Mit den Onion Services in Version 3 führt das Tor-Projekt eine neue Generation von Tor-Diensten ein, die weniger Informationen leaken, bessere Crypto verwenden und weniger Angriffsfläche bieten. Dafür werden die Onion-Adressen länger.
Seit vier Jahren arbeiten die Tor-Entwickler laut der Ankündigung an den neuen Diensten. Die sollen das mittlerweile 10 Jahre alte traditionelle Onion-System ersetzen. Wer sich gleich in die technischen Details stürzen möchte, besucht am besten die Specs für die Tor Rendezvous Specification in Version 3. Ursprünglich lautete der Name für diese Vorschlagsammlung “prop224”.
Anstelle von SHA1, DH 1024, RSA 1024, AES 128 setzt das Projekt laut dem begleitenden Blogeintrag nun auf eine neue Hashfunktion (SHA 3), einen kurvenbasierten Signatur-Algorithmus (“ed25519”) sowie eine Kurve (“curve25519”) für ECDH. Für die letzten beiden könnte sich das Projekt entschieden haben, weil sie als Alternative zu den kryptografischen Kurven der Nist (National Institute of Standards and Technology) gelten (“p256”). Die werden für das Verschlüsseln von offiziellen Dokumenten in den USA verwendet, stehen allerdings in dem Verdacht, dass die NSA Hintertüren dafür kennen könnte.
Auffällig ist, dass die neuen Online-Adressen für Hidden Services wesentlich länger ausfallen. Vor dem “.onion” steht nun eine Kombination aus 56 Buchstaben und Zahlen, bislang waren es 16. Während es das alte Netzwerk erlaubte, über kontrollierte Relays die Onion-Adressen von Hidden Services herauszufinden, ist das mit dem neuen System nicht mehr möglich, da das die Deskriptoren verschlüsselt, die diese Adressen bislang offenbarten. Laut dem Blogeintrag schütze dieser Schritt vor einer Personifizierung dieser Dienste durch Dritte.
Zurück in die Zukunft
Auch über die künftigen Pläne für neue Features berichtet das Projekt. So sollen Admins ihre Master Keys offline halten können, sollen Clients sich sicherer authentifizieren, ist ein sicheres Namenssystem für die schlecht zu merkenden Onion-Adressen geplant und will man statistische Daten zu Hidden Services sammeln. Auch Blockchain-Support, Routing mit künstlichen Verzögerungen, AI-Support und verbesserte Guard-Algorithmen stehen auf der Agenda. Das alte Onion-System bleibt aber für die bestehende Community erhalten, zahlreiche Nutzer dürften vorerst weiter darauf angewiesen sein.
Noch befinden sich die neuen Dienste im Alpha-Stadium. Wer sie testen möchte, greift aktuell zur Version 0.3.2.3-alpha von Tor. Auch eine experimentelle Version 7.5a6 des Tor-Browsers mit der Tor-Alpha steht bereits zum Testen bereit.





