Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2013
karen roach, 123RF

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Kolab 3.1 I-Rony bringt Caldav- und Carddav-Support

Organisierte Ironie

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Offene Standards und Open Source sind das Dogma der Groupware Kolab. Die aktuelle Alpha der kommenden Version 3.1 erweitert mit den Protokolle Caldav und Carddav die Zahl der kompatiblen Clients immens: Bald sollen so Kolab-Daten auch auf I-OS, Mac OS X, Thunderbird und Evolution kommen.

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Mit zunehmender Verbreitung mobiler Clients kommen Admins immer seltener darum herum, ihren Anwendern Remotezugriff auf Kalender und Adressdaten einzurichten. Trotz seiner Veranlagung als Open-Source- und Open-Standards-getriebene Groupware hat das einst vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mitinitiierte Kolab [1] hierbei bislang wenig zu bieten: Nur die eigenen Clients (Kontact, das Webinterface Horde und später Roundcube, dazu proprietäre Outlook-Plugins) konnten die zentralen Kalender und Adressen nutzen. Mobilgeräte fanden nur über Microsofts Active-Sync-Protokoll oder (bis Kolab 3) übers veraltete Sync ML Kontakt zur quelloffenen Groupware.

Ab der anstehenden Version 3.1 bringt das Kolab-Team rund um die Schweizer Firma Kolab Systems auch die offenen Protokollstandards Caldav und Carddav für den Austausch von Terminen, Aufgaben und Kontakten in den Server: So lassen sich nun viele existierende Groupware-fähige Clients wie die Thunderbird-Extension Lightning, Evolution, OS-X-Anwendungen wie Apples I-Cal sowie I-OS- und Android-Systeme mit Kolab-Daten versorgen.

Damit das funktioniert, hat das Kolab-Team das Rad nicht neu erfunden, sondern integriert das bewährte PHP-Paket von Sabredav ([2], Abbildung 1), das den Webdav-Protokollstack als Server implementiert. Die damit in Kolab neu geschaffene Protokollschicht hört auf den Namen I-Rony [3] und ist ab der kommenden Version 3.1 fester Bestandteil des Groupwarepakets.

Abbildung 1: Auf der Webseite Mykolab.com bietet Kolab Systems einen Webdienst, der alle Funktionen der Kolab-Groupware beinhaltet. Im Bild der Filebrowser, den Sabredav bereitstellt

Eine komplette Testinstallation gelingt seit Kolab 3.0 schon mit ein bis zwei Tassen Kaffee und stellt keine großen Anforderungen mehr an den Admin. Das unter [4] Beschriebene gilt auch für die bei Redaktionsschluss vorliegende Alphaversion. Die Kolab-Entwickler empfehlen ein aktuelles Centos (am besten also 6.4) als Basis und fordern nur wenige Vorarbeiten: Ein FQDN ist nötig, SE Linux muss im Permissive-Modus laufen.

Nachdem der künftige Kolab-Administrator die drei RPMs aus Listing 1 installiert hat, setzt er mit »yum install kolab« komfortabel das gesamte Groupwarepaket auf. Dessen Konfiguration erledigt er mit dem Kommando »setup-kolab« , was unter anderem dabei hilft, die Admin-Passwörter der Dienste zu definieren.

Listing 1

Kolab-RPMs installieren

01 # EPEL installieren
02 rpm -Uvh http://mirror.switch.ch/ftp/mirror/epel/6/i386/epel-release-6-8.noarch.rpm
03 # Kolab 3.1 Community Release Package installieren
04 rpm -Uvh http://mirror.kolabsys.com/pub/redhat/kolab-3.1/el6/development/i386/kolab-3.1-community-release-6-2.el6.kolab_3.1.noarch.rpm
05 # Kolab Development Package installieren
06 rpm -Uvh http://mirror.kolabsys.com/pub/redhat/kolab-3.1/el6/development/i386/kolab-3.1-community-release-development-6-2.el6.kolab_3.1.noarch.rpm

Stolperstein Standardkonfiguration

Über die URL »http://Kolab-Server/kolab-webadmin« sollte der Administrator nun Zugang zum Admin-GUI haben. Die Anmeldung klappt mit dem Usernamen »cn=Directory Manager« und dem zuvor definierten Admin-Passwort.

Es empfiehlt sich, als ersten Verwaltungsakt einen normalen User anzulegen. Mit diesem gelingt anschließend der Login in Roundcubemail, dem Kolab-Webclient, der unter »http://Kolab-Server/roundcubemail« erreichbar ist. Dabei kann als Benutzername beim Login einer der Aliase oder die Mailadresse dienen. Mit diesem User sind flugs einige Kalender, Adressen und Aufgaben erstellt, die Testmaterial für die Anbindung mit Dav-Clients liefern können.

Bei der getesteten Version gab es jedoch bis Redaktionsschluss ein Konfigurationsproblem, das die Benutzung von I-Rony verhinderte: Kolab publiziert seine Dav-Dienste unter der URL »http://Kolab-Server/iRony« . Diese liefert anfangs aber eine URL-Exception (Listing 2), die jedoch mit Hilfe aus der Kolab-Mailingliste einfach zu beheben war: In der I-Rony-Konfigurationsdatei »/etc/iRony/dav.inc.php« ersetzt der Administrator den Wert des Konfigurationsparameters »$rcmail_config['base_uri']« durch »'/iRony/'« und startet mit »service kolabd restart« den Kolab-Daemon neu. Damit ist Kolab startklar für den Austausch von Daten über den I-Rony-Protokollstack.

Listing 2

I-Rony sträubt sich

01 <d:error>
02 <s:exception>Sabre\DAV\Exception\Forbidden</s:exception>
03 <s:message>Requested uri (/iRony/) is out of base uri (ony/public_html/)</s:message>
04 <s:sabredav-version>1.8.6</s:sabredav-version>
05 </d:error>

Anbandlversuche

Nun muss der designierte Client den ersten Verbindungsversuch über eines der Dav-Protokolle mit Kolab meistern. Grundsätzlich ist im Client die Kolab-Server-URL nach dem Schema »http://Kolab-Server/iRony« anzugeben. Alternativ kann der Anwender theoretisch sogar das Unterverzeichnis weglassen, denn standardkonforme Clients suchen zunächst nach der so genannten Principals Adress unter »../.well-known/caldav« .

Die Kolab-I-Rony-Konfiguration des Apache beinhaltet entsprechende Redirects, die diesen Aufruf nach »/iRony/« umleiten. Mit dem auf diese Weise abgefragten Usernamen lässt sich das korrekte Userverzeichnis lokalisieren.

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