Aus Linux-Magazin 01/2015

Einplatinen-Rechner der Raspberry-Klasse im Vergleich

© Fxstation CC-BY-SA 3.0

Single Board Computer heißt die Bootsklasse, die der Raspberry Pi ganz allein erst demokratisiert und dann populär gemacht hat. Gleich segelt das aktuelle Spitzenmodell gegen vier Herausforderer.

Er schaut sexy aus, ist überaus kontaktfreudig, kostet so viel wie eine Flasche guter Wein, ist bis ins Kleinste dokumentiert und rennt sofort los, wenn man ihn mit Linux füttert: der Raspberry Pi.

Dabei war der Single Board Computer (SBC) im Zeichen der Himbeere gar nicht als weltweiter Verkaufsschlager geplant, sondern als harmloses Lernmittel – ein sympathischer Irrtum. Den anhaltenden Erfolg zu bewältigen, fällt den Machern auch heute noch nicht leicht.

Der folgende Artikel stellt fünf Vertreter der Raspberry-Klasse vor. Für Raspberry Pi Modell B+, Banana Pi, Beagle Bone Black Rev C, Arduino Yún und Intel Edison haben die Autoren Spezifikationen gewälzt und Informationen zusammengetragen, die sich in Tabelle 1 wiederfinden. Beginnend mit dem größten (dem Raspberry Pi B+) bis hin zum kleinsten SBC-Board finden sich da die wichtigsten Daten im direkten Vergleich.

Tabelle 1

Fünf Einplatinenrechner im Vergleich

Modell

Raspberry Pi Modell B+

Banana Pi

Beagle Bone Black Rev C

 

Arduino Yún

Intel Edison

Hersteller

Raspberry Pi Foundation

Lemaker

Beagleboard.org Foundation

 

Dog Hunter

Intel Corporation

Internet

http://raspberry.org

http://www.lemaker.org

http://beagleboard.org

 

http://www.doghunter.org

http://www.intel.de/content/www/de/de/doityourself/edison.html

Vertrieb (Beispiel)

http://pollin.de

http://pollin.de

http://voelkner.de

 

http://voelkner.de

http://mouser.com]http://sparkfun.com

Preis (ca.)

40 Euro

50 Euro

70 bis 90 Euro

 

90 Euro mit Mini-Breakout-Board

50 Euro

Abmessungen

87x58x20 mm

92x60x20 mm

87×54 mm

 

73×53 mm

36x25x4 mm (Edison Modul)

CPU und Speicher

SoC/Takt

Broadcom BCM 2835, 700 MHz

Allwinner A20, Dualcore, 1 GHz

Texas Instruments Sitara AM3358, 1 GHz

 

Atheros AR9331, 400 MHz,ATmega 32U4, 16 MHz

Dualthreaded Atom, Dualcore, 500 MHz, Quark-Microcontroller, 100 MHz

CPU-/GPU-Generation

ARM11 / Videocore IV

ARM Cortex-A7/ARM Mali 400 MP2

ARM Cortex-A8/Power VR SGX530

 

MIPS/-

Atom Silvermont/-

Rechenleistung*

24,3 MFlops

57,9 MFlops

29,4 MFlops (Rev B)

 

RAM

512 MByte

1 GByte

512 MByte

 

64 MByte und 2,5 KByte SRAM (MCU)

1 GByte

Nativer GPU-Speicher

– (shared)

– (shared)

– (shared)

 

Flash

   

4 GByte EMMC

 

16 MByte und 32 KByte (MCU)

4 GByte EMMC

Bootloader

Noobs-Multiboot-System, Uboot

Sunxi Uboot

Serial Boot/USB-Boot (EMMC/SD)

 

Uboot

Schnittstellen

Grafik, Video

HDMI, Composite (via vierpoliger 3,5-mm-Klinke), DSI

HDMI, Composite, DSI

Micro-HDMI, LCD via Expansion-Header

 

Audio

HDMI, Analog-Out (3,5-mm-Klinke)

HDMI, Analog-Out (3,5-mm-Klinke), Mikrofon auf dem Board

Micro-HDMI

 

Touchscreen

DSI, GPIO

DSI

per Cape Add-on

 

Kamera

CSI

CSI

GPMC (Cape Add-on)

 

RJ45-LAN

100 MBit/s (intern angebunden via USB)

1 GBit/s

100 MBit/s

 

100 MBit/s

WLAN

 

802.11 b/g/n

802.11 a/b/g/n, Dualband

Bluetooth

v 4.0

Speicher

Micro-SD

SD, SATA

Micro-SD, 4 KByte EEPROM onboard, Flash

 

Micro-SD, 1 KByte EEPROM, Flash

Flash, SD-Karten-Schnittstelle (GPIO-Konfiguration)

USB, Firewire

4x USB-2.0-Host (via 1 x USB zum SoC)

2x USB-2.0-Host, 1x USB OTG

1x Mini-USB-2.0-Client, 1x USB-2.0-Host

 

1x USB-2.0-Host

1x USB-2.0-OTG

RS232

3,3 V UART (oder 2x I/O)

2x UART

4x UART und 1x TX-only

 

2x UART (1x Full-Flowcontrol, 1x RX/TX)

RS422/RS485

 

SPI

SPI0 (2 Chip-Selects), SPI1 (3 Chip-Selects) oder 11x I/O

1x SPI (2 Chip-Selects)

SPI0 (1 Chip-Select), SPI1 (2 Chip-Selects)

 

1x SPI auf ICSP-Header

1x SPI mit 2 Chip-Selects

I2C

1x oder 2x I/O

1x

2x

 

1x

2x

Irda

Empfänger

 

CAN

1x

2x

 

Andere Busse

1 x I2S (oder 4x I/O)

SATA

LCD, GPMC

 

1x I2S

A/D

7 Analogeingänge (1,8 V, max. 12 Bit)

 

12 analoge Eingänge (10 Bit)

D/A

 

I/O

bis zu 26x GPIO (3,3 V)

bis zu 23x GPIO

bis zu 65x GPIO

 

Bis zu 20x GPIO, 5 V

bis zu 40x GPIO

Andere

HAT-ID-Bus, 2x PWM

8x PWM, 2x PRU-32-Bit-Mikrocontroller

 

7x PWM

4x PWM

Mechanische Ausführung

40-Pin-Leiste

26-Pin-Leiste, 10-Pin-Leiste

2x 46-Pin-Leisten

 

10+8+8+6-Pin-Buchsenleisten (Arduino-Standard)

70-Pin-Hirose-DF40-Steckverbinder

LEDs on Board

Pwr-, Act- und 2x LAN-LED

2 und 1 User-LED

1 Pwr-, 2 LAN- und 4 User-LED

 

6 Status- und 1 User-LED

Jtag (Anschlüsse)

ARM-Jtag via GPIO, J5-Videocore-Jtag

optional (P2-Header auf Rückseite)

 

Spannung/Strom/Netzteil

5 V/600 mA/per Micro-USB

5 V/2 A/per Micro-USB

5 V/500 mA/per Mini-USB oder Rundbuchse

 

5 V/350 mA/per Micro-USB, PoE optional

3,3 bis 4,5 V/k.A./k.A.

Mitgelieferte oder kostenlos verfügbare Software

Linux

Raspbian, Open Elec, Arch Linux, Open WRT

Bananian, Raspbian, Debian, Ubuntu, Android, Open WRT

Ångström, Debian, Android, Ubuntu, Arch Linux

 

Open WRT Yún (basiert auf Open WRT)

Yocto Linux

Andere Betriebssysteme

Free BSD, Net BSD, Risc OS

Free BSD

 

Rtos für Quark X1000

Treiber für Grafikserver

X11, Weston, Wayland Alpha

X11

 

IDEs

Adafruit-Web-IDE, Idle (Python) und weitere

 

Arduino IDE (1.5.4 und später)

Arduino IDE, Eclipse, Intel XDK (Node.js/HTML 5), MCU SDK und IDE

Zuwachs in der Raspberry-Familie

Mit dem Erscheinen des Raspberry Modell B+ hat die Himbeergebäckfamilie ein weiteres Baby bekommen. Webseiten wie [1] zeigen die im November 2014 auf dem Markt erhältlichen Varianten des Scheckkarten-PCs. Neben den Revisionen des Modell A, einem Modell A+, dem Modell B und diversen chinesischen Ausgaben der genannten Editionen findet sich dort auch noch das Compute-Modul, das sich in SODIMM-Slots stecken lässt und dem Benutzer bei mittleren Rechenaufgaben hilfreich zur Seite steht.

Im Laufe der Zeit addierten sich zu der kleinen Platine USB-, Netzwerk- und mal mehr, mal weniger GPIO-Pins. Die derzeitige Krönung der kleinen Familie stellt das im Sommer 2014 erschienene Modell B+ dar, das die Himbeere in vielen Details aktualisiert.

Raspberry Pi Modell B+

Nicht weniger als vier USB-Ports machen den Einsatz eines USB-Hubs überflüssig. Weil die Hersteller auch die Spannungsversorgung überarbeitet haben, löst sich so eines der nervenaufreibendsten Probleme der Raspberry-Besitzer hoffentlich von selbst. Bisher musste – wer anspruchsvollere USB-Hardware verwendete – ein extra Netzteil für den USB-Hub mitbringen, was beim mobilen Einsatz eher hinderlich war.

Bastler freuen sich auf den Micro-SD-Slot und den neuen, erweiterten 40-Pin-GPIO-Port. Die CPU-Leistung und der Arbeitsspeicher bleiben allerdings unverändert, wie beim Vorgängermodell B. Dennoch bleibt der Raspberry Pi für viele Projekte die absolut erste Wahl. Das liegt nicht nur an einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch an der großflächigen Verbreitung und der riesigen Community.

Banana Pi

Für nur 10 Euro mehr als der Raspberry Pi B+ kostet. bietet der chinesische Bananen-SBC (Abbildung 1) ein deutliches Plus an Leistung und Features.

Abbildung 1: Der Banana Pi stammt aus China und ist nicht mit der Raspberry Foundation verbandelt.

Abbildung 1: Der Banana Pi stammt aus China und ist nicht mit der Raspberry Foundation verbandelt.

Vor allem Anwender, die storageintensive NAS-Anwendungen einsetzen möchten, wird der Banana Pi gefallen: Dank seines SATA-Ports, einer Gigabit-Ethernet-Schnittstelle und einem Dual-Core-Prozessor hat er hier eindeutig die Nase vorn. Kein Konkurrent im Vergleich kann da mithalten.

Lemaker.org hat kürzlich den Nachfolger Banana Pro vorgestellt, der sich mit dem 40-Pin-Header am Raspberry Pi Model B+ orientiert. Das Board verfügt außerdem über ein eingebautes Wifi-Modul. Größter Nachteil des Banana Pi ist die noch sehr kleine Community – für komplizierte Hardwareprojekte sollten Anfänger vielleicht erst Erfahrungen mit anderen SBCs sammeln.

Beagle Bone Black Rev C

Das zweitbeliebteste Board auf dem Markt bringt zwar nur einen USB-Host-Port, dafür jedoch deutlich mehr Low-Level-Interfacing-Möglichkeiten als jedes andere Board in dieser Preisklasse mit. Gerade für Industrie- und Robotik-Anwendungen eignet sich das Beagle Bone Black daher hervorragend. So ist zum Beispiel die eingebaute Programmable Realtime Unit speziell für Echtzeitaufgaben vorgesehen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Beagle Bone erschien im April 2013.

Abbildung 2: Der Beagle Bone erschien im April 2013.

Die Beagleboard.org Foundation wirbt mit einer konkurrenzlos schnellen Start- und Einarbeitungszeit für Neulinge: Unter 10 Sekunden braucht das Bord zum Booten, der Anwender ist in weniger als fünf Minuten bereit, damit Software zu entwickeln. Alles, was er noch benötigt, ist ein schlichtes USB-Kabel.

Dieses Board ist eine gute Wahl für alle Entwickler, die nie genug GPIO-Ports kriegen können.

Gizmo Board

Eine “leistungsstarke und effiziente CPU und GPU auf einem einzigen Chip”, diese Kombination mache den Gizmo 2 (Abbildung 3, [2]) dank seines AMD Embedded G-Series SoC Prozessor zum idealen Spielzeug für professionelle Bastler, die schon über den Einsteigerlevel hinaus sind. Das schreibt das Marketing des Herstellers und platziert den Gizmo im Cutting-Edge-Bereich der Compute- und Grafikfunktionen. Damit könnten Entwickler ganz neue Ideen in Wissenschaft und Technik umsetzen.

Abbildung 3: Das Gizmo-Board in voller Pracht.

Abbildung 3: Das Gizmo-Board in voller Pracht.

Basierend auf dem AMD GX-210HA Dualcore-Prozessor wurde die zweite Gizmo-Ausgabe noch leistungsfähiger als ihr Vorgänger. Trotzdem ziehen die 1-GHz-CPU und der 300-MHz-Grafikchip gerade mal 9 Watt Strom. Das kaum 10 mal 10 Zentimeter große Board sei, so der Hersteller, mit 85 GFlops eines der leistungsfähigsten, die derzeit auf dem Markt erhältlich seien. Und weil das ein ganzes Open-Source-Ökosystem unterstütze und der Hersteller außerdem die Spezifikationen freigeben will, könnte das kleine Leistungswunder künftig Kultcharakter bekommen.

Die wichigsten Features des Gizmo 2 auf einen Blick:

  • HDMI-Video/Audio-Output
  • 1 GByte DDR3-1600-RAM
  • HD Audio in/Out
  • M-SATA/mini-PCIe-Konnektor
  • Micro-SD-Kartenslot
  • Gigabit-Ethernet
  • 2 x USB 3.0 und 2 x USB 2.0 auf dem Board
  • Support für Direct X 11.1, Open GL 4.2x und Open CLTM 1.2 und Parallelcomputing
  • Error-Correction Code (ECC)
  • Erhältlich auf [2] für circa 200 Euro inklusive Versand

Arduino Yún

Das chinesische Wort Yún bedeutet Wolke, und die ist bei dem gleichnamigen SBC Programm: Nicht weniger als das Internet der Dinge haben die Asiaten im Fokus, und da darf das Buzzword Cloud Computing nicht fehlen.

Arduino Yún ist eine Synthese aus einem Mikroprozessor, auf dem Linux läuft und einem Arduino-kompatiblen Mikrocontroller (Abbildung 4). Dank eingebautem WLAN und Ethernet, der analogen Eingänge und der unter Open WRT arbeitenden CPU eignet sich die kleine Wolke für schnell umsetzbare Hardwareprojekte.

Abbildung 4: Die Arduino-Wolke Yún

Abbildung 4: Die Arduino-Wolke Yún

Die vielen Anleitungen und Erweiterungsmöglichkeiten aus der Arduino-Community sind dabei eine große Hilfe. Eine leistungsfähigere Kombination aus Arduino und Linux-fähiger CPU ist das bald erscheinende Arduino Tre [3]. Als erstes in den USA hergestelltes Arduino-Board soll es einen 1-GHz-Prozessor (Sitara AM335x) besitzen und schon damit 100 mal mehr CPU-Leistung bieten als der Vorgänger.

Intel Edison

Selbstverständlich musste früher oder später auch CPU-Vorreiter Intel auf den Zug aufspringen. Dass der Marktfüher die x86-Plattform auch einer zukünftigen Generation von Ingenieuren schmackhaft machen will, erscheint ja nur logisch. Intels Mini-SBC trägt den Namen eines bekannten Erfinders: Edison ist etwa so groß wie eine Briefmarke, und als digitaler Kern für verschiedene Träger-Boards mit der eigentlichen Anwendung gedacht (Abbildung 5). Es verzichtet gänzlich auf Ethernet, verfügt jedoch über Bluetooth und schnelles Dual-Band-WLAN. Für kompakte, batteriebetriebene Anwendungen mit hohen Echtzeit-Ansprüchen ist dieses Board eine gute Wahl.

Abbildung 5: Nur briefmarkengroß ist Intels Edison.

Abbildung 5: Nur briefmarkengroß ist Intels Edison.

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