Privacy-Konferenz in Berlin

Markus Beckedahl von Netzwelt.org plädierte auf der Konferenz "Whatever happened to Privacy" für Open Source und Verschlüsselung.

“Whatever happened to Privacy?” fragte die Heinrich-Böll-Stiftung mit ihren Partnern am Wochenende in Berlin und lud eine Reihe bekannter Gäste zu einer Konferenz ein.

“Mobilize-Event” nannte es die grüne Heinrich-Böll-Stiftung und wollte über den Verlust der Privatsphäre im Internet reden. Mit von der Partie waren der Grüne Hans-Christian Ströbele, Jacob Appelbaum, Journalist und Mitstreiter im Tor-Projekt sowie Jillian York von der EFF. Ein Teil der Veranstaltung lief unter dem Motto “Whatever happened to Journalism?”, mit ihm startete die Konferenz am Freitag Abend im rappelvollen C-Base in Berlin, die Frage aber blieb unbeantwortet.

Zum Auftakt der Veranstaltung galoppierte der österreichische Künstler Konrad Becker in einer halben Stunde durch einen wohl nicht ganz ernst gemeinten Vortrag mit wortwörtlich hunderten Folien. Der drehte sich um den militärisch-industriellen Komplex, Überwachungstechnologien, die Privatisierung des Krieges und die Vereinheitlichung der Medien, wurde von Techno-Sounds untermalt und war gespickt mit Zitaten bekannter französischer Philosophen. Doch der rasanten Präsentation, die wilde Bögen schlug, ließ sich leider kaum folgen. War es vielleicht doch eine Multimedia-Performance? Es blieb unklar.

Mehr über Journalismus erfuhr man bei Sonya Yan Song von Mozilla Open News. Sie forscht in den USA und stellte ihre Experimente mit der chinesischen Zensur vor: Sie sammelt chinesische Webseiten, die nach der Veröffentlichung der Zensur zum Opfer fallen und versucht mit Hilfe statistischer Methoden herauszufinden, welche Themen die Behörden am häufigsten zensieren. Die Themen Explosion, Land und Tod gehören unter anderem dazu. Sie erzählte zudem, dass es in China durchaus noch möglich sei, die Zensur über Proxys zu umgehen, aber dass diese für viele Chinesen schlicht zu teuer seien. Um die Zensur der großen Firewall zu umgehen, würden die Chinesen zudem gezielt Schreibfehler oder Bilder verwenden, was aber den negativen Effekt habe, dass ernste Diskussionen schnell ungewollt ins Komische abgleiten würden.

Markus Beckedahl von Netzwelt.org plädierte auf der Konferenz "Whatever happened to Privacy" für Open Source und Verschlüsselung.

Markus Beckedahl von Netzwelt.org plädierte auf der Konferenz “Whatever happened to Privacy” für Open Source und Verschlüsselung.

Markus Beckedahl von Netzpolitik.org rief schließlich dazu auf, im Angesicht der Snowden-Enthüllungen mehr zu verschlüsseln und lobte in diesem Zusammenhang das GnuGPG-Projekt, von dem sich auch ein Vertreter auf der Konferenz zeigte. Er glaube nicht daran, so Beckedahl, dass die deutsche Regierung den Geheimdienst besser kontrollieren wolle, es ginge ihr vielmehr darum, Deutschland zum Teil der Five Eyes zu machen. Nebenbei erwähnte er auch das Thema Open Source in der Politik: Er sehe gute Ansätze im Koalitionspapier, wolle aber erst die Umsetzung abwarten.

Alles in allem blieb der Eindruck einer kurzweiligen, eher politischen als technischen Veranstaltung, die aber inhaltlich am eigentlichen Thema ein wenig vorbei ging.

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