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© John Wollwerth, 123rf.com

Qt-Entwicklung mit Eclipse und Plugins

Ordentlich aufgemotzt

von Tim Schürmann
Erschienen im Linux-Magazin 2010/01

Die vielseitige Entwicklungsumgebung Eclipse lässt sich per Plugin zur Qt-IDE aufrüsten. Wie sich das aufgemotzte Tool im Vergleich mit Kdevelop und Qt Creator schlägt, verrät dieser Artikel.

Neben den in früheren Artikeln vorgestellten IDEs Qt Creator [1] und Kdevelop [2] empfiehlt sich noch eine dritte Entwicklungsumgebung für angehende Qt-Programmierer: Eclipse. Eigentlich für Java-Entwickler gedacht, lässt sie sich dank modularen Aufbaus zu einem Werkzeug für weitere Sprachen aufrüsten.

IDE-Tuning

Um die Unterstützung für C und C++ kümmert sich das Plugin des CDT-Projekts. Die Integration von Qt und dessen Werkzeugen übernimmt Nokia höchstpersönlich. Die vom Qt-Hersteller bereitgestellte Erweiterung integriert den Qt Designer, stellt Assistenten zum Anlegen von neuen Qt-Projekten und Klassen bereit, kümmert sich (zusammen mit »moc«, »uic« und »rcc«) selbstständig um die automatische Übersetzung des Projekts und bindet die Qt-Dokumentation ein. Für eine komplette Qt-Entwicklungsumgebung auf Basis von Eclipse benötigt der Anwender drei Dinge: Eclipse selbst, das CDT-Plugin und die Erweiterung namens Qt Eclipse Integration.

Das klingt zunächst nach einer Abhängigkeits- und Installationsorgie. Glücklicherweise schnürt die Eclipse Foundation Komplettpakete für verschiedene Anwendungszwecke. Auf ihren Downloadseiten [3] muss der Besucher somit nur noch zum Downloadpaket "Eclipse IDE for C/C++ Developers" greifen und das Zip-Archiv auf der Festplatte entpacken. Da Eclipse selbst in Java geschrieben ist, erfordert die Software zur Ausführung noch das Java Runtime Environment (JRE) von Sun in einer möglichst aktuellen Version.

Nun fehlt nur noch das Qt-Eclipse-Integration-Plugin. Es versteckt sich recht gut auf den Downloadseiten von Qt Software rechts unten im Bereich "Other downloads" [4]. Auf der folgenden Seite genügt es in der Regel, eines der beiden fertig übersetzten Pakete (32 beziehungsweise 64 Bit) herunterzuladen. Das erhaltene Paket entpackt der Benutzer dann direkt in dem Verzeichnis, in dem er auch Eclipse extrahiert hat - und nicht im Eclipse-Verzeichnis selbst. Wichtig ist, dass die im Archiv enthaltenen Dateien in ihren jeweiligen Eclipse-Unterverzeichnissen landen.

Da sich das Qt-Integration-Plugin nur um die Integration der Bibliotheken und Werkzeuge kümmert, muss der Anwender abschließend noch das Qt-SDK separat einspielen. Wie beim JRE erledigt dies ein kurzer Griff zum Paketmanager. Die Aufrüstung einer bestehenden Eclipse-Installation beschreibt der Kasten "Qt-Integration nachrüsten". Abschließend lässt sich Eclipse im Installationsverzeichnis per »./eclipse« aufrufen.


Abbildung 1: Die Ruhe vor dem Sturm: Der Startbildschirm von Eclipse macht noch einen aufgeräumten Eindruck. Die verlinkten Einführungen und Tutorials sind vor allem für Einsteiger lesenswert.

Qt-Integration
nachrüsten

Wer seine bestehende Eclipse-Installation weiterhin nutzen möchte, muss etwas mehr Aufwand treiben. Sofern die CDT-Plugins noch nicht vorhanden sind, rüstet er zunächst diese nach [5]. Das Qt-Integration-Plugin verlangt mindestens nach Eclipse in Version 3.3.2 und einem CDT-Plugin in Version 4.0. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, fahndet der Anwender auf der Festplatte nach dem Eclipse-Plugin-Verzeichnis. Meist lautet der Pfad »/usr/local/eclipse/plugins« oder »/usr/lib/eclipse/plugins«. Jetzt wechselt er in das Verzeichnis, in dem das »eclipse/plugin«-Verzeichnis steckt - in den Beispielen also nach »/usr/local« beziehungsweise »/usr/lib« - und entpackt dort das Qt-Integration-Plugin-Paket. Anschließend startet er Eclipse mit der Kommandozeile »eclipse -clean«, um den Cache zu leeren.

Erste Spritztour

Die Entwicklungsumgebung meldet sich zunächst mit dem Willkommen-Bildschirm aus Abbildung 1, der erfreulich aufgeräumt wirkt. Neulinge sollten die Einführungen und Tutorials hinter den bunten Schaltflächen einmal durchlesen beziehungsweise mitmachen. Nokia hat hier auch ein eigenes Qt-Beispiel und das Plugin-Tutorial hinterlegt.

Die einzelnen Punkte im Willkommen-Bildschirm öffnen direkt die entsprechenden Seiten der eingebauten Onlinehilfe. Wer in Eclipse auch auf den Rest der Qt-Dokumentation einschließlich einer Klassenreferenz zugreifen möchte, muss sich noch die 32 MByte starke "Qt API Reference Documentation for Eclipse" unter [4] herunterladen und sie im Eclipse-Verzeichnis entpacken.

Das wahre Gesicht von Eclipse sieht der Anwender erst, wenn er zur »Workbench« wechselt oder aber ein Projekt öffnet (Abbildung 2). Der Aufbau des Hauptfensters verschlingt mit zahlreichen Registern viel Platz auf dem Bildschirm, Notebooks mit kleineren Monitoren oder gar Netbooks sind damit in aller Regel komplett überfordert. Zwar lässt sich die Oberfläche selbst nach Belieben umgestalten, bei der täglichen Arbeit findet man sich aber spätestens beim Debuggen dann doch wieder vor einem Meer aus offenen Registern wieder.

Abgesehen von kleineren Macken ist Nokia die Integration der Qt-Werkzeuge gut gelungen. Schon beim Anlegen eines neuen Projekts hält der zuständige Assistent hinter »File | New | Project...« einen eigenen Abschnitt für Qt-Anwendungen bereit. Dort gibt der Entwickler seinem Projekt einen Namen, wählt die Basisklasse, kontrolliert die vorgeschlagenen Dateinamen und selektiert schließlich noch die einzubindenden Qt-Module - schon ist alles bereit. Weitere Klassen fügt er später über einen analog aufgebauten Assistenten hinzu.

Die Pfade zu den Qt-Headern und -Werkzeugen muss der Benutzer von Hand in den Grundeinstellungen hinterlegen, andernfalls lässt sich die Anwendung später nicht übersetzen. Weder der Projekt-Assistent noch das Qt-Integration-Plugin können die Verzeichnisse (meist »/usr/bin« und »/usr/include/qt4«) selbst aufspüren. Wurden noch keine Angaben gemacht, öffnet der Projekt-Assistent immerhin automatisch das entsprechende Einstellungsfenster.


Abbildung 2: Die Oberfläche von Eclipse wirkt selbst auf etwas größeren Bildschirmen überfrachtet. Hier sieht man eine typische Arbeitssitzung in der C++-/Qt-Entwicklung.

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