Einem hybriden Angriff, etwa durch gezielte Sabotage der Infrastruktur oder durch Ransomware, könnten deutsche Unternehmen im Schnitt nur 20 Stunden standhalten.
Jedes fünfte (21 Prozent) müsste sogar sofort die Arbeit einstellen. Umgekehrt sind nur 8 Prozent sicher, länger als 48 Stunden weiterarbeiten zu können. Zugleich rechnen drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe. Das sind Ergebnisse einer Befragung von 604 Unternehmen ab 10 Beschäftigten in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz und der Munich Cyber Security Conference vorgestellt wurde.
“Anfang Januar mussten nach
einem Anschlag mehr als 100 000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen, mehr als 2 000 Unternehmen waren betroffen. Hybride Angriffe auf Deutschland, die sich in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen, sind kein potenzielles Risiko, sie sind Realität. Deshalb müssen wir die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv hochfahren”, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Aktuell sagen drei Viertel (73 Prozent) der Unternehmen, Deutschland sei im interna
tionalen Vergleich unzureichend auf hybride Angriffe vorbereitet.
Als besonders gefährdet gelten nach Ansicht der Unternehmen die Energieversorgung (90 Prozent) sowie Banken und Versicherungen (89 Prozent). 77 Prozent sagen, die

(C) Bitkom
Wasser- und Abwasserversorgung sei stark gefährdet, 67 Prozent die Lebensmittelversorgung, 65 Prozent das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten und 64 Prozent Telekommunikation und IT. Rund die Hälfte nennen Transport und Verkehr (54 Prozent) sowie die öffentliche Verwaltung (50 Prozent). Erfolgreiche Angriffe auf diese Sektoren hätten nach Meinung der Unternehmen große Auswirkungen auf ihren Betrieb.
Die Wirtschaft ist nicht nur indirekt von hybriden Angriffen betroffen, Unternehmen werden auch ganz unmittelbar Opfer von Cyberangriffen und Sabotage. Eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent hält es für wahrscheinlich, selbst Ziel hybrider Angriffe zu werden, bei 61 Prozent ist der Schutz vor diesen Attacken Chefsache. Zugleich hält sich kein Unternehmen für sehr gut darauf vorbereitet, nur 12 Prozent für eher gut. 38 Prozent geben an, eher schlecht vorbereitet zu sein, weitere 40 Prozent sind gar nicht vorbereitet: 35 Prozent planen aber, Vorkehrungen zu treffen, 5 Prozent haben das nicht vor. 10 Prozent können oder wollen keine Angaben zum Stand der Vorbereitungen auf hybride Angriffe machen.
Die Unternehmen haben zwar eine Vielzahl von konkreten Vorkehrungen zum Umgang mit erfolgreichen hybriden Angriffen getroffen, es fehlt aber ein flächendeckender und umfassender Schutz. 58 Prozent verfügen für solche Fälle über alternative Kommunikationsmittel, 27 Prozent planen das. 57 Prozent verfügen über Backups ihrer Daten und haben auch erfolgreiche Restore-Tests durchgeführt, 15 Prozent haben das vor. In 51 Prozent gibt es Ausweicharbeitsplätze bzw. Homeoffice-Regelungen für den Fall, dass im Unternehmen nicht gearbeitet werden kann (Planung: 25 Prozent). Rund ein Viertel (28 Prozent) hat für den Krisenfall durch zusätzliche Lagerhaltung vorgesorgt, 17 Prozent planen dies. Und 16 Prozent haben Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten (Planung: 32 Prozent), falls die bestehenden Lieferketten ausfallen. 28 Prozent setzen auf Sicherheitsüberprüfungen in sensiblen Bereichen, 17 Prozent denken darüber nach. Ebenfalls 28 Prozent haben ein Krisen- oder Notfallmanagement, 25 Prozent wollen eines einführen. Über eine Notstromversorgung verfügen 20 Prozent, 30 Prozent wollen sie einrichten. Und nur jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) führt regelmäßige Krisenübungen durch, 26 Prozent haben sich das vorgenommen.



