Aus Linux-Magazin 11/2014

Werkzeuge im Kurztest

Im Kurztest: Jupp joe-3.1jupp27, Splitjob 0.9.2beta, Pdfgrep 1.3.1, Linssid 2.7, Lterm 1.2.0 und PHP Server Monitor 3.1.0

Jupp joe-3.1jupp27

Portable Joe-Variante

Quelle: http://mirbsd.de/jupp

Lizenz: GPLv1

Alternativen: Joe, Nano

Joe’s Own Editor ist ein Klassiker unter den Texteditoren und gehört seit Ende der 1980er Jahre zur Standardausstattung vieler Unix-Systeme. Auf diesem soliden Fundament setzt Jupp auf, seine portable Variante. Sie kommt nicht nur mit der Glibc zurecht, sondern kann auch gegen die µClibc gelinkt werden, was auch einen Einsatz auf ARM-basierten Android-Systemen ermöglicht.

Jupp beruht auf der älteren Joe-Version 3.1 von 2004 und steht wie diese unter der GPLv1. Neben Fehlerkorrekturen und einer geordneteren Codebasis sind neue Features dazugekommen, etwa eine verbesserte Tab-Vervollständigung und ein neu sortiertes Optionenmenü. Die meisten modernen Betriebssysteme unterstützen inzwischen UTF-8; Jupp bietet diesen Support auch für Systeme an, die noch nicht so weit sind.

Die Tastenbelegung weicht oft von der Vorlage ab, was den Umstieg nicht gerade erleichtert. Während Joe-Anwender eine Übersicht der Shortcuts mit [Strg]+[K]+[H] einblenden, zeigt Jupp diese über [Strg]+[J] an.

Einige der neuen Kürzel sind etwas gewöhnungsbedürftig, und das Einarbeiten dauert eine Weile. Wenig hilfreich ist dabei, dass die Manpage und die Onlinehandbücher jeweils auf die Joe-Originale verweisen.

Splitjob 0.9.2beta

Jobs aufteilen

Quelle: http://splitjob.sourceforge.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Prll, Task Crusher

Mehrkernprozessoren sind heutzutage der Quasi-Standard in fast allen Computern, so ist es sinnvoll, auch die Verarbeitung in Programmen zu parallelisieren. Die meisten Anwendungen, vor allem kleinere, unterstützen das von Haus aus nicht. Hier springt Splitjob in die Bresche. Wie der Name vermuten lässt, teilt das Tool einen Datenstrom in der Standardeingabe auf und startet damit mehrere Verarbeitungsschlangen eines auszuführenden Programms. Den Output setzt es danach wieder in der richtigen Reihenfolge zusammen.

Anwender steuern den Jobvermittler über Aufrufparameter. Hinter »-j« definieren sie die Anzahl der parallelen Jobs, hinter »-b« geben sie an, wie groß die Datenblöcke sind, die an die parallelen Jobs gehen. Hinter »-r« können Nutzer festlegen, wie oft Splitjob einen fehlgeschlagenen Auftrag erneut ausführen soll. In der Voreinstellung versucht das Tool dreimal einen Job zu starten.

Splitjob eignet sich nur für das Parallelisieren einfacher Konsolenprogramme respektive für Tools, die keine umfangreichen Parameter erwarten. Komplexere Befehle scheiden daher aus. Die Beispiele der Manpage zeigen Splitjob in Kooperation mit Gzip und mit SSH.

Die Idee ist gut – die Ausführung der Betaversion lässt allerdings noch zu wünschen übrig. Derzeit eignet sich Splitjob nur für einfache Kommandos mit einfachen Aufrufparametern.  

PHP Server Monitor 3.1.0

Dienste im Browser überwachen

Quelle: http://www.phpservermonitor.org

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Nagios, Icinga, Monit

Monitoringtools sind unter Linux keine Mangelware. Neben komplexen Systemen gibt es auch zahlreiche einfache Skriptlösungen. Irgendwo dazwischen befindet sich der PHP Server Monitor, der eine zentrale Überwachung für einzelne Dienste und Rechner bereitstellt. Das Tool benötigt einen Webserver, PHP 5.3.7 oder neuer, Curl und eine MySQL-Datenbank.

Admins steuern das Programm über ein Webinterface. »Status« zeigt alle überwachten Systeme an. Über das Menü »Server« fügen sie neue Dienste hinzu oder ändern die Einstellungen vorhandener Einträge. In dieser Abteilung präsentiert das Tool auch einen Verlaufsgraphen. In der Benutzerverwaltung richten Admins reine Beobachter ein, optional nur für bestimmte Rechner.

Das Monitoringtool setzt Admins per E-Mail, SMS oder Pushover-Benachrichtigung über ausgefallene Dienste in Kenntnis. Leider arbeitet die derzeitige Version nicht mit deutschen SMS-Gateways zusammen.

PHP Server Monitor eignet sich gut zum Überwachen einer überschaubaren Serverlandschaft. Das Tool ist schnell eingerichtet, intuitiv zu bedienen und bietet eine einfache Benutzerverwaltung. Punktabzüge gibt es jedoch für die fehlende Zusammenarbeit mit deutschen SMS-Gateways.

Linssid 2.7

Grafischer Wifi-Scanner

Quelle: http://sourceforge.net/projects/linssid

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Kismet, Iwscanner

Welche WLANs sind am aktuellen Ort verfügbar? Auf welchem Kanal funkt ein Accesspoint und wie gut ist die Signalstärke? Auf diese und andere Fragen antwortet der WLAN-Scanner Linssid. Das Programm findet aktive und sichtbare drahtlose Netze und bereitet die Daten grafisch ansprechend auf. Da das Tool im Hintergrund auf »iwlist« setzt, erfordert es Rootrechte.

Nach dem Start erkennt Linssid im System vorhandene WLAN-Schnittstellen, der Anwender wählt daraus das gewünschte Interface aus. Nach kurzer Zeit listet der Scanner alle Accesspoints in der gefundenen Reihenfolge auf. Er zeigt die SSID, die MAC-Adresse, den Kanal, die Verschlüsselungsart und die Signalstärke an. Wer möchte, kann die Aufstellung um weitere Informationen zur Signalqualität, Sicherheit, Frequenz oder Durchsatzrate ergänzen.

Im unteren Bereich zeichnet Linssid einen Graphen, der die Signalstärke und den Kanal der Accesspoints sowie den zeitlichen Verlauf in verschiedenen Farben darstellt. So sehen Anwender auf einen Blick, wo es Überschneidungen gibt. Per Klick vor einen Eintrag in der Liste blenden Benutzer Netze gezielt aus und verschaffen sich so eine bessere Übersicht.

Linssid ist ein einfacher WLAN-Scanner, der die wichtigsten Daten zu Funknetzen in der Umgebung abfragt. Gut gefällt, dass das Programm den zeitlichen Verlauf erfasst und so ersichtlich wird, wo die Qualität schwankt. Das Tool erweist sich als praktischer Helfer zur Standortplanung eines neuen Routers.

Lterm 1.2.0

Grafischer Terminalemulator

Quelle: http://lterm.sourceforge.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Pacmanager, Yakuake, Guake

Lterm ist ein VTE-basierter grafischer Terminalemulator, der laut Aussage der Entwickler als SSH-Client gedacht ist, aber auch als lokales Terminal arbeitet. Das Tool vereinfacht wiederkehrende Aufgaben, verwaltet Lesezeichen und Sitzungen und bearbeitet Dateien auf entfernen Systemen.

Zur Verbindungsaufnahme setzt Lterm auf bewährte Konsolentools. Daher unterstützt das Programm alle Protokolle, die das System selbst kennt und für die es ein entsprechendes Shellkommando gibt. In den Einstellungen richtet der Anwender neue Verbindungen ein. Er hinterlegt dazu Zugangsdaten, wählt ein Protokoll, optional einen Port und vergibt einen eindeutigen Namen. Für jede Session öffnet Lterm einen neuen Reiter. So verwaltet der Anwender gleich mehrere Verbindungen in einem Programmfenster.

Die Funktion »Save Sessions« speichert alle offenen Verbindungen, Lterm kann sie beim nächsten Start erneut laden. Das beschleunigt den Anmeldeprozess vor allem dann, wenn der Nutzer viele Sitzungen öffnet. Das gleichzeitige Ausführen eines Befehls in allen Reitern ist allerdings nicht möglich. Dafür entschädigt, dass Reiter mit einer blauen Beschriftung anzeigen, wenn etwas in der Session passiert.

Wer oft auf vielen entfernten Rechnern gleichzeitig arbeitet, der sollte sich Lterm anschauen. Das Tool unterstützt viele Protokolle, speichert geöffnete Sitzungen und weist auf Aktivitäten im Remotesystem hin. Lernt der Terminalemulator noch, ein Kommando gleichzeitig in mehreren Reitern abzusetzen, gibt’s volle Punktzahl.

Pdfgrep 1.3.1

PDFs auf der Shell durchsuchen

Quelle: http://pdfgrep.sourceforge.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Docfetcher

Beim Suchen nach Zeichenketten oder regulären Ausdrücken in PDF-Dokumenten ist Grep keine Hilfe, und das Durchforsten mehrerer Dateien in einem grafischen Betrachter wie Evince oder Okular gerät mitunter zur wahren Klickorgie. Schneller geht’s auf der Kommandozeile mit Pdfgrep. Das Tool setzt im Hintergrund auf die freie Programmbibliothek Poppler, die als Backend zur PDF-Darstellung in diversen Anwendungen fungiert.

Pdfgrep nimmt beim Aufruf Optionen, Suchmuster sowie eine oder mehrere Dateien entgegen. Alternativ geben Benutzer hinter »-r« ein Verzeichnis an, welches das Programm dann rekursiv durchforstet. Zur besseren Übersicht blendet »-H« den Dateinamen ein. Auch andere Parameter funktionieren genauso wie bei Grep. So ignoriert »-i« beispielsweise die Groß- und Kleinschreibung und »–color auto« hebt Treffer hervor. Pdfgrep nutzt zur farblichen Gestaltung der Ausgabe die in der Umgebungsvariablen »GREP_COLORS« definierten Farbcodes.

Um die Treffer besser einordnen zu können, zeigt »-C Zeichenzahl« Textstellen im angegebenen Kontext an. Über »-C line« gibt das Tool die ganze Zeile aus. Es verrät außerdem die Seitenzahlen der Fundstellen; Anwender rufen es dazu mit »-n« auf. Auch vor passwortgeschützten PDF-Dokumenten macht die Spürnase nicht Halt. Hinter »–password« tippen Nutzer dazu das Kennwort ein.

Pdfgrep ist ein zuverlässiger Helfer beim Durchsuchen von PDF-Dateien und erspart so manchen Mausklick in den grafischen Betrachtern. Da das Tool die Grep-Syntax nutzt, fühlen sich Shellfans direkt wie zu Hause.

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