RSA dementiert NSA-Deal und schimpft auf die NSA

Hat die NSA 10 Millionen Dollar gezahlt, damit die Security-Tochter von EMC eine Backdoor in seine BSAFE-Kryptolibraries einbaut? Nein, so eine Vereinbarung gibt es nicht, dementiert RSA gestern – und schimpft vehement auf die NSA: “2004 war die NSA noch dafür bekannt, Sicherheit zu fördern, nicht sie zu zerstören” Der Fall bleibt rätselhaft.

Snowden-Quellen der letzten Monate zufolge gab es einen Deal zwischen der NSA und der RSA, den sich der US-Geheimdienst 10 Millionen Dollar kosten haben lassen soll. Als Gegenwert hätte, so Reuters, der Krypto-Spezialist versprochen, den von der NSA modifizierten, hackbaren Zufallszahlengenerator in seinen Produkten zum Standard zu erheben.

Schon seit den 90ern waren die engen Geschäftsverbindungen zwischen den beiden Organisationen bekannt, doch die Summe, die durch die Snowden-Leaks ins Spiel gebracht wurde, warf ein neues Licht auf die Kooperation: Stimmt die Summe, dann machte das alleine etwa ein Drittel des Umsatzes aus, den RSA 2012 mit den entsprechenden Krypto-Produkten erziele, schreibt beispielsweise Reuters in seiner Meldung vom vergangenen Freitag. 

Das Schweigen hat ein Ende

In den letzten Monaten hatten weder die NSA noch RSA oder deren Muttergesellschaft EMC auf Anfragen Stellung bezogen, man wollte das Ganze wohl aussitzen. Doch die Nachricht, man habe 10 Millionen Dollar genommen, um seinen Kunden kaputte Verschlüsselungsprodukte anzudrehen, war dann wohl doch zu viel: In einem kurzen Statement dementiert “RSA, the Security Division of EMC” den ganzen Sachverhalt.

Weder habe es einen Geheimvertrag mit der NSA gegeben, noch absichtlich defekte Software oder Algorithmen. Man habe zwar zusammengearbeitet, niemals aber im Geheimen, sondern als ganz normales Mitglied der Security Community.

Auf NIST verlassen

Man habe sich bereits 2004 für den Mechanismus Dual EC DRBG im BSAFE-Toolkit entschieden. “Damals war die NSA noch dafür bekannt, Sicherheit zu fördern, nicht sie zu zerstören”. Außerdem sei der kompromittierte Algorithmus nur einer unter vielen, den die Benutzer aussuchen könnten. Allerdings blieb er eine Option, auch weil er NIST-Standard (das National Institute of Standards and Technology, eine in etwa dem BSI entsprechende US-Organisation) wurde und FIPS-compliant war.

Als 2007 Zweifel aufkamen (Auf der CRYPTO2007 wiesen Shumow und Ferguson die Existenz einer Backdoor nach), habe man sich auf die Einschätzung des NIST verlassen. Als NIST aber im September 2013 eine neue Bewertung der Lage vornahm, habe auch RSA sofort reagiert und die neuen Leitlinien umgesetzt und an Kunden weitergeleitet.

“Niemals würden wir so etwas tun”

Das Dementi fährt fort:

“RSA gibt zwar nie Details über seine Kunden preis, aber wir können aber kategorisch ausschließen, dass wir jemals Teil eines Projektes waren oder ein solches unterstützt haben, das die Schwächung unserer Produkte zum Ziel hat oder hatte, inklusive dem Einbau potenzieller absichtlicher Backdoors.”

Stimmt das Dementi, dann wäre es das erste Mal, dass Snowden-Leaks falsche Nachrichten enthalten würden. Allerdings spricht die Reuters-Meldung auch davon, dass Regierungsmitarbeiter RSA über den Tisch gezogen und hinters Licht geführt hätten. Die wahren Absichten habe man erfolgreich verschleiert. Admins sollten auf jeden Fall Vorsicht walten lassen bei der Wahl des Crypto-Toolkits und den verwendeten Algorithmen. Immerhin: Das ist nun so neu nicht.

(Update: Danke an unseren Leser Johannes Self für den Hinweis zur CRYPTO2007)

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben