Schwedische Universitäten beenden Vertrag mit Elsevier

Schweden zieht Konsequenzen aus gescheiterten Verhandlungen, beendet den Vertrag mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier und setzt auf Open Access.

Schweden plant, bis 2026 auf ein Open-Access-Modell umzusteigen. Im Zuge dieser Transformation verhandelte nun das dafür verantwortliche Bibsam-Konsortium mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier und verlangte unter anderem offenen Zugriff auf alle von schwedischen Wissenschaftlern sowie teilnehmenden Organisationen in den Elsevier-Journalen veröffentlichten Artikel. Zudem sollten Organisationen, die in Elsevier veröffentlichen, Lesezugriff auf alle 1900 Journale des Verlags erhalten.

Elsevier verdient allerdings gut am aktuellen Geschäftsmodell und lehnte offenbar dankend ab. Allein von schwedischen Universitäten nahm der Verlag 2017 rund 13,3 Millionen Euro für Publikationen und Zugriff auf die Artikel ein. In der Wissenschaft bezahlen in der Regel die Wissenschaftler die Verlage, ihre Ergebnisse zu veröffentlichen und die Bibliotheken zahlen dann erneut, um die Zeitschriften mit den Ergebnissen abonnieren zu dürfen.

Weil nun keine Einigung zwischen Elsevier und dem Bibsam-Konsortium erzielt wurde, läuft der Vertrag am 30. Juni 2018 aus. Die schwedischen Wissenschaftler erhalten dann zwar weiterhin Zugriff auf die Artikel von 1995 bis 2017, nicht aber auf neuere Publikationen.

Einzige Option

Astrid Söderbergh Widding, die Präsidentin der Universität Stockholm und Vorsitzende des Präsidiums des Bibsam-Konsortiums, rechtfertigte den Schritt. “Wir müssen die Komplettkosten für Publikationen im Auge behalten und sehen eine Kostensteigerung sowohl für das Lesen als auch das Publizieren von Artikeln. […] Unsere einzige Option ist es, Vereinbarungen zu annullieren, wenn sie unseren Anforderungen hin zu einem Open-Access-Modell nicht genügen.” Zugleich verweist sie auf eine schwedische Webseite zum Open-Access-Modell.

Die Praxis der kostspieligen Veröffentlichungen gerät angesichts der möglichen Alternativen und klammer Universitätskassen auch in anderen Ländern immer mehr in die Kritik. Frankreich lehnte es kürzlich ab, eine Vereinbarung mit dem Springer-Verlag zu verlängern. In Deutschland haben “mehr als 200” Universitäten nach einem Streit um die hohen Gebühren von Elsevier im Oktober 2017 ihre Verträge mit dem Verlag auslaufen lassen.

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