Patch-Debatte: Kernel-Entwickler will hinschmeißen

Der australische Kernel-Entwickler Con Kolivas hat die Kernel-Maintainer vor eine Entscheidung gestellt: Entweder übernehmen sie den von ihm entwickelten Patch "Swap Prefetch" in den nächsten Kernel, oder sie lassen es für immer.

Kolivas schreibt auf der Kernel-Mailingliste, dass er den Code gefixt und verbessert hat, so weit es ihm im letzten Kernelzyklus möglich war. Man solle die Nutzer und ihn von der Misere erlösen und den Patch übernehmen oder für immer löschen.

Die Diskussion um diesen Patch hält schon länger an, da ihn nicht alle Entwickler für sinnvoll halten. Der Patch soll Desktop-Rechner beschleunigen und zu besserer Reaktionszeit verhelfen. Doch ist er schwer zu testen, da das Swap-Verhalten nicht gezielt gesteuert werden kann. Die Zahl der Entwickler die sich für oder gegen den Patch aussprechen hält sich die Waage. Gegner betonen, dass es Probleme geben könnte, die bisher nicht abzusehen sind. Befürworter wie Nick Piggin hingegen halten den Patch für aufnahmebereit. Piggin lässt wissen, dass er sich auf keine Seite schlagen will und deshalb vorschlägt, den Patch aufzunehmen, insofern dieser den Standards, die Andrew Morton voraussetzt, entspricht. So könnte er in der Realität getestet werden. Ein Abschalten des Patches im Kernel-Setup wäre, wenn Probleme auftreten sollten, keine Schwierigkeit. Anschließend antwortet Ingo Molnar, dass er den Patch erfolgreich getestet und auch beim Lesen des Codes keine Fehler gefunden habe. Er empfiehlt die Aufnahme explizit.

Con Kolivas hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach um verbesserte Workload-Verteilung und Echtzeit-Fähigkeit von Linux-Rechnern verdient gemacht. Was ihn von vielen Entwicklern unterscheidet, sind sein Beruf und sein Weg zur Mitarbeit am Kernel. Kolivas ist praktizierender Arzt in Australien, der durch Zufall dazu kam, Patches für den Kernel zu schreiben. Die Fähigkeiten dafür eignete er sich autodidaktisch mit einfachsten Mitteln an. Zuletzt wurde er von Ingo Molnar dankend für die Mitarbeit am Completely Fair Scheduler (CFS) erwähnt. Im Juni hat Kolivas angekündigt, seinen “ck” Linux-Mirror und auch seine Arbeit am RSDL/SD Scheduler einzustellen. Er sehe keinen Grund, warum er alternative Patches pflegen soll, wenn Performance-Verbesserungen nicht in den Hauptzweig aufgenommen würden.

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