Streit unter Kernel-Entwicklern: Adrian Bunk stellt Vertrauensfrage
Dass der Ton in der "Linux Kernel Mailinglist" (lkml) mitunter rau werden kann, ist kein Geheimnis. Besonders harsche Töne hat jetzt der Entwickler Adrian Bunk angestimmt.
Bunk beschwert sich, dass seine Patches oft keine Beachtung finden. Anlass für die Schelte war ein Patch für den x86-Header. Diesen fand Bunk im Linux-Next-Tree. Er selbst habe aber bereits zuvor einen eigenen Patch eingereicht, der es scheinbar weder in den Linux-Next-Tree noch in den von Linus Torvalds betreuten stabilen Zweig oder Andrew Mortons "Testing" (mm-Tree) schaffte. Bunk stell nun die Frage, warum nicht erst die lkml geprüft werde, bevor sich Entwickler doppelte Arbeit machten.
Bunk fasst verärgert zusammen, dass es offensichtlich Entwickler gäbe, denen es gelinge, hundert und mehr Patches auf einmal einzubringen oder deren Patches direkt von Torvalds an den Maintainern der betroffenen Kernelbestandteile vorbei übernommen werden. Einen Teil dieser Patches habe er bereits früher eingereicht, sie seien jedoch nicht beachtet worden. Torvalds habe ihm noch nicht einmal geantwortet, welches denn der richtige Weg sei, um Patches einzureichen.
Den betroffenen Patch, so Bunk, habe er schon sieben Mal eingereicht, ohne Beachtung zu finden. Der Entwickler fragt nun, ob es Zweifel an der Qualität seiner Arbeit gäbe und schreibt: "Wenn jemand Zweifel an der Qualität meiner Patches hat, der solle Fehler in meinen Commits in Linus Tree finden. Er wird jedoch kaum mehr als 3 Fehler in über 500 Commits finden."
Abschließend stellt Bunk die Vertrauensfrage: "Wenn ihr mich loswerden wollt, dann sagt es einfach und ich trage mich umgehend aus der Liste aus und nerve nicht weiter mit meinen Patches."
Linus Torvalds antwortete mit dem Hinweis Bunk habe ihm die Patches gar nicht zugesandt. Woraufhin Bunk widersprach. Darauf schrieb Torvalds, dass es sich bei besagtem Patch um keinen sicherheitskritischen gehandelt habe und Bunk ihn an den Maintainer des betroffenen Systems hätte schicken sollen. Torvalds: "Ich ignoriere Patches, wenn ich sehe, dass Menschen gibt, die sich um den entsprechenden Bereich kümmern und auch CC-adressiert sind." Es sei also alles so gelaufen, wie es laufen müsse. Es komme zwar vor, dass er einen Patch übersehe, in diesem Fall aber sei das nicht der Fall.
Andrew Morton meldete sich im Verlauf der Diskussion ebenfalls zu Wort: Bunk habe ihm Patches in CC geschickt und er habe angefangen sie zu verarbeiten. Dann aber habe Bunk aufgehört ihn auf CC zu nehmen und er habe folglich aufgehört, die Patches einzuarbeiten. Morton schließt mit der Feststellung: "Du hast entschieden den Workflow zu stoppen und nun beschwerst du dich und beschuldigst andere für die Konsequenzen deines Handelns." In einem weiteren Posting schlägt er Bunk vor, seine Patches zu bündeln. So bekämen die Maintainer einen einzigen Patch statt einem, dem noch ein "Oh-ich-muss-dass-korrigieren"-Patch folgt. Vor allem da Bunks Patches oft bereits aufgenommene Änderung beträfen. Morton schlägt vor, dass sich Bunk bereits den Code im mm-Tree oder im Linux-Next-Tree vornehmen solle.
Linus Torvalds versuchte die Diskussion mit dem Hinweis zu beenden, dass -next und -mm als "Wegwerf"-Zweige dienten und regelmäßig neu aufgebaut werden. Andere Zweige jedoch nicht. Die Kernelentwicklung sei schließlich keine Automation sondern die Arbeit echter Menschen und ein Rebuild sei eine sehr langweilige Arbeit. Ein Antwort Adrian Bunks steht bisher noch aus.





