Der Linux-Hardware-Anbieter Tuxedo Computers stellt die Basis seines Linux-Betriebssystems Tuxedo OS von Ubuntu auf Debian um. Das Unternehmen begründet den Schritt mit technischen Einschränkungen der bisherigen Ubuntu-Langzeitversionen sowie mit der strategischen Ausrichtung des Ubuntu-Entwicklers Canonical.
Nach Angaben von Tuxedo erschweren Ubuntu LTS-Versionen mit zunehmendem Alter die Integration aktueller Software. Neue Programmversionen benötigten häufig Bibliotheken oder Abhängigkeiten, die in der bestehenden Paketbasis fehlten oder nur in älteren Versionen vorlägen. Auch Aktualisierungen zentraler Komponenten wie der Programmbibliothek Qt könnten dazu führen, dass andere Anwendungen aus den Ubuntu-Paketquellen nicht mehr fehlerfrei funktionieren.
Als weitere Gründe nennt das Unternehmen die stärkere Ausrichtung von Canonical auf das Paketsystem Snap, das bei Tuxedo unerwünscht ist, sowie die angekündigte Strategie für Funktionen mit Künstlicher Intelligenz, deren konkrete Umsetzung nach Einschätzung von Tuxedo bislang nicht ausreichend nachvollziehbar sei. Zudem kritisiert das Unternehmen, dass einzelne Sicherheitsaktualisierungen teilweise zu spät bereitstünden.
Künftig soll Tuxedo OS auf Debian Testing basieren, dem Entwicklungszweig der Debian-Distribution. Nach Angaben des Unternehmens bleibt diese Grundlage auch nach der Veröffentlichung künftiger Debian-Versionen bestehen. Tuxedo bezeichnet dieses Modell als „Continuous Debian“. Gleichzeitig will das Unternehmen weiterhin wichtige Komponenten wie den Linux-Kernel, den Grafik-Stack einschließlich der Nvidia-Treiber, den Webbrowser und die Plasma-Desktopumgebung kontinuierlich aktualisieren.
Für Nutzer soll sich der tägliche Umgang mit dem Betriebssystem kaum ändern. Die Paketverwaltung, die Verzeichnisstruktur sowie die Aktualisierung über den Paketmanager Discover oder die Kommandozeile bleiben erhalten.
Neu führt Tuxedo das Dateisystem Btrfs als Standard für Neuinstallationen ein. In Verbindung mit dem Werkzeug Snapper erstellt das System vor Änderungen durch die Paketverwaltung automatisch System-Snapshots. Nutzer können ihr System dadurch bei Problemen nach Aktualisierungen oder Softwareinstallationen auf einen früheren Zustand zurücksetzen oder selbst Wiederherstellungspunkte anlegen. Wer sich bei der Installation für ein anderes Dateisystem entscheidet, kann diese Funktionen nicht nutzen.
Vor der Freigabe der neuen Version plant Tuxedo eine öffentliche Testphase. Der Wechsel von der bisherigen Ubuntu-Basis auf Debian erfolgt allerdings nicht durch ein direktes System-Upgrade. Nach Angaben des Unternehmens erfordert der Umstieg aus technischen Gründen eine Neuinstallation. Eine Anleitung zur Übernahme persönlicher Daten will Tuxedo vor der Veröffentlichung bereitstellen. Anwender, die weiterhin auf Ubuntu als Basis setzen möchten, können stattdessen auf Kubuntu 26.04 wechseln.




