Linus Torvalds hat überlegt, die standardmäßig aktivierten Patches für STIBP gegen Spectre v2 optional zu machen. Die Performance-Einbußen seien zu groß und träfen die falschen Leute.
In der Diskussion über die Patches für Single Thread Indirect Branch Predictors (STIBP) habe niemand erwähnt, wie schlecht die Auswirkungen auf die Performance tatsächlich seien, schreibt Torvalds in einer Mail. Bei Performance-Einbrüchen von mehr als 50 Prozent in einigen Situationen müssten sich die Leute schon fragen, ob es das Wert sei.
Die Diskussion um die Performance-Einbrüche ist offenbar entstanden, nachdem die Webseite Phoronix Benchmarks mit dem in Entwicklung befindlichen Kernel 4.20 veranstaltet hat. Dabei traten zum Teil deutliche Performance-Einbrüche zutage.
Deaktivieren oder nicht
Torvalds schlägt vor, die Patches standardmäßig zu deaktivieren und argumentiert, dass Menschen, die sich Sorgen aufgrund der Spectre-v2-Lücken machen, Simple Multithreading (SMT) ohnehin ausschalten. Das sei die sichere Lösung. Er schlägt vor, es – wie bei L1F – bei einer Warnung für Nutzer zu belassen, die Performance-Einbußen hinnehmen möchten. Allen anderen wäre Spectre v2 ohnehin egal, Performance-Einbußen würden sie aber sehr wohl bemerken.
Suse-Entwickler Jiri Kosina, von dem das Patch stammt, um STIBP zu aktivieren, argumentiert dagegen. Die Performance-Einbußen seien schlecht, aber basierend auf den Phoronix-Messungen nicht so schlecht. Anders als bei L1TF gehe es um die Isolation zwischen Prozessen, nicht zwischen VMs. Leute, denen Spectre v2 egal sei, könnten zudem den Kernelparameter “nospectre_v2” einsetzen. Ohnehin werde STIBP nur auf Systemen mit aktivem Hyperthreading eingeschaltet.
Kompromiss-Patch
Am Ende scheint sich ein Kompromiss anzubahnen. Patches von Tim Chen sorgen dafür, dass STIBP nur dann zum Einsatz kommt, wenn Admins für bestimmte Aufgaben das “prctl”-Interface aktivieren. Admins, die das Patch hingegen permanent benötigen, müssen es beim Booten explizit aktivieren. Besonders sicherheitsbewusste Systemverwalter schalten SMT ohnehin ganz ab.




