Aus Linux-Magazin 10/2009

Linux fürs Windows-Deployment (Seite 2)

Angebot und Nachfrage

Am Markt kursieren mehrere Konzepte, das Problem zu umgehen. Windows selbst enthält im Active Directory eine rudimentäre Softwareverteilung, jedoch nur für MSI-Pakete [2]. Als lizenzkostenbehaftete Angebote sind Microsofts Systems Management Server (SMS, [3], Nachfolger: System Center Configuration Manager), Materna DX-Union [4], Novell Zen for Desktops [5] sowie Teile von HP Open View [6] und IBM Tivoli [7] zu nennen. Daneben gibt es reine Communityprojekte wie WPKG [8], Unattended [9] oder Unattended-GUI [10]. Bei der Wahl einer Lösung sollte der Admin auf Kosten, Systemvoraussetzungen und das vorhandene Know-how achten.

So ist bei vielen kommerziellen Produkten ein Windows Server erforderlich, für den pro Maschine oder Benutzer entsprechende Clientlizenzen anfallen. Einige Hersteller gehen sogar so weit und unterstützen ausschließlich die speziell durch sie paketierte Software – bei jeder neuen Programmversion fallen dann also wieder Kosten an und der Administrator hat keine Möglichkeit, eigene Pakete zu erstellen.

Im Internet finden sich zahlreiche Seiten, die fertige Installationsskripte bereitstellen [11]. Mit Zeit und Erfahrung kann jeder Administrator damit die Paketierung selbst vornehmen (siehe auch Kasten “Softwareverteilung selbst bauen”). Als problematisch erweisen sich erfahrungsgemäß Spezialprogramme oder Software für Schule und Bildung, da diese oft auf vollkommen veralteten Installationssystemen aufbauen. Praktikabel ist daher eine Lösung, die dem Administrator sowohl die Freiheit lässt, selbst zu paketieren, als auch kommerzielle Unterstützung für diejenigen bietet, die nicht das Know-how oder die Zeit haben.

Softwareverteilung selbst
bauen

Wer keine von der Stange will, kann sich natürlich auch seine eigene Software-Deployment-Lösung bauen. Für die Netzwerkinstallation des in Firmen häufig eingesetzten Windows XP benötigt der Administrator neben dem Original-Datenträger auch entsprechend konfigurierte DHCP-, TFTP- und Samba-Server. Weiterhin muss er den freien BINL-Server [12] betreiben – samt präpariertem Netzwerktreiber – und pro PC eine Datei namens »WINNT.SIF« respektive »UNATTEND.TXT«, die die Setups steuert [13] wie von anderen Lösungen gewohnt.

Das Setup startet als PXE-Boot vom TFTP-Server, installiert die Netzwerktreiber per BINL und lädt dann die Steuerdatei sowie das Image über die Samba-Freigabe. In das Image müssen alle Treiber eingebunden sein, beispielsweise für Grafik, Sound oder Controller [14]. Der gesamte Prozess ist recht aufwändig und kompliziert. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Anleitungen im Netz, beispielsweise unter [15], [16] und [17].

Wer ohnehin einen Windows-Server laufen hat, der kann über den integrierten RIS- beziehungsweise WDS-Dienst die Clients ganz komfortabel installieren und hat dann die freie Wahl, welche Softwareverteilung er einsetzt. Für Windows Vista übrigens hat Microsoft die Installation komplett neu geschrieben, sodass sich sowohl die eingesetzten Protokolle als auch deren Konfiguration stark von denen der Vorgänger unterscheiden, weswegen freie Lösungen dafür noch Mangelware sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein komplett eigenes System nur für Administratoren mit speziellen Anforderungen geeignet ist.

Opsi, die Linux-Lösung

Ein entsprechend geartetes Konzept bietet die Mainzer Firma UIB mit ihrem Produkt “Open PC Server Integration”, kurz Opsi [18] an. Opsi kann sowohl die Installation von Windows 2000, XP, Vista und Windows Server 2003/2008 übers Netzwerk durchführen als auch Anwendungsprogramme installieren. Es enthält eine Inventarisierung von Hard- und Software mit Anbindung an die Windows-Registry und eine Historyfunktion (Abbildungen 1 und 2). Damit verbunden ist ein übersichtliches Lizenzmanagement, das Keys automatisch zuteilt und freigibt, mehrere Lizenzpools verwaltet und dabei Downgrade-Lizenzen unterstützt (Abbildung 3).

Abbildung 1: Mit Opsis automatischer Hardware-Inventarisierung sind alle Details stets direkt verfügbar.

Abbildung 1: Mit Opsis automatischer Hardware-Inventarisierung sind alle Details stets direkt verfügbar.

Abbildung 2: Was tatsächlich auf den Clients installiert ist, verrät die Software-Inventur.

Abbildung 2: Was tatsächlich auf den Clients installiert ist, verrät die Software-Inventur.

Der Hersteller versteht sich als Unterstützer von Open Source und legt seinem Produkt ein entsprechendes Modell zugrunde. Opsi fußt auf freien Komponenten wie Debian GNU/Linux, Samba, TFTP, DHCP sowie MySQL. Die meisten UIB-eigenen Funktionen sind großteils Open Source. Nur die Unterstützung für Windows Vista und Server 2008 (und laut Hersteller auch die für das ab Oktober erhältliche Windows 7), das Lizenzmanagement, die Anbindung per VPN und einige andere Features bleiben zahlenden Kunden vorbehalten (siehe Kasten “Kommerzieller Opsi-Support”). Die Firma verspricht, auch die Kommerzmodule als Open Source zu deklarieren, sobald sie die Entwicklungskosten dafür eingefahren hat.

Abbildung 3: Ordnung ins für proprietäre Software typische Lizenz-Chaos bringt die Lizenzverwaltung.

Abbildung 3: Ordnung ins für proprietäre Software typische Lizenz-Chaos bringt die Lizenzverwaltung.

Kommerzieller
Opsi-Support

UIB, der Hersteller von Opsi, bietet kostenpflichtigen Support (Community-, Professional- und Enterprise-Level), Einführungsworkshops und Schulungen sowie fünf Abonnements für Softwarepaketierungen an, wobei verschiedene Modelle zur Auswahl stehen [19]. Auch Anpassungsleistungen, wie die Erweiterung auf einen Fileserver, sowie die Remote-Administration in Form eines Komplettpaket haben die Mainzer im Angebot. Das Preismodell ist ein bisschen kompliziert und hängt von der jeweiligen Installation, dem Wartungs- und Schulungsbedarf sowie von der Anzahl der benötigten Pakete ab.

Die Homepage weist auf die Möglichkeit hin, sich finanziell an der Entwicklung künftiger Funktionen zu beteiligen. Unter den ausgeschriebenen Projekten sind die Installation von Linux, die Unterstützung mehrerer Rollen, das zeitgesteuerte Installieren per Wake-on-LAN und Templates für einzelne Clients vorgesehen.

Offiziell ist Opsi für Debian, Ubuntu, Suse sowie den Univention Corporate Server erhältlich sowie integriert in eine installierbare Debian-DVD. Insbesondere für erste Tests interessant ist das ebenfalls downloadbare VMware-Image sowohl für den Server als auch den Client – damit kann jedermann Opsi testen, ohne sein bestehenden System zu modifizieren. Auf der DVD der DELUG-Variante dieser Linux-Magazin-Ausgabe findet sich das virtuelle Opsi-Image ebenfalls.

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