Übersicht Groupware-Server, Teil 1

Fast jedes Unternehmen hat Bedarf an Groupware, und das Angebot ist nahezu unüberschaubar. Grund genug, die existierenden Software-Pakete zu sichten. Dieser erste Teil einer Groupware-Übersicht widmet sich den arrivierten Programmen mit Support durch Firmen.

Das Open-Source-Portal Sourceforge kennt über 200 Treffer zum Thema Groupware, und dabei sind viele kommerzielle Produkte noch gar nicht eingerechnet. Viele Hersteller teilen sich den Markt der Exchange-Alternativen, aber nur wenige davon sind den potentiellen Benutzern bekannt. Nicht nur die Platzhirsche wie IBMs Lotus, Open-Xchange, Scalix oder Novells Groupwise verfügen über Qualitäten, die auch oder gerade in großen Unternehmen Linux-basierte Groupware-Systeme ermöglichen. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über den ständig wachsenden Markt der Groupware-Software. Nicht alle davon sind als Open Source lizenziert, aber alle laufen auf Linux.

Insight

Als All-In-One-Paket bringt Insight von Hersteller Bynari eine umfangreiche Sammlung freier Software mit: LDAP, SQL,Postfix, Cyrus, Proftp und Jabber. Darüber hinaus gibt es auch eine fast vollständig automatische Installationsroutine, ein funktionales Web-Interface und passende Outlook-Integration mit einem eigenen Konnektor. Verbesserungswürdig sind allerdings die Fehlerbehandlung im Installer und der Funktionsumfang der Groupware.

Webseite: http://www.bynari.net

Einfach, aber funktional: Der Webclient von Bynaris Insight.

Einfach, aber funktional: Der Webclient von Bynaris Insight.

Egroupware

Die webbasierte Groupware glänzt durch ein vorbildliches modulares Konzept,
das fast keine Wünsche offenlässt, wenn Protokolle und Dienste integriert werden sollen. Überhaupt bietet Egroupware wohl den größten Funktionsumfang aller Groupware-Systeme, auch wenn es dann manchmal an der umgesetzten Tiefe mangelt. Das Ganze ist Open-Source-Software unter der GPL.

Webseite: http://www.egroupware.org

Egroupware bringt umfangreiche Funktionen mit, die Abbildung zeigt das Modul Projektmanagement in Version 1.4.

Egroupware bringt umfangreiche Funktionen mit, die Abbildung zeigt das Modul Projektmanagement in Version 1.4.

Novell Groupwise

Groupwise ist eines der ältesten Collaboration-Systeme überhaupt, und die Zielgruppe des Herstellers sind sicherlich nicht die kleinen Unternehmen. Die entsprechend aufwändige Installation (Edirectory wird vorausgesetzt) und das notwendig Know-How kompensiert Groupwise allerdings mit einem sehr großen Funktionsumfang und hoher Stabilität.

Website:http://www.novell.com/de-de/products/groupwise

Novells Groupwise bringt einen eigenen Client mit, der mittlerweile dank Java auch unter Linux bereit steht. Das Look and Feel ist dabei stark an Outlook angelehnt.

Novells Groupwise bringt einen eigenen Client mit, der mittlerweile dank Java auch unter Linux bereit steht. Das Look and Feel ist dabei stark an Outlook angelehnt.

Kolab

Einst vom BSI angestoßen, haben die Entwickler der Firma Intevation mittlerweile eines der renommiertesten Open-Source-Projekte unter Ihren Fittichen. Kolab ist der einzige Groupware-Server, der fast alle Daten im IMAP speichert und daher ohne Datenbank auskommt. Und das beste: Auch Kolab ist komplett frei, nur der Outlook-Connector unterliegt einer proprietären Lizenz.

Webseite: http://www.kolab.org

Kontact ist einer der drei Standard-Clients für Kolab. Der Webclient ist mit Horde realisiert, kommerzielle Outlook-Konnektoren gibt es ebenfalls.

Kontact ist einer der drei Standard-Clients für Kolab. Der Webclient ist mit Horde realisiert, kommerzielle Outlook-Konnektoren gibt es ebenfalls.

Opengroupware

Ebenfalls komplett unter der GPL steht Opengroupware, kurz Ogo, zur Verfügung. Als Komplettsystem namens Instant-Ogo (Version 2.2 vom September 2007) basiert es auf der Linux-Distribution Centos 5 und bringt viel Open-Source-Software mit, zum Beispiel OpenLDAP, Postfix und Cyrus. Ogo zeichnet sich durch eine herausragende Unterstützung für fast alle gängigen Groupware-Protokolle aus, sogar GroupDAV wird bereits unterstützt.

Webseite: http://opengroupware.org

Opengroupware kommt mit umfangreichen Modulen und unterstützt zahlreiche freie Protokolle, darunter auch GroupDAV.

Opengroupware kommt mit umfangreichen Modulen und unterstützt zahlreiche freie Protokolle, darunter auch GroupDAV.

Open-Xchange

Der ehemaligen Suse Linux Open Xchange Server (SLOX), dessen Quelltext der Hersteller Netline 2004 unter der GPL veröffentlichte, hat eine große Fangemeinde und konnte 2007 durch diverse Verträge mit Hostern wie 1und1 erhebliche Medienpräsenz erreichen. Die Oberfläche wurde überarbeitet und stärker für Outlook-User optimiert, das umfangreiche Paket umfasst auch Dokumenten-, Projekt- und Rechte-Management.

Webseite: http://www.open-xchange.com/DE

Dokumentenmanagement, Rechteverwaltung und Projektmanagement inklusive: Open-Xchange, der Nachfolger des SLOX bietet viele Funktionen und unterliegt der GPL.

Dokumentenmanagement, Rechteverwaltung und Projektmanagement inklusive: Open-Xchange, der Nachfolger des SLOX bietet viele Funktionen und unterliegt der GPL.

Scalix

HP Openmail war einer der Groupware-Stars der Neunziger Jahre und galt lange als besser, stabiler und sicherer als der Platzhirsch Microsoft Exchange. Scalix hat dieses Erbe angetreten und kombiniert die Software mit umfangreichen Administrationstools, nahtloser Integration mit Active Directory und fast unbegrenzten Cluster-Fähigkeiten. Als Clients dienen Outlook, ein Webclient, Kontact und ab der für Januar angekündigten Version 10.3 auch alle CalDAV-fähigen Clients. Seit der Hersteller im Sommer 2006 ankündigte, einen Teil der Software unter eine freie Lizenz zu stellen, erfreut sich Scalix wachsender Beliebtheit, auch wenn die Kernkomponenten immer noch proprietär sind.

Webseite:
http://de.scalix.com

Scalix, der Nachfolger von HP Openmail, bringt nahtlose Active-Directory-Integration, Clustering und Multi-Server-Setups. Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der Administrationskonsole.

Scalix, der Nachfolger von HP Openmail, bringt nahtlose Active-Directory-Integration, Clustering und Multi-Server-Setups. Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt der Administrationskonsole.

Zimbra

Der Shooting Star unter den Web-Groupware-Systemen mit Ajax-Unterstützung sorgte im Sommer 2006 für Aufsehen. Zimlets, vollautomatische Skripte, lassen über Adressen die passenden Stadtpläne erscheinen oder prüfen in Kalendern Verfügbarkeiten. Den Preis für den Komfort zahlt allerdings der Betreiber des Servers: Ab 20-30 Usern pro Server wird es eng mit RAM und CPU. Ein eigener Outlook-Connector steht zur Verfügung.

Webseite:
http://www.zimbra.com

Zimbra überzeugt dank einfallsreicher Ajax-Applets, Zimlets genannt, durch eine überraschende Informationsfülle. Der Preis dafür ist allerdings ein hoher Ressourcenbedarf auf dem Server.

Zimbra überzeugt dank einfallsreicher Ajax-Applets, Zimlets genannt, durch eine überraschende Informationsfülle. Der Preis dafür ist allerdings ein hoher Ressourcenbedarf auf dem Server.

Citadel

Seit 1982 existiert das Open-Source-Softwareprojekt Citadel. Als textbasiertes Bulletin Board System BBS begonnen, erhielt es nach und nach modernere Technologien wie zum Beispiel den Webclient für Benutzer und Administratoren namens Webcit. Citadel, das mittlerwile komplett unter GPLv3 steht, lässt wenig Wünsche offen: Es beherrscht Replikation, Verteilung und automatische Synchronisation, Kontact als Client und Syncml für Mobile Geräte, oder ein schnelles CLI für Benutzer und Admins. Haben sich Citadel-Neulinge erst mal an das ungewohnte Raumkonzept gewöhnt, lockt ein hochperformantes System mit vielen Features.

Webseite: http://www.citadel.org

Citadel, das ehemalige BBS, ist heute eines der ältesten freien Software-Projekte. Die Abbildung zeigt den Webclient webcit bei der Administration eines Kalenders.

Citadel, das ehemalige BBS, ist heute eines der ältesten freien Software-Projekte. Die Abbildung zeigt den Webclient webcit bei der Administration eines Kalenders.

Lotus

Für viele Windows-Anwender ist der Begriff Groupware ein Synonym für entweder Exchange oder Lotus. Aber der Bereich Groupware stellt in IBMs Flagschiff eigentlich nur eine untergeordnete Rolle, das Gespann Notes/Domino stellt eher eine Applikations-Plattform mit eigener Datenbank-Entwicklungs-Umgebung dar. Dokumentenmanagement, Collaboration-Suite, Administrationswerkzeuge und vieles mehr sind bereits implementiert. Clients gibt es für fast jede Plattform, aber das Ganze hat auch seinen Preis.

Webseite: http://www.ibm.com/software/de/lotus

Eher eine Plattform für die Anwendungsentwicklung denn eine Groupware: das Gespann Lotus Notes und Domino Server.

Eher eine Plattform für die Anwendungsentwicklung denn eine Groupware: das Gespann Lotus Notes und Domino Server.

Zarafa

Outlook Sharing auf Linux, das verspricht Zarafa. Die deutsch-niederländischen Hersteller, deren Produkt auch aus Exchange4Linux hervorging, speichern die über MAPI erhaltenen Daten in einer SQL-Datenbank und bieten für Outlook- und Web-Clients umfangreiche Groupware-Funktionen an. PHP-kundige Administratoren können dann mit eigenen Skripten das Groupwaresystem automatisieren und individualisieren.

Webseite: http://www.zarafaserver.de

Auch Zarafa hat Ahnen: Es basiert auf Exchange4Linux und übersetzt speichert die Ergebnisse der MAPI-Kommunikation mit den Outlook-Clients in einer SQL-Datenbank.

Auch Zarafa hat Ahnen: Es basiert auf Exchange4Linux und übersetzt speichert die Ergebnisse der MAPI-Kommunikation mit den Outlook-Clients in einer SQL-Datenbank.

Der zweite Teil dieser Groupware-Übersicht wird sich neuen und weniger bekannten Programmen widmen.

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