Aus Linux-Magazin 04/2006

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Conary verspricht die Paketmisere ein für alle Mal zu lösen, das Ecology-Howto gibt Tipps zum umweltverträglichen Computing. Angehende Trickfilmregisseure unterstützt das Programm Stopmotion.

Abbildung 1: Auf dem Weg zu Spiderman 3: Die Software Stopmotion unterstützt den Hobbyregisseur bei selbst gemachten Animationsfilmen nach dem Stop-Motion-Prinzip.

Abbildung 1: Auf dem Weg zu Spiderman 3: Die Software Stopmotion unterstützt den Hobbyregisseur bei selbst gemachten Animationsfilmen nach dem Stop-Motion-Prinzip.

Je mehr Distributionen, Softwarepakete und Repositories es gibt, desto mehr spitzen sich die Probleme mit dem Paketmanagement zu: ungelöste Abhängigkeiten, unpassende Bibliotheken, überschriebene Anpassungen. Höchste Zeit, sich Gedanken zu deren Lösung zu machen. Einen radikalen Weg hat dabei die Firma Rpath [1] eingeschlagen, die sich vor allem aus ehemaligen Red-Hat-Mitarbeitern zusammensetzt, von den Entwicklern bis zum Management.

Besonders bedeutsam ist die Mitwirkung von Erik Troan, dem Erfinder des RPM-Paketmanagements, und Michael K. Johnson, der die Kernelentwicklung und später das Fedora-Projekt bei Red Hat leitete. Zusammen mit weiteren ehemals leitenden Entwicklern also geballte Linux-Kompetenz. Mit ihr entwickelt Rpath eine eigenen Linux-Distribution, die anderen Projekten oder Firmen als Basis für spezielle Linux-Varianten dienen soll. Solche so genannten Software-Appliances werden im Zusammenspiel mit einer Hardwareplattform zu Hardware-Appliances.

Linux-Baukasten

Fürs Paketmanagement der Distribution entwickelt Rpath das Conary-System [2], das die beschriebenen Probleme lösen will. Es ist nicht mit anderen Paketformaten kompatibel, arbeitet also nur auf Systemen, die von Haus aus dafür ausgelegt sind, etwa Rpath Linux oder das darauf basierende Foresight Linux [3] von Ken van Dine, das stets die neuesten Versionen von Gnome und damit zusammenhängenden Technologien wie Hal oder Beagle enthält.

Zum einen systematisiert Conary die Versionsnummern von Programmen und Libraries, die häufig nicht mehr zu entschlüsseln sind. So erscheint bei RPM- und Debian-Paketen hinter dem Namen die Versionsnummer der Software, gefolgt von weiteren Versionskennzeichen der Paketbauer. Häufig erhöhen die Distributoren die Versionen auch nur bei einem neuen Build, was die tatsächliche Version schwer erkennbar macht. Zum anderen ist Conary von vornherein darauf ausgelegt, verteilte Third-Party-Repositories gemeinsam mit dem Archiv des Distributors zu verwenden.

CVS für Distributionen

Zur Lösung dieser Probleme geht Conary neue Wege: Es verwendet fürs Paketmanagement die Mechanismen verteilter Sourcecode-Verwaltung wie zum Beispiel Arch und Monotone [4]. Es untergliedert zu installierende Software feiner und respektiert über ein recht komplexes System von Versionen und Branches auch individuelle Änderungen (Abbildung 2): Hat der Sysop etwa mehrere Binaries eines Pakets mit restriktiveren Rechten ausgestattet, erhält ein Paket-Update mit Conary diese Änderungen. Hierarchisch aufgebaute Namensräume erlauben das Mischen von Paketen mehrerer Repositories, ohne dass es zu Zusammenstößen kommt.

Abbildung 2: Das innovative Paket-Managementsystem Conary orientiert sich an Konzepten zur verteilten Quellcodeverwaltung. Hier die Komponenten des Imagemagick-Pakets in Kurz- und Langform.

Abbildung 2: Das innovative Paket-Managementsystem Conary orientiert sich an Konzepten zur verteilten Quellcodeverwaltung. Hier die Komponenten des Imagemagick-Pakets in Kurz- und Langform.

Um Conary auszuprobieren, bieten sich zurzeit die beiden erwähnten Distribution an. Rpath liegt noch als Betaversion 0.99 vor, die Release steht kurz bevor. Beide lassen sich problemlos installieren und ähneln, abgesehen vom Paketmanagement, den bekannten Red-Hat- oder Fedora-Distributionen.

Energie sparen

Auch auf Hardware-Ebene bleibt die Entwicklung nicht stehen. Doch die kurzen Innovationszyklen bringen nicht nur Vorteile. So sind moderne PC-Systeme nicht nur gehörige Stromfresser, sondern hinterlassen auch nach ihrem Ableben eine Menge Schrott, der sich auf den Müllhalden dieser Welt auftürmt. Alles Gründe, sich auch mit Linux um umweltverträgliches Computing zu kümmern, einerseits beim Stromsparen im Betrieb, andererseits durch Verlängerung der Lebensdauer.

Viele Tipps dazu gibt das Linux-Ecology-Computing-Howto [5], das seit kurzem in Version 0.13 vorliegt. Ursprünglicher Autor des Dokuments ist Wade W. Hampton, jetzt betreut es Werner Heuser von Tuxmobil, das bis zum Markenrechtsstreit mit dem Asterix-Verlag noch Mobilix hieß. Das Howto beginnt beim Stromsparen durch den Kauf der passenden Hardware und bei der richtigen Einstellung des Betriebssystems, beschäftigt sich dabei aber auch mit der Dämmung überlauter Computer. Methoden zum Sparen von Verbrauchsmaterial (Papier, Tinte und so fort) stehen genauso auf dem Plan wie dessen Recycling.

Ein eigenes Kapitel ist schließlich der Ausweitung der Hardware-Lebensdauer gewidmet: Das Ecology-Howto gibt Tipps, wie man Linux auf älterer Hardware installiert oder mit dem Bad-RAM-Patch trotz fehlerhafter Speicherbausteine weiterarbeiten kann. Abgerundet wird die Anleitung durch ein buntes Sammelsurium an Hinweisen auf Computerspiele mit Öko-Komponente und Software, die Zusammenhänge in der Ökosphäre simuliert.

Filme drehen

Aus dem Umfeld der norwegischen Schuldistribution Skolelinux stammt das Programm Stopmotion [6]. Es unterstützt angehende Trickfilmer beim Drehen so genannter Stop-Motion-Animationen. Solche Filme entstehen Einzelbild für Einzelbild, während zwischen den Aufnahmen die modellierten Figuren und die Szene bewegt werden. Bekannte Beispiele dafür sind “Wallace” und “Gromit” oder in neuester Zeit Tim Burtons “Corpse Bride”. In der Hobbyisten-Szene haben es Brickfilms [7] zu bescheidener Berühmtheit gebracht, kleine Filmchen mit Lego-Figuren und -Szenarien.

Stopmotion setzt eine Videokamera oder Webcam voraus, deren Treiber das V4L-Interface (Video for Linux) unterstützt. Das Programm zeigt das laufende Videobild an und nimmt auf Knopfdruck ein Bild auf, das es in der Zeitleiste ablegt. Der Witz an der Software ist, dass sie dieses Bild anschließend dem laufenden Video überblendet. Verändert der Hobbyfilmer nun die Szene, kann er sich an der Einblendung orientieren und die Figur der geplanten Bewegung entsprechend verändern (Abbildung 1).

Stopmotion setzt Qt 3, SDL-Image und Libtar voraus. Das Video verarbeitet es von Haus aus mit dem Kommandozeilentool »vgrabbj«, es lässt sich aber durch andere Capture-Programme ersetzen. Fertige Animationen speichert Stopmotion über externe Tools wie Mencoder oder Fffmpeg in Mpeg-Formaten.

Minestrone

Der klassische italienische Suppeneintopf verträgt im Prinzip jedes Gemüse, das gerade zur Hand ist. Obligatorisch ist eine Zwiebel, die für zwei bis drei Portionen reicht. Diese klein hacken, eine Knoblauchzehe mit der Messerquerseite zerquetschen und eine große Möhre in Würfel schneiden. Typischerweise kommt in die Suppe eine gewürfelte Stange Staudensellerie, zur Not geht auch ein Stück einer Knolle.

In einem Topf Olivenöl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch dazugeben und ein paar Minuten unter Rühren dünsten, ohne dass sie bräunen. Das restliche Gemüse dazugeben und einen Esslöffel Tomatenmark hinzufügen. Etwas weiterdünsten und mit einem halben Liter Brühe aufgießen. Je eine Prise Oregano und Thymian in die Suppe streuen und auf niedriger Hitze kochen lassen. Nach zehn Minuten eine gute Hand voll Nudeln mit passender Kochzeit in die Suppe geben. Es dauert noch weitere zehn Minuten, bis Gemüse und Nudeln durch, aber noch nicht verkocht sind.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf Suppenteller verteilen. Nach Geschmack Parmesan über die Minestrone hobeln. Wer möchte, kann noch einen halben Teelöffel Basilikumpesto in jeden Teller geben. Guten Appetit.

Infos

[1] Rpath: [http://www.rpath.com]

[2] Conary: [http://wiki.conary.com/FrontPage]

[3] Foresight Linux: [http://www.foresightlinux.com]

[4] Nico Schottelius, “Arch und Monotone”: Linux-Magazin 02/05, S. 104

[5] Linux Ecology Howto: [http://www.tldp.org/HOWTO/Ecology-HOWTO]

[6] Stopmotion: [http://developer.skolelinux.no/info/studentgrupper/2005-hig-stopmotion]

[7] Brickfilms: [http://www.brickfilms.com]

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