Wenn es um Übersicht in komplizierten Systemen geht, helfen Schaubilder und Diagramme dem menschlichen Denkvermögen auf die Sprünge. Bleistiftskizzen, die einfachste Art der Visualisierung, haben allerdings einige Nachteile: Die Zeichnungen lassen sich erst nach einem Scan per Mail verschicken. Nachträgliche Änderungen sind nur beschränkt möglich. Last but not least sind Skizzen auf Papier nicht resistent gegen Aufräumaktionen der Kollegen oder des Reinigungspersonals.
Wer Diagramme, die die Netzwerktopologie des Unternehmens oder die Aufgabenverteilung einer Arbeitsgruppe veranschaulichen, auf dem Computer zeichnen möchte, ist mit Diagrammeditoren besser bedient als mit einem gewöhnlichen Zeichenprogramm. Auf diese Aufgabe spezialisierte Software nimmt dem Anwender viel Arbeit ab, indem sie zwischen vordefinierten Bildelementen automatisch Verbindungslinien zeichnen. Im Idealfall sorgt Autorouting dafür, dass die Verbindungen auch dann noch günstig verlaufen, wenn der Benutzer die verknüpften Objekte verschiebt.
Dia
Der Klassiker unter den Diagrammeditoren unter Linux heißt Dia [1]. Die Software, die in Version 0.96 vorliegt, zeichnet sich durch Flexibilität und großen Leistungsumfang aus. Die Anwendungsgebiete reichen von UML-Diagrammen für objektorientierte Softwareprojekte über Schaltbilder aus der Elektronik oder Elektrotechnik bis zu Plänen aus der Architektur. Eine der Grundlagen für diese Vielseitigkeit sind die so genannten Sheets (Objektbögen in der deutschen Lokalisierung).
Dabei handelt es sich um nach Anwendungsgebieten gruppierte Formtemplates. Mit ihrer Hilfe stehen dem Anwender mit einem einfachen Mausklick UML-Elemente wie Klassen, Abhängigkeiten und Akteure oder Glühlampen und Stromquellen und viele andere Symbole zur Verfügung (Abbildung 1). Neue Formen entstehen aus SVG-Grafiken, die allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen [2].
Abbildung 1: Der Diagrammeditor Dia besticht durch seinen Leistungsumfang.
Schablonenhaft
Der Anwender fügt Schablonenformen durch Auswahl in der Objektpalette und Klick in die Zeichenfläche ein. Hält er dabei die Maustaste gedrückt, skaliert er zugleich die neuen Objekte, vermag sie allerdings nicht zu drehen. Zwar ist es bei vielen Diagrammtypen, zum Beispiel UML-Diagrammen oder Flussdiagrammen, üblich, Symbole stets aufrecht stehend einzufügen. Bei Elementen vom Typ Bitmap oder bei elektronischen Bauelementen wäre eine Rotieren-Funktion trotzdem hilfreich. Die Objektbögen könnten dann auf horizontale und vertikale Versionen desselben Objekttyps verzichten.
Außer vorgefertigten Elementen stellt Dia auch Werkzeuge fürs freie Zeichnen bereit: Neben einem Rechteck- und Ellipsenwerkzeug gibt es Tools für Vielecke und Beziérkurven. Die fallen aber im Vergleich zu Zeichenprogrammen wie Inkscape weniger leistungsfähig aus: Das Polygonwerkzeug startet stets mit einem Dreieck. Der Benutzer fügt per Rechtsklick an einer beliebigen Stelle einen Eckpunkt ein. Regelmäßige Vielecke lassen sich so nur schwer erstellen.
Auch das Beziér-Werkzeug startet stets mit einer geschlossenen Kurve mit zwei Kontrollpunkten, zu denen der Benutzer wie bei den Polygonen weitere hinzufügt. Das ist weniger intuitiv als der gewöhnliche Arbeitsablauf, bei dem ein Mausklick den Kontrollpunkt platziert und das Ziehen der Maus Stärke und Richtung der Krümmung einstellt.
« Zurück
1
2
3
4
5
Weiter »