Die “Tooltipps Extended” von Linux-Magazin Online erweitern eines der im Linux-Magazin unter “Tooltipps” vorgestellten Softwaretools um Hintergrundinfos zum Projektstatus und zum Hauptentwickler. Heute: der Prozess-Spion Psinfo, Version 0.12.
Steckbrief:
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Zweck: |
Prozessinformationen anzeigen |
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Lizenz: |
GPLv2 |
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Alternativen: |
Linux Process Explorer, Sysstat |
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Derzeit aktuelle Version: |
0.12 vom 04. Juli 2010 (Download) |
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Webseite: |
Bewertung: ***–
Dank Psinfo müssen Benutzer das “/proc”-Verzeichnis nicht mehr selbst durchforsten, um Informationen zu einem Prozess abzufragen. Lediglich die Prozess-ID ermittelt der wissbegierige Nutzer vor dem Einsatz des praktischen Helfers. (Uwe Vollbracht)
Beschreibung:
Alle wichtigen Informationen zu laufenden Prozessen liefert das Tool Psinfo frei Haus. Übergibt der Anwender beim Start lediglich die Prozess-ID ohne weitere Parameter, präsentiert Psinfo sein gesamtes Wissen auf der Standardausgabe. Das Tool verrät dabei unter anderem Details zur CPU-Nutzung samt Nice- und Priority-Level, Informationen über das Ein- und Ausgabeverhalten des Prozesses, wie viele Daten der Prozess gelesen beziehungsweise geschrieben hat und wie viel Arbeitsspeicher er belegt. Psinfo zeigt außerdem die verwendeten Umgebungsvariablen an. Über Aufrufparameter schränkt der Nutzer die Anzeige ein und filtert die gesuchten Details heraus. Das Tool eignet sich damit ideal zur Fehlerdiagnose, sollte eine Anwendung Probleme verursachen.
Psinfo benötigt Kernel 2.6.0 oder neuer. Sein Wissen bezieht das Tool aus dem “/proc”-Verzeichnis und ist damit immer brandaktuell. Während die meisten Dateien dort für alle Anwender lesbar sind, sind bestimmte Informationen nur mit Root-Rechten zu erfahren. (Uwe Vollbracht)
Hintergrund:
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Psinfo ist ein erst zwei Jahre altes Tool, das in der aktuellen Version über keinerlei Dokumentation oder Manpage verfügt. Einen Überblick über die Liste aller Eigenschaften und Aufrufoptionen gibt das Kommando “psinfo” ohne weitere Parameter. Der Schreiber des knapp 730 Zeilen langen C-Programms, der 29-jährige Niederländer Ward van Wanrooij, hat seit 2007 einen Master in Computer Science in der Tasche und lebt als Consultant und “High Tech Entrepreneur”, wie er selbst es nennt, im niederländischen Arnhem. |
Fünf Fragen an Ward van Wanrooij, Erfinder und Maintainer von Psinfo:
Linux-Magazin Online: Wo, wann und warum hast Du das Projekt gegründet?
Ward van Wanrooij: Ich begann mit der Entwicklung im September 2008. Ich schrieb zu der Zeit einen Spam-Filter und hatte gerade einen Test in einem großen Netzwerk beendet. Der Test zeigte mir, dass mein Spam-Filter die E-Mails auf einer einfachen Workstation in Echtzeit scannte und dabei praktisch keinen Workload verursachte, verglichen mit den vier Frontend-Mailservern, die die größte Last darstellten. Ich wollte einige Aspekte des Spamfilters quantitativ vergleichen, zum Beispiel die verbrauchte CPU-Zeit. An den Konfigurationen oder Tools der Mailserver konnte ich nichts ändern, da sie im Produktivbetrieb liefen. Die benötigte Information lag in einer Datei des /proc-Verzeichnisses, und ich konnte kein Tool finden, dass diese Info herausholte und in lesbarer Form darstellte. Also dachte ich mir, so ein Tool brauchen wir. Nachdem ich mir einen Überblick verschafft hatte, welche Infos über das /proc-Interface zugänglich sind, entschied ich mich ein Tool zu schreiben, das all diese Informationen jeweils für einen Prozess ausliest.
Linux-Magazin Online: Arbeiten noch andere außer Dir daran mit?
Ward van Wanrooij: Niemand. Das Tool ist aber auch ziemlich vollendet und bedarf nur der Erweiterungen, wenn das Proc-Verzeichnis in späteren Kernel-Versionen neue Features bekommt.
Linux-Magazin Online: Wie soll es weitergehen – hast Du Pläne oder bestimmte Ambitionen mit Psinfo?
Ward van Wanrooij: Gemäß der “Unix-Philosophie” will ich das Tool klein halten, es nur eine Aufgabe erfüllen lassen und es als Basis für komplexere Anwendungen bereitstellen. Die Roadmap besteht also nur daraus, mit neuen Kernel-Features mitzuhalten. Schön wäre, wenn das Tool zur Standardausrüstung der einen oder anderen Linux-Distribution würde.
Linux-Magazin Online: Wenn jemand Psinfo mag, wird er auch mögen…
Ward van Wanrooij: … “sar”: Wer mein Psinfo-Tool benutzt, pflegt wahrscheinlich Produktivmaschinen oder analysiert die Ausführungszeit während der Software-Entwicklung. Interessant wäre für so jemanden also das sar-Tool, das ebenfalls Teil des Sysstat-Bündels ist: Es ist nützlich, wenn man vergangene Performance-Werte zusammensammeln will.
Linux-Magazin Online: Du schreibst auch Tools für Windows. Wann wirst Du Psinfo auf Windows portieren?
Ward van Wanrooij: Das habe ich nicht vor, da sein Verhalten speziell an den Linux-Kernel gekoppelt ist – es kann noch nicht mal für andere Unix-Derivate portiert werden. Das ist also keine philosophische, sondern eine praktische Entscheidung.
Ward van Wanrooij zeigt Psinfo:
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Diese Ausgabe von Psinfo zeigt, dass der Server seit rund drei Wochen läuft und der ntpd-Daemon weniger als eine Sekunde der CPU-Zeit sowie nur ein paar Megabyte des Speichers gebraucht hat. Oft schalten Leute Services wie den Network Time Protocol Daemon ab, weil sie so wenig Overhead wie möglich wollen. Das ist allerdings keine gute Idee, denn so muss man die Zeit manuell synchronisieren – obwohl, wie man sieht, der Service praktisch keine Ressourcen beansprucht! |




