Der Bundestag will das Gesetz zum Deutschen Wetterdienst ändern. Die Open Knowledge Foundation Deutschland (OKFD) sieht hier eine Gelegenheit, die vom Steuerzahler finanzierten Wetterdaten zu öffnen und die Schnittstellen an die Gegenwart anzupassen.
In einer öffentlichen Anhörung will die Stiftung zu drei Punkten im Gesetzentwurf Stellung beziehen, die sie für noch nicht ausreichend geregelt hält und die sie ausführlich in einem Blogpost vorstellt. So fehle bislang unter anderem eine Verpflichtung, die Daten des Wetterdienstes vollständig zu veröffentlichen. Auch sei die Form der Bereitstellung ungenügend und stehe die dazugehörige Software stehe nicht unter freien Lizenzen. Häufig nutzen Entwickler für ihre Wetteranwendungen daher amerikanische oder norwegische Wetterdienste.
Alle Wetter
Der deutsche Wetterdienst (DWD) lebt von Steuergeldern, insofern wäre es naheliegend, den Steuerzahlern auch die erhobenen Daten zukommen zu lassen, und zwar alle. So liste der Globale Datensatz (GDS) nur 80 ausgewählte Wetterstationen auf anstatt der insgesamt 220. Außerdem fehlen einige der gemessenen Daten. Dazu zählen etwa die Taupunkttemperatur, die Bodentemperatur, Strahlungsintensität und Schneehöhe, dazu noch spezielles Straßenwetter und Glättemeldeanlagen. Zudem seien die ICON-Modelldaten, Radardaten, Satellitendaten, Daten zur Blitzortung und Sturmzellen sowie Daten aus Ballonaufstiegen und Luftfahrtmeldungen häufig nicht aktuell. Der Gesetzentwurf erwähnt diese aber nicht explizit. Die OKFD möchte, dass die Datenbestände standardmäßig offen sind und der DWD nur in begründeten Ausnahmefällen keine Daten anbietet. Auch nicht berücksichtigt seien bisher Archivdaten, die beim Erforschen des Klimawandels helfen könnten.
So 90er
Antiquiert sei auch die Form der Datendarbietung. In Zeiten von RESTful APIs und Json dürften die Wetterdaten nicht in Form einer Zip-Datei auf einem FTP-Server liegen, der zudem eine Anmeldung erfordert. Und sie sollten nicht in speziellen meteorologischen Formaten bereitstehen, die Entwickler erst mühsam konvertieren müssen. Hier fordert die OKFD verpflichtende Programmierschnittstellen (APIs), die das Nutzen der Daten für eine große Anzahl an Entwicklern ermöglichen und verweist auf die Open Weather Map. Da der DWD solche APIs wohl ohnehin neu entwickeln müsste, bestünde eine gewisse Chance, dass er dabei aktuellen Programmierstandards folgt.
Lizenzhürden
Zuletzt sollte der DWD seine Produkte im Sinne der PSI-Richtlinie beziehungsweise des Informationsweiterverwendungsgesetzes (IWG) unter freie Lizenzen stellen, die es erlauben, die Daten nicht nur zu verwenden, sondern auch weiter zu verwenden. Auf diese Weise entstehe ein Rückkanal, wodurch auch der DWD selbst von Weiterentwicklungen profitieren und die Qualität seiner Daten verbessern könne. “Software wie KLAM21 und MUKLIMO könnten etwa unter der European Union Public License (EUPL) lizenziert werden, audiovisuelle Erzeugnisse wie die Unwetterclips auf YouTube mit einer freien Lizenz wie CC0.” schlägt die OKFD vor.



