Nokia wählt Windows Phone

Gemeinsamkeiten: Nokia Chef Elop und Microsoft-CEO Steve Ballmer.

Der finnische Mobilfunk-Konzern Nokia hat unter dem neuen, von Microsoft kommenden Chef Stephen Elop einen strategischen Wechsel der Smartphone-Plattform vollzogen: Windows Phone ist die neue Nummer eins.

Unklar ist derzeit, was aus der Meego-Allianz mit Intel wird, beim Branchentreffen auf dem Mobile World Congress nächste Woche in Barcelona haben Nokia und Intel aber bereits ein gemeinsame Pressekonferenz mit gewichtigen strategischen Inhalten angekündigt. Die beachtliche Dimension der Nokia-Microsoft-Kooperation lässt aber für Meego nicht mehr viel Platz.

Dass CEO Stephen Elop den in jüngerer Zeit mit Problemen im boomenden Markt der Smartphones kämpfende finnischen Marktführer umkrempelt, hat er in einem Schreiben an die Mitarbeiter klar gemacht. Das dort gewählte Bild war ein Mann, der auf einer brennenden Ölplattform stehend die Wahl hat, 30 Meter ins eiskalte Meer zu springen oder zu verbrennen. Nebenbei: Der Mann springt und überlebt. Elop hat dieses Bild noch öfter in seinem Mitarbeiterbrief bemüht, unter anderem um klar zu machen, dass Nokia derzeit eher dabei sei, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Es sei weder gelungen seit dem Start des I-Phone im Jahr 2007 eine adäquate Antwort zu finden, noch sei eine solche in Sicht. Dass im Jahr 2011 mit einigem Glück ein gerade einziges Gerät mit Meego auf den Markt komme, hält Elop für inakzeptabel. Nokia habe zu lange am schwerfälligen Symbian festgehalten, den Code in eine Stiftung überführt und dann zusehen müssen, wie ein Partner nach dem anderen aus der Symbian-Allianz ausscherte. Der Fokus auf Meego als neue, Linux-basierte Plattform mit Intel an der Seite lieferte – wie Elop in seiner “Brand”-Rede ausführt – auf die Schnelle keine Geräte.

Elop hat nun den Wechsel auf Windows Phone befohlen. Microsofts jüngster Streich Phone 7 ist am Markt und verkauft sich dort leidlich. Alternativen wären Android oder eine verstärkte Investition in die Meego-Plattform gewesen – oder doch noch auf eine Eigenentwicklung zu setzen.

Gemeinsamkeiten: Nokia Chef Elop und Microsoft-CEO Steve Ballmer.

Gemeinsamkeiten: Nokia Chef Elop und Microsoft-CEO Steve Ballmer.

Die Partnerschaft, die nun mit Microsoft aufgebaut wird, ist weitreichend, von einem “global mobile ecosystem” ist die Rede. Im Detail heißt das enge technische Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Betriebssystem und Geräten, aber auch Griff ins gemeinsame Warenlager: Bing wird die bevorzugte Suchmaschine, die Nokia-Maps dienen den unverzichtbaren GPS-Diensten als Basis und halten auch Einzug in Bing. Die beiden Shopsysteme, Ovi-Store auf Nokias Seite und Microsoft Marketplace auf der anderen, verschmelzen. Nokia steuert dazu seine weltweiten Verträge mit Providern bei, was für Microsoft zu bislang unerreichbaren Mobilfunk-Bezahlsystemen der Provider und Netzbetreiber bedeutet. Für die im Smartphonegeschäft so wichtigen kommerziellen Services wie Apps ist das ein gewaltiges Pfund. Die im Marketplace gekauften Services lassen sich so zum Beispiel auch über die Telefonrechnung abrechnen, ohne dass zwingend sensible Kreditkarteninformationen ins Spiel kommen. Windows Phone soll mit Nokias Hilfe auch neue Geräteklassen, Preissegmente und Länder erreichen. Nokia selbst wird für Smartphones eine eigene Abteilung gründen, das Brot-und-Butter-Geschäft mit herkömmlichen Handys übernimmt eine andere.

Update: Inzwischen sind computergenerierte Bilder von möglichen Smartphone-Designs aufgetaucht und die Aussage, dass es noch in diesem Jahr reale Geräte geben soll.

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