Rund ein Jahr nach dem Start von Red Hats Vertriebsprogramm RHX für Open-Source-Software-Anbieter macht das Unternehmen einen Teilrückzieher. Red Hat will nun Anleitungen für Open-Source-Software-im-Eigenbau liefern und hofft auf einen Selbstläufer.
Auf seiner Hausmesse im Mai 2007 hatte der US-amerikanische Linux-Distributor eine eigene Online-Plattform mit Namen Red Hat Exchange, oder kurz: RHX, vorgestellt. Das Konzept dahinter: Software-Hersteller sollten über die Red-Hat-Webseite die eigene Software anbieten, Red Hat würde die Software über das hauseigene Red Hat Network (RHN) verteilen und den Support dazu liefern. und das Linux-Unternehmen selbst könnte auf diesem Weg eigenen Support dazu verkaufen. In einem Blog auf der Nachrichtenseite zieht der ehemalige Leiter des Projekts, Matt Mattox, Bilanz und beschreibt, wie das Webportal fortgeführt werden soll. Zunächst dementiert er, dass das Projekt ein völliger Fehlschlag war: „Die Todesgerüchte waren stark übertrieben“, schreibt Mattox, allerdings sei es auch nicht der „Home Run“ gewesen, den das Unternehmen erwartet hatte. Mittlerweile sei man bei der dritten Änderungsstufe angekommen. Der Schilderung zufolge setzt Red Hat nun vor allem auf Open Source als Selbstläufer ohne Anforderungen an große Investitionen, und will dazu Anleitungen zum Software-Eigenbau liefern.
RHX habe drei große Änderungen durchlaufen: Zunächst sei geplant gewesen, insbesondere bei kleineren Firmen eine breitere Nachfrage für Open-Source-Lösungen zu schaffen. Nach Aussage von Mattox ging diese Rechnung nicht auf; stattdessen interessierten sich vorwiegend Großunternehmen für die Lösung. Daher erfolgte im September die erste große Neuausrichtung des Portals mit Premium-Supportangeboten, individueller Anpassung der Software und virtuellen Testumgebungen. Nach Aussage von Mattox ein Erfolg: „Binnen 90 Tagen nach diesen Änderungen hatten wir eine gesunde Verkaufs-Pipeline.“ Dennoch gab es zu Beginn 2008 einen weiteren Einschnitt: Die für RHX zuständigen Techniker wurden der Kernentwicklungsgruppe zugeschlagen und kümmerten sich fortan um Virtualisierung, Mattox selbst übernahm die Leitung des Software-Alliances-Team, wovon RHX einen Teilbereich darstellt. Die RHX-Leitung übernahm Jennifer Venable, die vor allem eine Etat-Kürzung umsetzen musste. Mattox formuliert dies so: „Jennifer strukturierte RHX um, so dass es entsprechend den neuen Gegebenheiten weniger Ressourcen erforderte.“ Die Mitarbeiter sollten noch eine weitere Aufgabe lösen. Er schreibt: „Wie um Himmelswillen sollen wir die RHX-Mission erfüllen mit einem Bruchteil des bisherigen Budgets?“ Die Antwort hierauf sieht Red Hat in der Selbstheilungskraft der Freien Software, und Mattox erhebt dies zum Leitsatz seiner dritten Lektion: „Wenn du zweifelst, erinnere dich an die Kraft von Open Source!“
Mattox beschreibt das neuerlich überarbeitete Konzept RHX als eine Art Entwicklungshelfer, mit dem Open-Source-Anbieter ihr eigenes Geschäftsmodell profitabel umsetzen sollen. Nach den Vorstellungen des Linux-Unternehmens sollten die Software-Unternehmen (Independant Software Vendor, ISV) vorhandene Open-Source-Pakete nehmen, mit ihren eigenen Entwicklungen ergänzen, selbst wieder als Open Source freigeben und Red Hat liefert hierzu die Verpackungsanleitung im doppelten Sinne in Form einer Roadmap und Packaging-Instruktionen. Über RHX verspricht das Unternehmen den Zugang zu den Kunden der Unternehmensdistribution Red Hat Enterprise Linux (RHEL) und den Nutzern der freien Distribution Fedora.
Für den Part mit der Verpackungsanleitung hofft das Unternehmen auf Helfer aus der Community. Er schreibt: „Insbesondere suchen wir nach Fedora-Leuten die uns dabei helfen können, unsere ISV-Partner durch ordentliche Packaging- und Distributions-Anwendungen zu leiten.“ Auf den kommenden Veranstaltungen wie der FUDCon und dem Red Hat Summit will das Unternehmen diesem Bereich eigene Schwerpunkte widmen. Interessierte Helfer sollten sich auf einer eigens eingerichteten Fedora-ISV-Liste eintragen.


