Aus Linux-Magazin 04/2001

Kurzsteckbriefe: Adabas D und db++

Beide stammen aus Deutschland und beide sind relationale Datenbanksysteme. Fast alles andere ist unterschiedlich: Die Größe, das Konzept und selbst die Abfragesprache.

Adabas, standardkonform und umfangreich

Es gab eine Zeit, in der jeder der auf sich hielt, Unix-Systeme durch Windows-NT-Server ersetzen zu müssen glaubte. Damals portierte die Software AG ihre Datenbank Adabas D auf Linux und war ihrer Zeit damit voraus.

Die Software AG hat zwei Datenbanken im Programm: Adabas D und Adabas. Letztere ist eine postrelationale Enterprise-Datenbank für Mainframes und hat mit relationalen Adabas D nichts gemein. Die SAP hat vor einiger Zeit eine frühere Version von Adabas D erworben und als SAPDB weiterentwickelt. Dieses System soll unter eine Open-Source-Lizenz gestellt werden. Adabas D taucht aber auch auf dem Desktop vieler Linux-Nutzer auf, die Datenbank in StarOffice ist eine abgespeckte Version davon. Das Folgende bezieht sich jedoch auf das eigentliche Produkt Adabas D (www.adabas.com).

Die Software derzeit in Version 11; der Nachfolger ist für Ende März angekündigt. Für Linux ist eine Desktop Edition mit einer Nutzerlizenz, eine Entry Edition für zehn gleichzeitige Nutzer und eine Business Edition mit unbegrenzter Nutzerzahl erhältlich. Der SuSE-Linux-Distribution liegt die als Demo bezeichnete, jedoch voll funktionsfähige Personal Edition bei. Diese ist auf drei gleichzeitige Nutzer und ein Datenvolumen von 24 Megabyte beschränkt.

Adabas D setzt den SQL92-Standard sehr gut um und kennt zudem den Oracle-Dialekt, bringt aber auch eigene Erweiterungen mit. Datenbank-Prozeduren (Stored Procedures) und Trigger, aber auch Masken oder Menüs lassen sich mit SQL-PL programmieren. Außerdem bietet das System hervorragende C/C++-Unterstützung durch einen Precompiler. In diesem Modus sind mehr Befehle verfügbar als im interaktiven Monitor und es sind auch binäre Objekte (BLOBs) bearbeitbar. Adabas D arbeitet gut mit Tcl/Tk zusammen, aber auch alle gängigen Schnittstellen wie ODBC, JDBC, Perl über DBI und andere werden unterstützt.

db++, klein aber oho

Das relationale Datenbanksystem db++, vom Hersteller Concept Asa aus Frankfurt/Main als das “Dreiliterauto unter den Datenbanken” bezeichnet, hat drei Besonderheiten: Es ist kein SQL-System, es ist sehr ressourcensparend und es “kann gut” mit Linux/Unix. Letzteres drückt sich unter anderem dadurch aus, dass die Datenbank-Kommandos vom Shell-Prompt aufgerufen werden, ohne Zwischenschaltung eines Monitor- oder Query-Programms, wie das fast immer üblich ist. Das hat den Vorteil, das alle Mechanismen der Shell wie Pipes oder Scripts problemlos zur Manipulation der Daten eingesetzt werden können. Der Befehl dbcreate zum Anlegen neuer Tabellen liest zum Beispiel die Daten einfach vom Standard-Input. Man ist jedoch nicht auf die Shell oder externe Skriptsprachen angewiesen, der Server besitzt einen eingebauten Tcl-Interpreter.

Der Kern von db++ passt auch im dritten Jahrtausend noch auf eine einzige Diskette und wird damit auch für eingebettete System mit Linux interessant. Jedoch lassen sich auch große Datenbanken damit verwalten, laut Hersteller skaliert das System bis zu 50 Millionen Datensätzen problemlos. Im Praxiseinsatz kommen bis zu zwei Millionen Datensätzen vor, die von Dual- oder Vierfach-PC-Servern mit relativ bescheidener RAM-Ausstattung von bis zu 1 GByte bewältigt werden.

Gewöhnungsbedürftig ist die Abfragesprache von db++, die “Algebraic Query Language”. Die Idee dazu stammt aus dem akademischen Bereich, auch in Cambridge wurde mit ähnlichen Sprachen experimentiert. Schwerer zu erlernen als SQL ist die “AQL” jedoch auf keinen Fall.

Db++ kommt deshalb zwar im akademischen Umfeld vor, aber längst nicht nur. Seit acht Jahren läuft die Datenbank beispielsweise bei der Deutschen Telekom zur Qualitätssicherung Aber auch in klassischen Datenbank-Domänen wie der Gehaltsabrechnung ist db++ verbreitet.

Concept-asa (http://www.concept-asa.de) bietet übrigens eine kostenlose Version für zwei Nutzer und maximal 2000 Datensätze an. Der Download sollte schnell erledigt sein. (uwo)

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