotokolle wie Bittorrent erlauben. Nicht zuletzt sollen das Format und die Runtime durch die Community entwickelt werden.
Am Ende des Blogeintrags stellt Core OS Version 0.1.0 von Rocket vor. Das Kommandozeilentool “rkt” sei die erste Implementierung eines App Containers. Letzterer bestehe aus einem Container Image, einer Container Runtime und einer Container Discovery. Das verschlüsselte und signierte Image enthalte alle Zutaten, um eine App zu betreiben, die Runtime sei eine Beschreibung der Umgebung, die ein Container benötigt. Über die Container Discovery lassen sich App Container Images finden und herunterladen. Weitere technische Details liefert der Blogeintrag.
Eine erste Antwort von Ben Golub kam postwendend. Er erklärt, das Standard Container Format, das auf allen Plattformen laufe, sei nur als erster Schritt geplant gewesen. Zugleich verweist er auf das große Ökosystem und die Community rund um Docker. Diese wolle eben Anwendungen, die aus verschiedenen Containern bestehen, auf verschiedenen Hosts laufen lassen. Die Orchestrierung der Container werde offen entwickelt und sei entstanden, um den Docker-Container-Ansatz auf eine Welt von verteilten Anwendungen zu übertragen, die in vielen Containern laufen.
Einige Unternehmen würden mit Dockers Marschrichtung nicht überein stimmen. Sie hätten offenbar Sorge, dass nicht mehr genügend Platz für eigene Produkte bleibe. Gegenüber Core OS gebe es aber offenbar technische und philosophische Differenzen, erklärt Golub im Blogeintrag. Er hoffe, diese in einigen weiteren Posts adressieren zu können. Docker sei Open Source und lasse sich daher an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Es sei aber auch möglich, wie es Core OS vor habe, einen alternativen Standard zu entwickeln.




