Aus Linux-Magazin 11/2014

Innovative Bittorrent-Werkzeuge für Linux

© Jeanne McRight, 123RF

Das Bittorrent-Protokoll erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und die Open-Source-Community ersinnt immer neue Konzepte, das Peer-to-Peer-Modell zu nutzen. Manches bleibt da nicht mehr ganz legal.

Immer noch unterschätzen manche IT-Spezialisten die Bedeutung des Bittorrent-Protokolls ([1], [2]). Je nach Studie zeichnet es für 20 bis 50 Prozent des gesamten Datenaufkommens im Internet verantwortlich. 2001 ins Leben gerufen erlebte es einen rasanten Aufstieg, der seinen Zenit offenbar immer noch nicht erreicht hat.

Dabei haftet der Implementierung meistens der Hauch des Illegalen an, denn schon kurz nach der Veröffentlichung fingen User an, das Protokoll für den Austausch urheberrechtlich geschützter Werke zu verwenden. Illegales Filesharing und Bittorrent kommt dann auch meist im selben Atemzug vor.

Nicht ausnahmslos illegal

Dabei ist festzuhalten, dass die ursprüngliche Motivation hinter Bittorrent nicht der illegale Austausch von Filmen oder Musik war. Die erste Version stammte von dem Entwickler Bram Cohen [3], und die Motivation war einfach: Bittorrent diente anfangs dazu, unter Fans Mitschnitte von Konzerten auszutauschen. Weil die Datenmengen der Aufnahmen groß und die Anbindungen von Downloadservern aber nicht so dick wie heute ausfielen, war es schwierig, zentrale Server zu finanzieren.

Die Idee hinter Peer-to-Peer-Netzwerken (P2P) ist bekanntlich, dass jeder Nutzer auch Upstream-Kanäle zur Verfügung stellt und so alle Teilnehmer sowohl als Empfänger wie auch als Sender fungieren. Das dezentrale Netzwerk entlastet die Server und sorgt trotzdem dafür, dass am Ende alle die gewünschten Files tatsächlich bekommen.

Wegen der beschriebenen Übertragungstechnik hat das Bittorrent-Protokoll in der IT-Szene viele Fans. Entgegen allen alten Vorurteilen ist es eben nicht so, dass sich das Protokoll ausschließlich zum Verteilen urheberrechtlich geschützten Materials nutzen ließe. Auch und besonders in der FLOSS-Szene ist es sehr oft notwendig, große Datenmengen zu übertragen – das ISO-Image einer aktuellen Distribution kommt häufig auf mehrere Gigabytes. Auch hier wird Torrent sinnvoll eingesetzt.

Nicht zuletzt gibt es freie Musik und freie Filme, deren Verbreitung sich über P2P ebenfalls unkompliziert organisieren lässt. In allen Fällen spielt der Vorteil die Hauptrolle, keinen zentralen Server mit dicker Anbindung zu benötigen – von Anonymisierung und freier Infrastruktur ganz zu schweigen.

Für Linux-Anwender stellt sich die Frage, wie sie an Torrent-basierten P2P-Netzen sinnvoll teilnehmen können. Naturgemäß existiert ein ganzes Füllhorn an Clients, die meisten davon mit spezifischem Schwerpunkt. Dieser Artikel stellt aktuelle Entwicklungen rund um Torrent-Clients für Linux vor. Im Fokus stehen neue Vertreter wie Popcorn Time, doch darf auch der Blick auf die alten Tauschhasen nicht fehlen.

Popcorn Time

Popcorn Time Beta gehört zu den Bittorrent-Clients mit klarer Zielgruppe – das Programm positioniert sich im Multimedia-Umfeld. Es handelt sich um eine sehr junge Entwicklung, offiziell befindet sich das Programm im Betastadium. Popcorn Time Beta ist der Versuch, Video-on-Demand über Bittorrent-Peer-to-Peer ansprechend zu realisieren.

“Ansprechend” meint in diesem Kontext vor allem die Integration in die Multimedia-Umgebung moderner Wohnzimmer. Fernseher, die als Smart-TVs verkauft werden, beherrschen zum Beispiel durchgehend UPnP. Gibt es im lokalen Netz eine entsprechende UPnP-Quelle, lassen sich Filme und Musik von einem passenden Client direkt mit TVs aufrufen. Popcorn Time Beta (Abbildung 1) ist der Ansatz, einen solchen Client zu schaffen – oder eher eine Kombination aus passendem Server und Client, der Filme per Bittorrent lädt und direkt auf Geräten wiedergibt.

Abbildung 1: Schon die Aufmachung von Popcorn Time Beta lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um ein rechtlich höchst bedenkliches Projekt handelt.

Abbildung 1: Schon die Aufmachung von Popcorn Time Beta lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um ein rechtlich höchst bedenkliches Projekt handelt.

Allerdings greift Popcorn Time Beta dafür gerade nicht auf UPnP zurück. Es reicht also nicht, einen UPnP-fähigen Fernseher zu haben, sondern es braucht einen an den Fernseher angeschlossenen Computer, der Popcorn Time betreibt und die Wiedergabe am Fernseher realisiert. Der Popcorn-Time-Client steht für alle gängigen Betriebssysteme zur Verfügung, auch ein Android-Client ist auf der Website des Programms zu finden.

De facto präsentiert sich Popcorn Time als hervorragende Anwendung für den Video-on-Demand-Bereich, nach dem Start treffen Nutzer zunächst auf eine Cover-Übersicht aktueller Filme und Musik, die sich per Mausklick im nächsten Schritt betrachten lässt. Anders als bei typischen Video-on-Demand-Anwendungen kommen die Daten bei Popcorn Time aber eben über Bittorrent, nicht per Download vom Server des Anbieters. Parameter wie die gewünschte Qualität der Filme sind variabel konfigurierbar.

Von Rechts wegen

Interessant bei vielen Bittorrent-Clients ist, dass sie offiziell als Tool für Filesharing daherkommen, während klar ist, dass es im Hintergrund fast nur um den Austausch urheberrechtlich geschützten Materials geht. Popcorn Time macht sich diese Mühe gar nicht erst; auf ihrer Website spielen die Entwickler mehr oder weniger mit offenen Karten.

Jedenfalls bleibt kein Zweifel daran, dass der Hauptzweck von Popcorn Beta die Wiedergabe von geschütztem Material ist, ohne daran die Nutzungsrechte zu haben. Deshalb verzichtet dieser Linux-Magazin-Artikel auch auf die Verlinkung der Webseite.

Juristisch betrachtet ist der Popcorn-Time-Ansatz mehr als bedenklich, und zwar auch in Deutschland. Verschiedene Gesetzesnovellen haben in den letzten Jahren das Recht von Nutzern stark eingeschränkt, Kopien anzufertigen und weiterzugeben. Grundsätzlich gilt: Der Upload von Filmen und Musik, an denen der Käufer selbst nur Nutzungsrechte genießt, ist stets illegal und kann empfindliche privat- wie strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Nahezu identisch ist mittlerweile auch die Rechtslage bei Downloads. Wenn dem Downloader zum Zeitpunkt des Downloads klar sein muss, dass das gewünschte Material nicht aus einer sauberen Quelle stammen kann, was das Urheberrecht angeht, so ist der Download ebenfalls illegal, denn die geltenden Gesetze zur Privatkopie decken diesen Fall ausdrücklich nicht ab. In Sachen Use Case wird es für Popcorn Time Beta damit in Europa eng.

So traurig es auch sein mag: Einerseits ist Popcorn Time Beta genau die Anwendung, die viele Nutzer so oder so ähnlich gerne für Video-on-Demand nutzen würden, entsprechende Qualität der Filme inbegriffen. Andererseits lässt sich die Anwendung im deutschsprachigen Europa nicht legal nutzen, es sei denn, das betreffende Werk besitzt eine CC-Lizenz.

Aber derlei Widersprüche zwischen den Wünschen der zahlreichen Konsumenten und denen der Anbieter verfolgen diese Szene ja seit bald zwei Jahrzehnten – von Napster über Emule, Rapidshare bis zu den Grauzonen der Streaming-Webseiten à la Kino(x).to heute.

Bittorrent Sync

Einen völlig anderen und vollkommen legalen Schwerpunkt hat Bittorrent Sync ([4], Abbildung 2). De facto geht es bei Bittorrent Sync um einen Datei-Synchronisationsdienst, dessen Erfolg Bittorrent sicherstellen will, es geht also darum, den Transfer großer Dateien oder Datenmengen im Stile einer dezentralen Anwendung zu organisieren.

Abbildung 2: Bittorrent Sync ermöglicht es, Dateien mit anderen Computern oder Geräten zu teilen. Das ist besonders für Backup-Zwecke nützlich.

Abbildung 2: Bittorrent Sync ermöglicht es, Dateien mit anderen Computern oder Geräten zu teilen. Das ist besonders für Backup-Zwecke nützlich.

Das Programm stammt direkt von Bittorrent, Inc., und existiert in Versionen für Windows, OS X, Linux, Android, I-OS und sogar Free BSD. Hinzu gesellen sich fertige Plugins für die Geräte verschiedener NAS-Hersteller, darunter Qnap und Synology (Details ebenfalls auf [4]).

Die große Flexibilität im Hinblick auf die Sync-Clients macht das Programm zur angenehmen Alternative für einschlägige Backup-Programme. Wer Qnap am Arbeitsplatz und zu Hause hat und auf beiden Geräten sowie auf dem eigenen Laptop den Bittorrent-Sync-Client nutzt, kann zwischen den drei Geräten eine frei definierbare Menge an Daten bequem synchron halten. Das ist zwar nicht der typische Use Case für das Bittorrent-Protokoll, weil der Schwarm, der die Daten zur Verfügung stellt, nicht besonders groß ist. Aber die Lösung erfüllt ihren Zweck und der Sync-Client gibt sich überaus benutzerfreundlich.

Um die Sicherheit der eigenen Daten braucht sich niemand zu sorgen: Sync verschlüsselt die Informationen vor dem Versenden mit einem Key, den der Nutzer festlegen kann. Angreifer, die die Leitung abschnorcheln, sehen im Zweifelsfall also nur Datensalat statt nutzbarer Daten. Auch gegen Angriffe durch fremde Clients setzt sich Sync zur Wehr: An der Synchronisierung dürfen nur solche Clients teilnehmen, die sich über einen festzulegenden Schlüssel ordnungsgemäß authentifiziert haben.

Insgesamt stellt Sync damit eine sehr brauchbare Alternative zu zentralen Cloudbackups via Dropbox & Co. dar, weil die Daten niemals im Klartext auf dem Server eines Dienstanbieters liegen. Zum Preis von mehr Traffic erkaufen sich Sync-Nutzer quasi ein dezentrales Backup- und Cloud-System, das sich von überall nutzen lässt.

Das Urgestein: Vuze

In einer Aufstellung aktueller Torrent-Programme für Linux darf Vuze ([5], Abbildung 3) nicht fehlen. Das Programm, das in seiner Anfangszeit noch Azureus hieß und als Maskottchen einen charakteristischen blauen Frosch vorweist, ist so etwas wie das Torrent-Urgetier überhaupt. Dabei hat das Tool in den letzten Jahren seinen Funktionsumfang stetig ausgebaut, heute präsentiert es sich als Client wie als Server für verschiedene Dienste und Hardwareplayer.

Abbildung 3: Der Klassiker unter den Bittorrent-Clients: Für knapp 30 Euro pro Jahr kaufen sich Kunden bei Vuze von Werbung frei und erhalten praktische Zusatzfunktionen.

Abbildung 3: Der Klassiker unter den Bittorrent-Clients: Für knapp 30 Euro pro Jahr kaufen sich Kunden bei Vuze von Werbung frei und erhalten praktische Zusatzfunktionen.

Anders als das eingangs beschriebene Popcorn Time stellt Vuze allerdings kein Verzeichnis für Torrents im Stile einer Bibliothek zur Verfügung; es ist offensichtlich, dass Vuze tatsächlich das Torrent-Protokoll im Sinn hat und nicht dessen Nutzung im rechtlich fragwürdigen Rahmen.

Die Oberfläche des Programms teilt sich in den Bereich der Torrents auf, am linken Rand hat der Nutzer Zugriff auf seine Torrent-Bibliothek wie auch auf die Steuerung verschiedener Mediendienste, die in Vuze integriert sind. In dieser Hinsicht ist Vuze durchaus bemerkenswert: In der »Device Player« -Sparte der Seite finden sich Serverdienste, die den Vuze-Content direkt an eine Vielzahl verschiedener Hardwareplayer streamen können.

Wer zum Beispiel eine Playstation sein Eigen nennt, aktiviert hier den Support für die PS3 und findet danach im Playstation-Menü einen entsprechenden Medienserver. Ähnliches gilt für Musik und I-Tunes; der eingebaute DAAP-Server in Vuze erlaubt es, aus I-Tunes heraus Titel wiederzugeben, die eigentlich in Vuze hinterlegt sind. Auch direkt in Vuze lassen sich Multimediadateien wiedergeben; der Eintrag »Bibliothek« führt zur Liste aller vorhandenen Dateien.

Pfiffig ist auch das Vuze-HD-Netzwerk, das sich unter »Content Discovery« findet. Hier liegen aber eben keine Links zu Filmen aus dubioser Quelle. Stattdessen lassen sich Filme in Youtube-Manier abspielen. Anders als bei den üblichen Streamingdiensten werden die Videos dann per Bittorrent-Protokoll an Vuze ausgeliefert.

Vuze kommt obendrein mit einem eingebauten “Luxus”-Modus: Für knapp 30 Euro pro Jahr gibt es die Anmeldung zu Vuze Plus. Für das Geld erhalten die Nutzer eine Brennfunktion für CDs, einen eingebauten Virenschutz sowie das Wegfallen jeglicher Werbung innerhalb des Vuze-Clients. Allerdings stört die innerhalb von Vuze angezeigte Werbung ohne Plus-Mitgliedschaft auch nicht so sehr, dass sie unerträglich wäre. Wer sich das Geld spart, muss insofern keine gravierenden Einbußen in Sachen Funktionalität hinnehmen.

Utorrent

Wesentlich kleiner als Vuze präsentiert sich Utorrent ([6], Abbildung 4). Das Binary ist nur gut 1 MByte groß, diesen Umstand werfen die Entwickler des Tools durchaus für sich in die Waagschale. Alle wesentlichen Funktionen, die man von einem Torrent-Client erwartet, bietet Utorrent an: Vorrangig natürlich den Download von Dateien auf Grundlage von ».torrent« -Files. Das GUI von Utorrent zeigt sich entsprechend aufgeräumt: Rechts stehen die aktuellen Downloads, links eine Übersicht. Nutzer können Torrents mit Labels versehen, außerdem beherrscht Utorrent das Abonnieren von RSS-Feeds, deren Torrents es im Anschluss automatisch herunterlädt.

Abbildung 4: Wer auf der Suche nach einem spartanischen Werkzeug ist, liegt bei Utorrent richtig.

Abbildung 4: Wer auf der Suche nach einem spartanischen Werkzeug ist, liegt bei Utorrent richtig.

Viel Wert legen die Utorrent-Entwickler offensichtlich auch darauf, über verschiedene Wege ihr Programm aus der Ferne zu steuern. So kommt Utorrent einerseits mit einer eigenen HTTP-Schnittstelle. Andererseits stellt Utorrent selbst auch Remote zur Verfügung, ein eigenes Programm, das Utorrent aus der Ferne verwaltet. Wer sein Utorrent hinter einer Firewall betreibt, kann sich diese sogar automatisch konfigurieren lassen, falls die Firewall UPnP beherrscht und dies aktiviert ist.

Auch Utorrent zeigt ab Werk Werbung. Wer die Plus-Mitgliedschaft für ungefähr 20 Euro kauft, erhält ähnliche Features wie bei Vuze: Schutz vor Viren, den Wegfall der Werbe-Einblendungen und einen aufgebohrten Videospieler nebst passendem Konvertierprogramm. Den Player gibt es in der freien Version zwar auch, er beherrscht allerdings deutlich weniger Formate und kann keine Videos konvertieren. Zum Ausprobieren genügt die freie Variante aber so oder so. Wer einfache Torrent-Funktionalität in einem simplen und genügsamen Client haben will, ist bei Utorrent jedenfalls an der richtigen Adresse.

Rtorrent und Libtorrent

Während alle bis jetzt vorgestellten Werkzeuge mit grafischen Oberflächen ausgestattet sind, ist Rtorrent [7] ein Bittorrent-Client für die Kommandozeile. Wer lieber mit der Konsole arbeitet oder einen Bittorrent-Client haben möchte, der sich notfalls per Screen und SSH auch aus der Ferne und ohne GUI verwalten lässt, sollte mit dem Programm Bekanntschaft schließen. Rtorrent basiert auf der Libtorrent, beide Projekte stammen aus der Feder von Jari Sundell. Zudem nutzt Rtorrent die weit verbreitete Ncurses-Bibliothek – dadurch wird der Client interaktiv, hat also ein eigenes Menü und lässt sich über diverse Tastenkombinationen steuern.

In Sachen Funktionalität bietet Rtorrent im besten Sinne Hausmannskost: ».torrent« -Dateien lassen sich öffnen, das Programm erledigt dann im Hintergrund den Download. Außerdem unterstützt Rtorrent alle gängigen Bittorrent-Features, zum Beispiel die Protokoll-Verschleierung (die übrigens auf eine Initiative von Utorrent und Azureus zurückgeht) sowie PEX, den Peer Exchange als alternatives Verfahren zum Finden von Peers für einzelne Dateien. Auch DHT und Superseeding stehen auf der Feature-Liste von Rtorrent.

Wer zwar grundsätzlich Rtorrent nutzen möchte, aber trotzdem eine weniger spartanische Oberfläche braucht, kann Rtorrent auch über verschiedene Webfrontends steuern. Beispiele sind Rutorrent [8] sowie Avalanche-RT [9].

Bittorrent Bundles

Etwas fernab vom klassischen Bittorrent-Use-Case positioniert sich Bundles (Abbildung 5). Das von Bittorrent, Inc., begründete Projekt will Musik legal über das Bittorrent-Format zu verteilen. Bundles selbst ist dabei kein Bittorrent-Client, sondern setzt die Verwendung eines klassischen Clients voraus. Wer den Client hat, findet auf der Bundles-Website [10] die Torrents verschiedener Gruppen, sowohl Audio- als auch Videodateien sind enthalten.

Abbildung 5: Bundles sind der Bittorrent-Inc.-Ansatz, um Musik legal zu vertreiben.

Abbildung 5: Bundles sind der Bittorrent-Inc.-Ansatz, um Musik legal zu vertreiben.

Wer in Musik lediglich hineinhören möchte, erhält einzelne Lieder gratis; um ein ganzes Bundle mit allen Audiodateien und Premium-Content zu erhalten, kann man per Einmalzahlung das Bundle einfach kaufen. Der Download geht danach in gewohnt hoher Torrent-Geschwindigkeit. Bundles liefert insofern den idealen Beweis dafür, dass das Verteilen von Videos und Liedern auf Torrent-Basis nicht illegal sein muss.

Noch mangelt es Bundles jedoch an verfügbarer Musik. Es findet sich überhaupt nur wenig Musik, die dem gewohnten Mainstream zuzuordnen ist, Public Enemy ist eine der wenigen Ausnahmen.

Bleep

Ein Programm auf Bittorrent-Basis hat es nicht mehr rechtzeitig in den Artikel geschafft, obwohl es ebenfalls spannende Innovationen zu bieten hat: Bittorrent, Inc., entwickelt derzeit Bleep ([11], Abbildung 6), das Torrent-basierte Kommunikation möglich machen will. Der Use Case ist – zugegeben – weit entfernt von dem, was Nutzer mit Torrents üblicherweise anstellen. Doch zeigt er auch überaus eindrücklich, dass Bittorrent eben nur ein Übertragungsweg ist, ein Protokoll, das sich im Grunde für jede Art von Traffic nutzen lässt.

Abbildung 6: Ungewöhnlich, aber spannend: Bleep ist ein Chat-Dienst und -Client. Verteilt, Server-frei und sicher soll er werden, dank Bittorrent.

Abbildung 6: Ungewöhnlich, aber spannend: Bleep ist ein Chat-Dienst und -Client. Verteilt, Server-frei und sicher soll er werden, dank Bittorrent.

Gerade VoIP dürfte von einer Torrent-basierten Übertragung profitieren, weil hohe Bandbreiten, wie die P2P-Netze sie bieten, auch hochqualitative Codecs ermöglichen. Aktuell befindet sich Bleep noch in einer Closed-Beta-Phase und eignet sich ausschließlich für Windows 7 und 8.

Solch ein sicherer, Server-freier, Peer-to-Peer-basierter Chat dürfte in Zeiten des NSA-Skandals gute Zukunftschancen haben, wie auch andere, nicht auf Bittorrent aufbauende Projekte zeigen. Matrix.org [12] will die Echtzeitkommunikation revolutionieren und einen zentralen Hub für alle erdenklichen Dienste bieten, Unter dem Namen Ind.ie [13] soll bald eine Crowdfunding-Initiative starten, die ein sicheres, freies und von Konzernen unabhängiges Smartphone vorstellen will. Dezentrale, unabhängige Strukturen haben derzeit gute Konjunktur.

Fazit

Der Markt der Torrent-Programme für Linux ist durchaus dicht gedrängt. Von einfachen Lösungen wie Rtorrent und Utorrent bis hin zu komplexen Werkzeugen wie Vuze ist für jeden Geschmack etwas dabei. Weil alle vorgestellten Programme mit einer kostenlosen Variante daherkommen, schadet es nicht, sich den eigenen Favoriten einfach durch Ausprobieren herauszusuchen.

Popcorn Time Beta sticht nicht nur technisch aus der Masse heraus, denn anders als alle anderen Probanden steht bei diesem Programm das eigentliche Torrent-Protokoll gar nicht im Vordergrund. Das – auch so erklärte – Ziel besteht darin, ein Video-on-Demand-Portal zu sein, das auf dem illegalen Download von urheberrechtlich geschützten Inhalten basiert. Wer nicht gerade auf den Caymans wohnt, sollte von Popcorn Time Beta definitiv die Finger lassen, trotz der innovativen Technik.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 5 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben