Die US-amerikanische Firma Timesys hat einen Realtime-optimierten Kernel für ARM9-basierte Atmel-Prozessoren veröffentlicht.
Die Basis des vorgestellten Kernels für eingebettete Geräte ist der letzte Kernelzweig 2.6.24. Ihn haben die Entwickler mit dem “RT_PREEMPT”-Patch von Ingo Molnar und Thomas Gleixner sowie mit Patches für hochauflösende Timer und Atmel-spezifischen Merkmale gepacht. Der so entstandene System-Kern soll unter anderem Full-Kernel-Preemption und planbare Interrupt-Handler unterstützen. Der optimierte Kernel unterstützt alle ARM9-Referenz-Plattformen inklusive der neuen 400 MHz-Version AT91SAM9G20.
Der verwendete Patch “RT_PREEMPT” ist derselbe, den auch die kommerziellen Distributoren Red Hat, Novell und Montavista in ihren Echtzeit-Systemen einsetzen. Auch auf Audio-Workstations kommt der Patch häufig zum Einsatz um niedrige Latenzzeiten zu erreichen. Der Patch wird schon seit langer Zeit entwickelt, wurde jedoch bisher nur in Teilen in den Mainline-Kernel aufgenommen, da er auch Risiken wie Destabilisierung des Systems mit sich bringen kann. Außerdem ändere ein großer Teil des Patches einige Kernel-Schnittstellen dramatisch, erklärt Alsa-Maintainer Takashi Iwai im Gespräch mit Linux Magazin Online. Realtime-gepachte Kernel werden außer im Audio- und Videorecording vor allem in militärischen Anwendungen, in der Telekommunikation und im Finanzsektor eingesetzt.
Den gepachten und optimierten Kernel bietet Timesys in zwei Paketen an. Im kostenfreien “Free LinuxLink BSP” sind eine eingeschränkte Zahl Bibliotheken (Glibc) und ein paar wenige vorkompilierte Pakete wie Audio und Networking dabei. Das kostenpflichtige Angebot “Full LinuxLink Subscription” ist ein Abonnement samt Support und bringt zwei komplette Host-Toolchains (Glibc und uClibc) für Linux und Windows, hunderte von cross-kompilierten Paketen sowie eine grafische Entwicklungsumgebung mit. Mehr Informationen zu den Paketen sind auf der Website des Anbieters zu finden.



