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Networking mit Virtualbox

Netzwerk aus der Kiste

von Tim Schürmann
Erschienen im Linux-Magazin 2008/02

Virtualbox bietet gleich drei verschiedene Arten, eine virtuelle Maschine ans Netzwerk zu koppeln. Wer volle Kontrolle möchte, muss aber auf die Kommandozeile abtauchen und kryptische Befehle eingeben.

Wenn virtuelle Maschinen mit einem realen Netzwerk verkuppelt sind, surft es sich wie in einer Sandbox sicher im Internet, ohne Angst vor Viren, Rootkits oder anderen Eindringlingen, die das produktive Hostsystem sehen oder beschädigen könnten. Bei Bedarf tauscht der Benutzer schnell das Plattenimage gegen eine frühere Version.

Admins und Software-Entwickler testen mit virtuellen Netzen gefahrlos verschiedene Konfigurationen, ohne dabei Chaos im echten LAN zu produzieren. Webhoster profitieren von den Vorteilen, indem sie kurzerhand die Internetauftritte ihrer Kunden in jeweils eigene virtuelle Maschine sperren. Die einzelnen Gastsysteme kommen sich nicht ins Gehege und lasten die Hardware besser aus.

Fisch oder Fleisch?

Stetig wachsender Beliebtheit erfreut sich unter den Virtualisierungsvarianten die virtuelle Schachtel aus dem Hause Innotek [1]. Deren Lösung Virtualbox existiert in zwei Geschmacksrichtungen: Während private User die geschlossene kommerzielle Variante kostenlos einsetzen, steht die alternative "Open Source Edition" komplett unter der GPL.

Open Source oder kommerziell?

Die beiden Schachtelinhalte unterscheiden sich bei der Unterstützung für USB-Geräte und der Remote-Desktop-Funktion, die Innotek ausschließlich der Closed-Source-Variante spendiert hat. Beide Ausgaben unterstützen von Linux über OS/2 und Windows/DOS eine Vielzahl von Betriebssystemen, die Administration erfolgt über eine grafische Benutzeroberfläche.

Die Open-Source-Kiste erweist sich unter Linux als sperrig, zumindest was die Installation angeht (siehe Kasten "Installation der Open-Source-Variante"). Besser integriert sind die Pakete aus den Distributions-Repositories, meist bietet bereits das Paketmanagement Virtualbox an, mit den richtigen Installations-Quellen reicht etwa unter Ubuntu »apt-get install virtualbox«, unter Suse »zypper in virtualbox«.

Ein Klick oder der Befehl »VirtualBox« startet das GUI, das Icon »Neu« erstellt eine virtuelle Maschine, ein Assistent führt durch die Einrichtung. Als Ersatz für eine echte Partition dient eine Datei mit einem Festplattenimage. Hier erweist es sich als eine gute Wahl, für deren Größe die Einstellung »dynamisch« zu wählen, dann wächst sie mit den Inhalten mit und spart wertvollen Plattenplatz. Sobald die Emulation läuft, fängt das zugehörige Fenster den Mauszeiger vollständig ein, die rechte [Strg]-Taste funktioniert als so genannter Host-Key und gibt ihn wieder frei.

Installation der
Open-Source-Variante

Für die Übersetzung des Quellcode sind folgende Werkzeuge und Bibliotheken erforderlich, einschließlich ihrer Entwicklungspakete:

  • GCC
  • Assembler »as86« (meist Teil des
    »dev86«- oder »bin86«-Pakets)
  • Bruce Evans Compiler BCC (meist im
    »dev86«-Paket),
  • Intels ACPI-Compiler IASL (bei Open Suse beispielsweise in den
    »pmtools«)
  • »libxslt«
  • »libxerces«
  • »libxalan«
  • QT ab Version 3.3.5
  • »libidl«
  • SDL, Alsa und HAL in Form der »libhal«

Sobald alle Abhängigkeiten aufgelöst sind, lädt ein beherztes »wget http://www.virtualbox.org/download/1.5.2/VirtualBox-1.5.2_OSE.tar.bz2« das Quellcode-Archiv [2] herunter.

Nach dem Entpacken sorgen im Unterverzeichnis mit dem Virtualbox-Quellcode folgende Befehle für die Konfiguration:

./configure
source ./env.sh
kmk all

Virtualbox und dessen Hilfsprogramme landen damit im Unterverzeichnis »out/linux.x86/release/bin/«. Bevor die Schachtel starten kann, braucht das System aber noch das passende Kernelmodul:

cd out/linux.x86/release/bin/src
make
sudo make install

Diese Kompilierungsorgie funktioniert natürlich nur, wenn die Kernelsourcen installiert sind. Das fertige Kernelmodul aktiviert Root per »modprobe vboxdrv«, anschließend erlaubt er auch einfachen Benutzern den Zugriff auf die neue Gerätedatei: »chmod 666 /dev/vboxdrv«. Danach darf Virtualbox endlich losrattern:

LD_LIBRARY_PATH=. ./VBoxSVC&
LD_LIBRARY_PATH=. ./Virtualbox

Virtualbox besteht aus zwei Teilen, dem XPCOM-Daemon »VBoxSVC« und dem Frontend »Virtualbox«. Der Dämon muss selbstverständlich vor dem GUI laufen, eine gesonderte Installation ist nicht notwendig, die beschriebenen Schritte starten Virtualbox direkt aus einem lokalen Ordner.

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