Mozilla an die EU: Microsoft-Vorschlag zum Internet Explorer ungenügend

Wegen der Integration des Internet Explorers in Windows 7 kommt eine Stellungnahme von Mozilla zum Einigungsvorschlag an die Europäische Kommission. Sowohl Mitchell Baker wie auch der Anwalt der Mozilla Foundation sind der Meinung, dass Microsoft mit der aktuellen Version zu gut davonkommen würde .

Die Markteinführung von Windows 7 steht kurz bevor, und in dem laufenden Wettbewerbsverfahren muss die Europäische Kommission noch über den jüngsten Vorschlag von Microsoft entscheiden, wie das Unternehmen seinen Internet Explorer ausliefern darf. Hiernach soll der Anwender beim ersten Windows-Start über einen Auswahlbildschirm auf Wunsch einen anderen Browser nachinstallieren. Kurz bevor die Entscheidung in Brüssel mit allen Details endgültig wird, meldet sich Mozilla zu Wort und listet Gründe, warum die angebotene Lösung nicht ausreichend für echten Wettbewerb sei.

Mitchell Baker, die Vorsitzende der Mozilla Foundation, zählt in einem Blogeintrag ihre Argumente gegen den Einigungsvorschlag auf. Zwar müsse noch abgewartet werden wie die technische Umsetzung nach der Einigung aussehen werde, jedoch könnte der Vorschlag selbst „Verbesserungen vertragen“, so Baker. Vor allem ein Umstand gefällt ihr nicht: „IE wird immer noch eine einzigartige und einzigartig privilegierte Stellung auf Windows-Installationen haben“, schreibt sie. Ihre Kritik begründet sie damit, dass auch die Entscheidung für einen anderen Standard-Browser nichts daran ändere, dass der Browser mit Logo immer auf dem Rechner präsent sei, häufig mit herausgehobener Platzierung in der Anwenderoberfläche. „Die Shortcuts zurück zum IE bleiben so lange, bis der Anwender einen anderen Browser zu seinem oder ihrem Standardbrowser macht UND herausfindet, wie man IE „abschaltet“.“ Auch hinter dem Update-System Microsofts vermutet sie Wettbewerbsvorteile, ebenso hinter dem Fakt, dass die Software bereits installiert sei im Gegensatz zu anderen Programmen, die erst heruntergeladen werden müssten. Sie schließt ihre Liste damit, dass nach aktuellem Stand wohl alle anderen Microsoft-Produkte außer Office 2007 nach wie vor hartcodierte Links im Internet Explorer beinhalten.

Der Anwalt der Stiftung, Harvey Anderson, begründet in seinem Blogeintrag zum gleichen Thema, warum das Herunterladen einen Nachteil darstellt: Die Download-Möglichkeit für andere Browser stelle für viele Anwender nur eine Willenserklärung dar, die sie häufig technisch nicht umsetzen könnten: „Unsere Daten zeigen, dass nur rund 55 Prozent der Anwender, die einen Download-Link anklicken, in der Lage sind, den Download-Prozess zu beenden und zu installieren.“ Eine ausführlichere Anleitung sei daher nötig. Ein anderer Kritikpunkt des Juristen ist, dass bislang bei der Fünfjahres-Vereinbarung keine Zwischenbewertungen oder Meilensteine vorgesehen sind, die eine Nachbesserung ermöglichen.

Im Sommermonat August ruhen viele Vorgänge in Brüssel, jedoch wird erwartet, dass im September wieder Schwung hinter den Prozess kommt. Microsoft plant den offiziellen Startschuss für Windows 7 für den 22. Oktober 2009.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben