Red Hat und IBM: Bedenken wegen Java 9

Nach Red Hat hat nun auch IBM Bedenken am Veröffentlichungsprozess für Java 9 geäußert. Ein Dorn im Auge ist den beiden Schwergewichten unter anderem das neue Jigsaw-Modulsystem.

Bereits Mitte April hatte Red Hats Scott Stark in einem langen technischen Blogpost Bedenken hinsichtlich der JSR-376 Java Platform Module System Specification geäußert, die Jigsaw implementiert. Im Rahmen der JSR-376 Expert Group (EG) konnte Red Hat offenbar Erfahrungen mit Jigsaw sammeln, Stark kritisierte dann vor allem die Praxisumsetzung.

Die Änderungen von Jigsaw beträfen Millionen von Java-Nutzern und -Entwicklern, so Stark. Die Modularisierung an sich erfolge einem erprobten Ansatz, sei aber in der Praxis weitgehend ungetestet. Vielmehr würde Jigsaw einigen der bisherigen und bereits jahrelang umgesetzten Best Practices beim Ausliefern modularer Applikationen widersprechen.

Der Blogpost zählt dann die zahlreichen Kritikpunkte an Jigsaw im Detail auf, von denen einige allerdings zum Veröffentlichungszeitpunkt bereits überholt waren. Er erklärt aber auch, dass sich viele davon recht schnell lösen ließen. Einige bräuchten etwas mehr Zeit, würden aber zu einer wesentlich besseren User Experience mit der Plattform führen. Die Verzögerung sei verkraftbar, denn die Alternative wäre eine Lösung, die nicht alle Use Cases abdecke.

Tim Ellison von IBM schloss sich auf der Mailingliste den Bedenken von Red Hat an. Anlass für ihn scheint neben den Bedenken von Red Hat zu sein, dass Mark Reinhold von Oracle den Public-Review-Prozess schnell beginnen möchte. Reinhold argumentierte, dass die Bedenken einiger der Experten keine mit der Spezifikation vereinbarten Ziele betreffe. Ellison argumentiert dagegen, dass die Experten der Expert Group zunächst ein gemeinsames Verständnis der Probleme finden sollten, bevor sie die Spezifikation in die Public Review geben. Konkret nennt er drei Punkte, die IBM gern noch klären möchte.

Am 5. Mai meldete sich David M. Lloyd von Red Hat auch nochmal auf der Liste und äußerte die eigenen Bedenken zum Entwurf. Er appellierte an Mark Reinhold, die Bedenken nicht als Selbstzweck zu betrachten. Man sei nicht darauf aus, Perfektion zu erreichen und sei bereits viele Kompromisse eingegangen. Red Hat suche nach Lösungen vor allem für drei kritische Probleme. Dazu gehört, dass Java 9 Zyklen unter den Modulen auch zur Laufzeit ermöglicht, dass die Entwickler das Module-Primitives-Patch neu evaluieren und dass Java 9 eine Package Namespace Isolation unter den Modul-Path-Modulen erlaubt.

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